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Auf der Suche nach dem Glück

Glück ist, was man sich wünscht, geteilt durch das, was man bekommt. So war es jedenfalls von der Münchner Couplet-AG zu hören, die jetzt mit »Perlen für das Volk«, einer Art »Best-of«-Programm zum 20-jährigen Bestehen, in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast war. Angeführt von Jürgen Kirner und Bianca Bachmann, die mit vollem Körpereinsatz und aberwitzigen Songs den Löwenanteil des Auftritts bestritten, multiinstrumental begleitet von Bernhard Gruber und Neuzugang Andreas Lipperer, der als Glücksfee Penelope u. a. verkündete: »Wer den Kopf in den Sand steckt, muss mit dem Hintern atmen können.«

Die Couplet-AG mit (v. l.) Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Andreas Lipperer. (Foto: Heel)

Eingebunden in die Suche nach dem Glück präsentierten die vier von der AG (=Arterhaltungs-Gesellschaft) dabei einen so pfiffigen wie bissigen Rundumschlag gegen vieles, was ihnen so gegen den Strich geht. So lästerten sie über das von Ilse Aigner propagierte Projekt »Gesundes Essen in Schulen«, an dem ausgerechnet McDonald's als Hauptsponsor beteiligt ist, und machten sich über die »Latte-Macchiato-Mütter« im Bioladen lustig, die von pränataler Frühförderung schwärmen, mit Fötenmathematik und Fruchtwasserballett. Und wer schon immer den Verdacht hatte, dass Ärzte zu viel operieren, um ihr Chalet in der Schweiz abzahlen zu können, kam auch hier auf seine Kosten. Denn merke: »Ein Gesunder ist immer ein zu wenig untersuchter Kranker. Und wenn Sie nicht parieren, verkaufen wir Ihre Nieren.«

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Aber auch andere bekamen ihr Fett weg: Etwa die Käufer bei Billig-Discountern, denn »Selbst wenn der Inder brennt, das totale Glück gibt es nur bei Kick.« Oder die lieben Angehörigen, die den lästigen Opa ins Gratis-Pflegeheim »Haus Abendrot« abschieben, wo er dann als Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie dienen darf. Und weil Glück auch immer eine Frage der Perspektive ist, hieß es noch: »Es lebe hoch die Brotfabrik, sie ist der Kakerlaken höchstes Glück.« Nebenbei plädierten Kirner und Bachmann für steuerlich absetzbare Beamten-Patenschaften, empfahlen Söder-Rektal-Zäpfchen als Karrierebeschleuniger (»Aber Vorsicht, die Produktion wird demnächst eingestellt«) und parodierten die kuschelige Heimatkampagne des Bayerischen Fernsehens »I bin die Berta und wegen der Herdprämie bleib i dahoam.«

Zwischendurch brillierte Bachmann als Olga, die nymphomanische Oligarchin von der Wolga, die Merkel ihre Unterstützung anbietet (»Ich lasse Frau aus Osten nicht im Stich«) und von Männern mit Bierbauch träumt. Und nicht zu vergessen natürlich Kirner, der sich gekonnt als der Razzo vom Inkasso aufspielte (»Wir fangen an, wo andere aufhören«) und wie gewohnt als verwirrter Doktor Kudernak im Bademantel und mit Aktentasche über die Bühne wieselte, Botschaften aus dem Reich des Verfolgungswahns formulierte und die Besucher anherrschte: »Schreiben Sie's auf, schreiben Sie's auf, sonst vergessen Sie es!«

Kurzum, ein toller Abend, und deswegen zum Schluss noch ein Spruch: »I bin der Robbi, des is mei Swingerclub und bei mir rührt sich mehr als bei eich dahoam.« Na denn. Wolfgang Schweiger