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Auf Schalke wächst die Sorge um Europa

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Sorgenmiene
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Schalke-Manager Horst Heldt redet die Mannschaft bewusst stark. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa

Gelsenkirchen (dpa) - Die Miene von Horst Heldt verriet mehr als tausend Worte. Nachdenklich studierte der Manager des FC Schalke 04 im Anschluss an das ernüchternde 0:1 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach Tabelle und Spielstatistik.


Schließlich ist der einstmals stolze Sieben-Punkte-Vorsprung des Tabellendritten auf Verfolger Leverkusen nach zuletzt zwei Niederlagen auf drei Zähler geschmolzen. Der wachsenden Sorge um die Champions League begegnete Heldt mit demonstrativer Zuversicht: »Wir haben noch genug Benzin im Tank und müssen nur die richtigen Hebel bewegen.«

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Dieses Statement klang mehr nach taktischem Kalkül als nach wirklicher Überzeugung. Sowohl Heldt als auch Trainer Jens Keller ließen keine Gelegenheit aus, die zuletzt verunsicherten Profis starkzureden. Das soll dazu beitragen, dass der Revierclub die fast schon sicher geglaubte direkte Qualifikation für die Königsklasse in den verbleibenden Saisonspielen in Freiburg und gegen Nürnberg nicht noch verspielt.

Erklärungen für den Einbruch des jungen und vom Verletzungspech gebeutelten Teams ließ der Manager nicht gelten: »Wir brauchen keine Bestätigung dafür, dass es eine lange Saison war. Das soll erst gar nicht in die Köpfe der Spieler.«

Wie schon beim 1:3 eine Woche zuvor in Stuttgart wirkten die Schalker auch im Westduell mit Mönchengladbach ängstlich und ideenlos. Deshalb ist Keller in den kommenden Tagen vor allem als Psychologe gefragt. Schon kurz nach dem Schlusspfiff machte sich der Coach Gedanken, wie er seine Profis wieder aufrichten kann: »Wir müssen ihnen aufzeigen, was sie für eine starke Rückrunde gespielt haben und wie gut sie sind.« Eine ähnliche Therapie empfahl Jungstar Max Meyer, für dessen Auswechslung in der 64. Minute Trainer Keller Pfiffe erntete: »Wir haben uns nach der Winterpause vom siebten auf den dritten Rang hochgekämpft. Jetzt müssen wir wieder zu alter Stärke zurückfinden.«

Auf die schnelle Rückkehr gleich mehrerer verletzter Leistungsträger kann der Revierclub aber nicht hoffen. Immerhin sind laut Heldt die Chancen auf ein baldiges Comeback des von einer allergischen Reaktion auf ein Arzneimittel geplagten Jefferson Farfán gestiegen. Doch der Manager verzichtete bewusst auf Klagen über die angespannte Personallage: »Es wäre der falsche Ansatz, jetzt über Spieler zu sprechen, die uns nicht zur Verfügung stehen. Die, die da sind, werden es schaffen.«

Anders als Keller hatte dessen Kollege Lucien Favre allen Grund zur Zufriedenheit. Dank des Treffers von Patrick Herrmann (35.) gelang der erste Sieg der Mönchengladbacher auf Schalke seit 1992. »Das fühlt sich wunderbar an. Platz 7 ist zu 99,7 Prozent perfekt«, kommentierte Sportdirektor Max Eberl. Bei sechs Punkten und 18 Toren Vorsprung auf den Achten FC Augsburg ist dem Altmeister die zweite Teilnahme am internationalen Geschäft in den vergangenen drei Jahren kaum noch zu nehmen.

Zumindest theoretisch besteht sogar noch die Chance auf die Champions League. Das setzt allerdings Patzer der Konkurrenz aus Leverkusen und Wolfsburg voraus. Doch auch mit Blick auf die Europa League ist die Platzierung nicht unerheblich. Schließlich zieht der Fünfte direkt in die Gruppenphase ein. Der Sechste muss eine und der Siebte sogar zwei Qualifikationsrunden überstehen. »Keiner darf mit seiner Motivation auch nur ein Prozent nachlassen«, forderte Eberl.

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