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Auf der Vilshofener Woge surfend

Marktschellenberg - Wenn auch themenbedingt zwei Jahre Pause war, so bleibt das Gasthaus »Almbachklamm« doch das Aschermittwoch-Stammlokal der regionalen Sozialdemokraten. In diesem Jahr war der Hauptredner der Kreisvorsitzende der Partei, der nach der Wahl im Spätsommer in den Landtag einziehen möchte: Roman Niederberger aus Piding. Vielen war dies wohl ein guter Anlass zum Kommen, worüber sich neben dem Ortsvorsitzenden Thomas Jander und anderen SPD-Amtsträgern auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler freute.

Stimmenwerbung für die Politik der SPD im Gasthaus »Almbachklamm« (v.l.): Ortsvorsitzender Thomas Jander, Landtagskandidat Roman Niederberger, Bezirkstagskandidatin Güldane Akdemir und Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler. Foto: Anzeiger/Meister

Beseelt gewissermaßen von der vorausgegangenen Teilnahme am »großen SPD-Aschermittwochspektakel« in Vilshofen, bei dem Christian Ude und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rund 5 000 Zuhörer begeistert hatten, präsentierten sich die Redner vor nicht ganz so imposanter Kulisse, aber mit ähnlichem Feuer.

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»Das wird lustig im September«, sagte Ortsvorsitzender Thomas Jander und wies auf die beiden separaten Wahltermine für den Land- und Bundestag hin, die zwar deutlich die CSU-Angst vor einer Schlappe dokumentierten, andererseits auch sinnlos Geld der Steuerzahler verschleuderten. Jander erinnerte sich an die letzte Aschermittwochveranstaltung an gleicher Stelle und den Auftritt der Landtagsabgeordneten Adelheid Rupp. Er sei sicher, dass hier im kommenden Jahr der Landtagsabgeordnete Roman Niederberger sein würde, und zwar nicht als Mitglied der Opposition, sondern als das der Regierungsfraktion.

Ein Grußwort von Güldane Akdemir, die für den Bezirkstag kandidiert, leitete den »Rednerblock« ein. Oft Gast im Talkessel und ebenso im Gasthaus »Almbachklamm« ist Dr. Bärbel Kofler, die sich diesmal auf ein Grußwort beschränken wollte.

Für Neulinge des Politischen Aschermittwochs hatte Landtagskandidat und SPD-Kreisvorsitzender Roman Niederberger die Rezeptur parat, was die Veranstaltung am Beginn der Fastenzeit besonders macht und ungleich mit wahlwerbenden Auftritten im Jahresrest: Diskussionen gibt es nicht, denn der Redner hat das letzte Wort. Auch sollte eine Aschermittwochansprache mit dem Humor üppiger als gewöhnlich gefüllt sein, wozu er sich als bayerischer Beamter redlich bemühen werde.

Die längst Standard gewordenen Angriffe oder gar Diffamierungen des politischen Gegners seien mit ihm, Niederberger, nicht zu machen, sagte der 40-jährige Finanzbeamte, denn schon aus den »Don Camillo und Peppone«-Filmen, die in früher Kindheit am Beginn seines politischen Bildungsweges standen, habe er gelernt, dass auch der andersdenkende Mensch in einer anderen Gruppierung mit diesen Merkmalen noch lange kein Lump sei, denn auch aus eigener Perspektive irrenden Menschen sei nicht automatisch der gute Wille abzusprechen. Also kämen für Roman Niederberger persönliche Angriffe nicht in Betracht. Kritik ja, selbstverständlich, aber keine Untergriffigkeiten.

Roman Niederberger präsentierte sich in guter Form, redete sich in die richtige Betriebstemperatur, lief wohl beträchtlich »heißer«, als von Beamtenmotoren allgemein zu erwarten ist. Der politische Gegner, zitierte er den Parteivorsitzenden Gabriel, sei für die SPD nicht CDU, CSU oder FDP, sondern die Überzeugung, dass man eh nichts bewegen könne bei einer Wahl, weil doch eh alle gleich seien. Die Unterschiede klarzu- machen und dabei mit Begeisterung für die Demokratie streiten sollte also das Anliegen der SPD und natürlich auch seines sein, sagte Niederberger.

Das SPD-Erbe sei, für die Begeisterung an der Demokratie, die mit Volksherrschaft zu übersetzen wäre, einzustehen und den Willen des Volkes im Wortsinn ernst zu nehmen. Als Beispiel nannte Niederberger drei Niederlagen Christian Udes bei Münchner Bürgerentscheiden, beispielsweise die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Bau einer dritten Startbahn für den Flughafen. Dreimal habe Ude des Volkes Meinung, die konträr zur eigenen war, respektiert und mit dem Stadtrat so umgesetzt wie abgestimmt. Die CSU dagegen habe sofort versucht, die Abstimmungsergebnisse auszuhebeln und auf Schleichwegen für sich zu nutzen. So sei im Entwurf des Landesentwicklungsprogramms eigentlich nur ein Verkehrsprojekt konkret beschrieben: der Bau der dritten Startbahn.

Die Abschaffung der Studiengebühren als Schritt zu mehr Gerechtigkeit und fairen Chancen war ein Thema Niederbergers und im Zuge dessen auch die Absenkung finanzieller Hürden auf dem Weg beruflicher Bildung. So kostet eine Ausbildung zum Meister in Bayern durchschnittlich 7 500 Euro. Die Studiengebühren an den immerhin 27 Meister- und Technikerschulen in München betragen derzeit 750 Euro im Jahr. Diese Gebühren werden abgeschafft, auch, weil die Haushaltssituation in München gut sei und die Schuldenlast geringer, als zur Zeit der Oberbürgermeister-Amtsübernahme Udes, was auch gut die immer wieder erhobenen Behauptungen, die Sozis könnten mit Geld nicht umgehen, illustriere.

Die veränderungswürdige Bildungspolitik sprach der Landtagskandidat an, bezahlbare Mieten und Nebenkosten seien SPD-Ziele für die Zukunft. Anständiger Lohn für anständige Arbeit fanden in Roman Niederbergers Rede ebenso breiteren Raum wie das Schaffen einer menschlicheren Arbeitswelt. Was ein facettenreiches Thema sei, sagte Niederberger, denn nicht nur Lärmschutz oder der Helm auf der Baustelle sei gemeint, denn Arbeitsschutz sei auch die Vorsorge vor steter Überbelastung und auch der Datenschutz am Arbeitsplatz gehöre dazu. Und die Sorge der SPD beschränke sich keineswegs auf Arbeitnehmer, sondern beziehe auch die kleinen Selbstständigen ein und nicht zuletzt die Landwirte, die früher nicht direkt zum SPD-Klientel zählten, aber nun wohl nach neuen Wegen und neuen Parteien suchten, die ihre Angelegenheiten besser vertreten.

»Eines weiß ich aber schon. Egal, welche Fortschritte wir bei einer gerechteren Bildungspolitik, einer vernünftigen Landwirtschaftspolitik oder einer fairen Lohnpolitik erreichen: Nachher ist die CSU irgendwie auch schon immer dafür gewesen. Das haben wir bei der Energiewende erlebt. Das haben wir bei der Kinderbetreuung und bei den Studiengebühren erlebt.«

Er vermisse nicht die Zeit, in der Bayern schwarz und muffig war, doch nun sei der Freistaat bunter geworden. Und denjenigen, die Bayern als ihre ureigenste Domäne und die Andersdenkenden als Eindringlinge empfanden, setzte Roman Niederberger den Satz entgegen: »Mia san mehr mia, als andere jemals mia waren.« Dieter Meister