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Auf großartiger musikalischer Entdeckungsreise

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Großen Applaus gab es für alle Mitwirkenden des erstklassigen Eröffnungskonzerts, darunter Intendant Razvan Popovici (rechts) und die künstlerische Leiterin Diana Ketler (Vierte von rechts). (Foto: Aumiller)

Mit einem glänzenden Auftakt startete der Chiemgauer Musikfrühling im schönen Saal des Traunsteiner Vereinshauses heuer in seine 16. Auflage. In elf Konzerten an drei Spielstätten sorgen hochkarätige Instrumentalisten aus 14 verschiedenen Nationen für hochwertige musikalische Erlebnisse.


»Wir wollen versuchen, Ihre Herzen zu öffnen, Ihre Seele zum Lächeln zu bringen und Ihren Intellekt zu Höhenflügen einzuladen«, wünschten Intendant Razvan Popovici und die künstlerische Leiterin Diana Ketler den Festival-Besuchern zum Geleit. Die Pianistin und der Bratscher sind bekannt für ihre besonderen Programme und die treffliche Wahl der Künstler für die Interpretation der zu spielenden Stücke. Ihre Auswahl mischt beliebte Werke mit weniger bekannten Perlen am Rande des gängigen Repertoires.

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So wurde gleich der Eröffnungsabend für viele Zuhörer zu einem Fest der Entdeckung zweier ungewöhnlicher Raritäten in maßstäblicher Wiedergabe: Das Streichtrio des aus Mähren stammenden Gideon Klein (1919 bis 1945) und das Klaviertrio op. 4 des Österreichers Siegfried Fall (1877 bis 1943). Da hat sich auch der Bayerische Rundfunk »Zeit für Musik« genommen und das Konzert mitgeschnitten. Beide Komponisten jüdischer Herkunft wurden von den Nazis im KZ ermordet. Klein sei einer der hoffnungsvollsten Komponisten gewesen, sagte Popovici in seinem Grußwort. Während der Internierung in Theresienstadt komponierte er heimlich und vollendete das Trio wenige Tage vor seinem Abtransport nach Auschwitz.

Mit intensivem Einsatz und in verschmelzendem Miteinander brachten der englisch-niederländische Geiger Daniel Rowland, Razvan Popovici an der Bratsche und Justus Grimm am Cello die außerordentliche Qualität dieses Stücks zu beeindruckendem Leuchten. Die Streicher gestalteten mit großer Ausdrucksdichte und erzielten einen fülligen Klang, dem es aber nicht an Transparenz mangelte. Folkloristische Anklänge blitzten immer wieder auf, wehmütige Farben ebenso wie fein sinnierende Melodik. Fließenden Schwung unterbrachen gezupfte Passagen. Energische und forsche Bewegung kennzeichnete den dritten Satz. Eine eindrucksvolle Streicherkreation!

Ganz andere Farben wohnten dem Klaviertrio von Siegfried Fall inne, der übrigens der Bruder des bekannten Operettenkomponisten Leo Fall sowie Schüler von Max Bruch war. Sein Werk atmet noch den Geist der Spätromantik. Für sein Klaviertrio wurde ihm der Mendelssohn-Preis verliehen. Dennoch konnte er sich als Komponist keiner weiterer großen Erfolge erfreuen. Aber in der grandiosen Wiedergabe des belgischen Geigers Marc Bouchkov und der aus Belgrad stammenden Cellistin Maja Bogdanovic sowie dem schwedischen Pianisten Roland Pöntinen wurde Falls Klaviertrio für die Traunsteiner Konzertbesucher zu einer fantastischen Entdeckung. Tonfüllig in gut balanciertem Zusammenspiel formten die Musiker wunderbare melodische Bögen, zeigten einerseits lichte Klarheit, dann wieder jubilierenden Charakter. In einer breiten Ausdrucksskala schufen sie eine reiche Palette an Farbanreizen. Da gab es kleine Seufzer dazwischen, auch innig nachdenkliche Passagen, mal übernahm jedes Instrument im Wechsel die Melodieführung. Einfühlsam und gefühlvoll ebenso wie voll sprühenden Temperaments dargeboten, wurde das Trio zum bejubelten Erfolg. Marc Bouchkovs sichtliche genussreiche Freude am Spiel sprang zudem als zündender Funke auf die Zuhörer über.

Weitere Entdeckerfreude bescherte die Premiere eines Arrangements für Klarinette, Bratsche und Klavier des bekannten »Dumky-Trio« von Antonín Dvorák. Klarinette und Bratsche anstelle von Violine und Cello gaben dem Stück einen anderen, lichteren Charakter. Thorsten Johanns an der Klarinette, Popovici mit der Bratsche und Diana Ketler am Klavier verliehen dem Trio Charme, intensiven Ausdruck und klangliche Delikatesse. Anklingende Volksweisen kamen ebenso zum Tragen wie variierte Themenfolgen, melancholische Stimmung wechselte mit tänzerischer Beschwingtheit, getragene Tempi mit raschem Dahineilen und forschem Gestalten. In Folge formten Ketler und Pöntinen Dvoráks böhmische Empfindungswelt anhand zweier slawischer Tänze, in e-Moll und A-Dur, in vierhändiger Version mit energischem Gestaltungswillen und pianistischer Bravour. Elisabeth Aumiller

Das nächste Konzert im Rahmen des »Chiemgauer Musikfrühlings« findet am heutigen Dienstag um 19 Uhr in der Kirche St. Walburg im Kloster Seeon unter dem Motto »The Art of Duo« statt.