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Aufstieg in die zweite Liga

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Im Schnee fühlt sich Michael Willeitner vom SK Berchtesgaden besonders wohl. Er hat zuletzt an Form und Stabilität gewonnen und darf auf Einsätze im Weltcup hoffen. Foto: privat

Was bedeutet das Super-Ergebnis bei den deutschen Sommermeisterschaften im Biathlon für dich und dein Weiterkommen?


Michael Willeitner: Für mich bedeutet es die Qualifikation in die IBU-Cup-Mannschaft des DSV. Der IBU-Cup ist sozusagen der B-Weltcup im Biathlon. Um es in der Sprache der Fußballer auszudrücken: Ich bin von der 3. in die 2. Liga aufgestiegen. Dies bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Weltcup, der 1. Liga. Persönlich hat mir meine Leistung bei der deutschen Meisterschaft die Bestätigung gegeben, dass ich nach Rückschlägen immer noch das Potenzial habe, vorn dabei zu sein.

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Wann, wo und wie oft trainierst du?

Willeitner: Da ich momentan noch in der Ausbildung bei der Bundespolizei in Bad Endorf bin, habe ich eigentlich drei verschiedene Trainingsorte. Von April bis Anfang August trainiere ich, da ich in der Woche von 7.00 bis circa 15.30 Uhr die Schulbank drücke, in Bad Endorf. Dort haben wir alles, was wir zum professionellen Training brauchen: Rad-, Skiroller- und Crosslaufstrecken sowie einen Kleinkaliber-Schießstand. Zu dieser Zeit trainieren wir im Schnitt sieben bis neun Einheiten pro Woche. Den Rest des Jahres trainiere ich kombiniert in Ruhpolding und zu Hause. Die Einheiten, die ich alleine oder mit Freunden daheim machen kann, absolviere ich auch in Berchtesgaden. Für die Haupttrainingseinheiten, oft Komplextraining, also Einheiten mit Laufen und Schießen, fahre ich am Morgen nach Ruhpolding und bleibe bis zum Abend dort, da wir dann generell zweimal am Tag trainieren. Wir arbeiten vormittags und nachmittags und kommen somit auf bis zu zwölf Einheiten pro Woche.

Was sind deine nächsten Ziele?

Willeitner: Ich möchte mich jetzt im IBU-Cup etablieren und für die Europameisterschaft in Bansko/Bulgarien qualifizieren. Langfristig wäre das eine gute Basis für erste Weltcupeinsätze.

Was liegt dir mehr, der Lauf oder das Schießen?

Willeitner: Ich denke, dass ich beides recht gut kann. Mal läuft das eine besser, mal das andere. Und wenn beides passt, wird es ein guter Wettkampf. Das ist das Spannende am Biathlon: Es gibt viele Faktoren, wie Wind oder vor allem die mentale Verfassung, die die Leistung stark beeinflussen können.

Beim Biathlon kommt es auf das Laufen, aber auch das Schießen an. - Wie verhält sich das prozentual?

Willeitner: Das prozentual zu sagen, ist schwierig, da es abhängig vom Wettkampftyp variiert. Es gibt schieß- und lauflastigere Wettkämpfe. Beim Sprint und in der Staffel, jeweils mit zwei Schießeinlagen, wird allgemein mit mehr Risiko geschossen. Dadurch spielt die Laufleistung eine größere Rolle. Beim Massenstart und Verfolger hingegen wird viermal geschossen. Somit sind diese Wettkämpfe natürlich schießlastiger und werden laut meinem Trainer mit dem ersten Schießen verloren und mit dem letzten gewonnen. Beim Einzel mit einer Strafminute pro Schießfehler fällt das Schießen am meisten ins Gewicht, denn eine Minute Strafe tut natürlich richtig weh. Aber alles in allem besteht Biathlon nun mal aus Laufen und Schießen und deswegen muss man, um langfristig erfolgreich zu sein, letztendlich beides können.

Du läufst gern am Aschauerweiher. Kommst du auch auf die neue Strecke in der Scharitzkehl? Die Abfahrten dort sind recht zügig?

Willeitner: Das stimmt, ich laufe richtig gerne am Aschauerweiher, da es das größte Langlaufzentrum in unserer Region ist und dieses wegen der Topographie für Ausdauertraining genau die richtigen Strecken bietet. Ich war letztes Jahr auch oft in der Scharitzkehl beim Laufen. Die Strecke ist schon ein Phänomen,  eine Langlaufloipe auf knapp 1000 Meter, die von Mitte November bis April fast garantiert nutzbar ist. Und das ohne Maschinenschnee und direkt vor der Haustür. Durch die neue Streckenführung kann man die komplette Strecke auch bei wenig Schnee schon gut belaufen und muss sich nicht wie früher auf die Wiesenrunde beschränken. Das verhindert einen Drehwurm bei zwei Stunden dauerndem Training. Die Abfahrten, vor allem diejenige nach dem langen Berg auf der Kehlsteinseite, haben so ihre Tücken. Aber wenn man sich vorsichtig herantastet, sind sie eigentlich richtig gut zu befahren. Die Abfahrten machen die Strecke in der Scharitzkehl interessant und vielseitig, vor allem weil man die Runde gut variieren kann. cw