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Aus dem Meer des Vergessens geholt

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Sie freuten sich mit den zahlreichen Besuchern der Vernissage über die gelungene Ausstellung zum 125. Geburtstag von Bernhard Krüger: Bürgermeister Georg Schützinger (Herren von links), Ortsheimatpfleger und Laudator Gustl Lex (mit Selbstporträt Krügers) und Gemeinderat Rudi Aigner. Lex und Aigner hatten die Ausstellung gemeinsam mit Andreas Lindlacher initiiert. Simone Daxenberger unterhielt mit feinen Harfenklängen. Das Gemälde rechts hinten zeigt Frau Krüger, die Ehefrau des Künstlers. (Foto: Müller)

Eine sehenswerte Gemäldeausstellung des 1969 verstorbenen Grabenstätter Kunstmalers Bernhard Krüger läuft noch bis Freitag, 23. November in der Schlossökonomie.


Der Zeitpunkt wurde bewusst gewählt, denn Krüger erblickte am 3. Januar 1893 in Lehe, einem heutigen Ortsteil von Bremerhafen, das Licht der Welt – also vor 125 Jahren. Zudem jährt sich sein Todestag am 10. März 2019 zum 50. Mal. »Wir wollen ihm mit dieser Ausstellung wieder ein Gesicht geben und als Mensch und Künstler aus dem Meer des Vergessens herausholen«, so Ortsheimatpfleger und Laudator Gustl Lex bei der gut besuchten Vernissage. Mit dem ehemaligen gemeindlichen Geschäftsleiter Andreas Lindlacher und Gemeinderat Rudi Aigner hatte Lex die Ausstellung initiiert und mit Helfern und Unterstützern auf die Beine gestellt.

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Käuflich zu erwerben sind die facettenreichen Werke Krügers nicht, denn sie schmücken normalerweise die Wände der Häuser und Wohnungen hiesiger Bürger und wurden von diesen nur ausgeliehen. Zu bewundern sind unter anderem wunderschöne See- und Flusslandschaften aus Grabenstätt und Umgebung, einprägsame Gebirgskulissen, Städte und Blumen sowie gelungene Porträts von Krügers angeheirateter Verwandtschaft. Neben seiner geliebten Frau hat er sich auch selbst gemalt. Wie Lex verriet, habe Krüger anfangs mit Blei- und Kohlestift, mit Tusche und Feder, aber auch mit Rötel und Pastellkreiden Akte und Porträts gezeichnet. Auch mit Steindruck, Linolschnitt und Radierungen befasste er sich. Später machte er dann Aquarelle und in der Hauptphase seines Schaffens stieg er immer mehr auf die Ölmalerei um.

Beeindruckend sind auch jene ausgestellten Skizzen, die Krüger als junger Soldat während des Ersten Weltkrieges an der Westfront anfertigte und die das Elend, die Grausamkeit und Sinnlosigkeit der todbringenden Schlachten eindrucksvoll widerspiegeln. Krüger selbst hatte Glück im Unglück, denn er wurde 1917 bei einem alliierten Gasangriff mit Senfgas vergiftet, erblindete vorübergehend und wurde daraufhin ausgemustert. Die Augenprobleme sollten ihn sein Leben lang begleiten, standen seiner künstlerischen Schaffenskraft aber nicht im Weg.

Dass der damals in München Malerei studierende Preuße Krüger in den 1920er Jahren erstmals in den Chiemgau kam, war der Grabenstätterin Maria Lex zu verdanken, die damals in der Landeshauptstadt wohnte und bei einem Rechtsanwalt als Schreibkraft arbeitete. Im Fasching 1923 lernten sie sich in München kennen und schon 1924 wurde geheiratet. Bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Grabenstätt zogen (und ein Haus bauten), hatten sie dort oft Urlaub gemacht. Im Alter setzten sie ein gemeinsames Testament auf, in dem sie verschiedene Personen mit Bildern und Einrichtungsgegenständen bedacht haben. Sein Haus vermachte das kinderlos gebliebene Paar der evangelischen Kirchengemeinde mit der Auflage, in diesem einen Kindergarten zu betreiben, was dann auch von der Gemeinde Grabenstätt realisiert worden ist. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von der jungen Grabenstätter Harfenistin Simone Daxenberger.

Besichtigt werden kann die Ausstellung im Saal der Schlossökonomie Grabenstätt bis Freitag, 23. November montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr sowie auf Anfrage. Markus Müller