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Aufzug geht mitten durch alten Sitzungssaal

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Dort, wo Bürgermeister Franz Halmich jetzt steht, wird der neue, große Sitzungssaal im Rathaus Marktschellenberg entstehen. Im zweiten Stock, direkt oberhalb des ehemaligen Saals, wo früher eine Wohnung war. Im Hintergrund ist der neue Aufzugschacht zu sehen. (Fotos: Voss)
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Im ersten Stock des Rathauses entstehen die Büros der Verwaltungsmitarbeiter.

Marktschellenberg – »Wir liegen sehr gut im Zeitplan«, sagte Bürgermeister Franz Halmich kürzlich über den Rathausumbau in Marktschellenberg. Er machte vor wenigen Tagen mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« einen Rundgang über die Baustelle. Dort soll alles modern, aber funktionell werden, vor allem aber barrierefrei.


»Bis zum Kirtag, also Ende Juni, Anfang Juli 2019, wollen wir fertig werden«, zeigt sich Halmich zuversichtlich. Für die Barrierefreiheit sorgt unter anderem ein Aufzug. Für diesen steht bereits der Schacht, der mitten durch den ehemaligen Sitzungssaal verläuft.

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Das Rathaus Marktschellenberg ist bis auf die denkmalgeschützten Grundmauern ausgeschlachtet. Was jetzt noch Rohbau ist, soll bald funktionell und modern sein. »Die Baumeisterarbeiten sind so gut wie abgeschlossen, wir befinden uns gerade in den Vorbereitungen für die Putzarbeiten«, sagt Franz Halmich, als er die Stufen zum Eingang des Rathauses hinaufsteigt.

1,5 Millionen kostet der Umbau, davon werden 800 000 Euro vom Staat gefördert. Eine der Voraussetzungen für die hohe Fördersumme: Das Gebäude soll barrierefrei sein. »Wenn nun ein Gehbehinderter, eine ältere Frau mit Rollator oder eine Mutter mit Kinderwagen ins Rathaus wollen, müssen sie unten nur wenige Schritte nach links machen«, so Halmich und deutet auf den Aufzugschacht.

Höhenverstellbarer Tresen in Tourist-Info

Denn das Erdgeschoß liegt wenige Meter erhöht, dort sollen unter anderem die neue Tourist-Info, ein Aufenthaltsbereich und eine behindertengerechte Toilette untergebracht werden. Zudem können sich Urlauber in dem geplanten Empfangsbereich mit Sitzecke niederlassen und zum Beispiel ihr Handy laden. Die Tourist-Info bekommt einen Tresen im hinteren Torbogen – dem früheren Lesesaal. Dieser Tresen soll höhenverstellbar sein. »Wenn jemand in einem Rollstuhl kommt, kann man die Theke im Mittelbereich absenken«, erklärt der Bürgermeister.

Im ersten Stock befinden sich wie schon früher die Büros der Verwaltungsangestellten auf der linken Seite. Auf der rechten Seite soll ein Wartebereich entstehen. Wo früher der Sitzungssaal war, verläuft nun der Aufzugschacht bis in den zweiten Stock. Dahinter wird die Kasse zu finden sein. Im kompletten Stockwerk wird noch in diesem Jahr eine Fußbodenheizung verlegt.

Was die Kosten des Umbaus betrifft, so kann Franz Halmich verkünden: »Wir sind in der Planung. Es gibt keine Ausreißer. In den großen Ausschreibungen – 80 Prozent sind schon vergeben – sind wir eigentlich günstiger weggekommen, kleinere Ausschreibungen wie die Außentüre waren einen Tick teurer, aber das gleicht sich wieder aus.«

Fußbodenheizung, viel Holz und Glas

Im gesamten ersten Stock wird eine Fußbodenheizung installiert. »Das ist einfach wirtschaftlicher. Wenn man den Bodenausbau schon neu macht, muss man das mitmachen.« Mit einer Fußbodenheizung brauche man weniger Energie, weiß der Bürgermeister. Im unteren Bereich gebe es eine Pelletheizung, fügte er hinzu. Weil das Rathaus allerdings ein altes Gebäude mit dicken Steinmauern sei, seien zusätzlich Heizkörper in den äußeren Büros nötig. »Die Wände werden sonst feucht.« Im ersten Stock, wo früher der Sitzungssaal war, wird nun im hinteren Bereich die Kasse untergebracht. Was die Baumaterialien für die Büros angeht, setzt man auf Holz und Glas.

Im zweiten Stock war zuvor eine Wohnung. Hier befinden sich künftig die Mitarbeitertoiletten sowie ein »Sozialraum«, sprich eine Kaffeeküche. »Früher hatten wir so etwas nicht«, erwähnt der Bürgermeister hier und geht weiter in den hinteren Bereich, wo alle störenden Mauern herausgerissen wurden und der von Licht durchflutet ist. Hier entsteht der neue, große Sitzungssaal. »Er soll auch als Raum für Veranstaltungen dienen, wie auch als Trauungszimmer«, sagt Franz Halmich.

Wer den alten Sitzungssaal im ersten Stock des Gebäudes kennt, der erinnert sich an die dunkle Wandverkleidung und die schlechte Aufteilung. »Im neuen Saal haben wir dann eine U-Formation und auf der anderen Seite die Plätze für das Publikum, damit der Gemeinderat niemandem den Rücken zukehrt.« Die Holzfenster bleiben im Übrigen erhalten: »An der denkmalgeschützten Fassade dürfen wir ja nichts verändern, dazu gehören auch die Fenster«, erklärt der Rathauschef. Zudem wurden die Holzfenster vor zehn Jahren bereits restauriert. Einmal wöchentlich gibt es eine Baustellenbesprechung mit dem Architekten Wolfgang Schulze: »Wir besprechen dann den Fortschritt, wo es Probleme gab, wo wir hinten dran sind, was noch geklärt werden muss«, so Halmich. Heute ist auch Aufzugbauer Stefan Stöckl dabei. Wieder unten im Erdgeschoß angekommen warten die beiden schon auf Halmich.

Das Übergangsrathaus, das sich in der Messerergasse 8 befindet, wird von den Bürgern sehr gut angenommen, informiert der Bürgermeister abschließend. »Es ist aber auch groß beschildert.« Annabelle Voss