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Nach 15 Jahren als Cheftrainer beim kanadischen Rennrodelverband nahm der gebürtige Berchtesgadener Wolfgang Staudinger ein neues Angebot an und trainiert nun das Rennrodelteam von Südkorea. (Foto: privat)

Aus der Unterau über Kanada nach Südkorea

Wolfgang Staudinger aus Berchtesgaden bildete in seiner aktiven Zeit als Rennrodler mit dem heutigen Vorstandsvorsitzenden sowie Sportdirektor und Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, Thomas Schwab, eines der weltbesten Doppelpaare. Der größte Erfolg der beiden war die Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary, wo das Doppel hinter den DDR-Doppeln Jörg Hoffmann/Jochen Pietzsch und Stefan Krauße/Jan Behrendt Dritter wurde. Im selben Jahr wurden beide in Königssee Europameister und auch deutscher Meister.

Nach seiner aktiven Karriere wurde Staudinger Trainer in Kanada, den USA und Deutschland. Von 2007 bis 2022 war Staudinger wiederum Cheftrainer des kanadischen Rennrodelverbandes. Dabei bereitete der Berchtesgadener die Ahornblätter auf die Olympischen Spiele in Vancouver 2010 vor. Seinen größten Erfolg als Trainer feierte Staudinger 2018 in Pyeongchang, wo Alex Gough Bronze holte. Den Chefposten im Team Kanada übernahm mit Robert Fegg wiederum ein Berchtesgadener, der zuvor Cheftrainer der US-amerikanischen Mannschaft war. Mit Georg Hackl, der zum 1. Mai nach Österreich wechselte, war das Trainerkarussell komplett. Derzeit befindet sich Wolfgang Staudinger mit seiner neuen Truppe gerade bei einer Trainingsmaßnahme in Pyeongchang. Seinen Wechsel nach Korea begründete er damit, dass es nach 15 Jahren als Cheftrainer in Kanada Zeit für etwas Neues wurde. Dabei habe ihm die Arbeit in Nordamerika große Freude bereitet und auch die Erfolge konnten sich sehen lassen.

Bereits vor vier Jahren bekam er eine Offerte aus Korea, sagte aber ab. Nach den Olympischen Spielen in China reiste Staudinger für drei Wochen in seine alte Heimat zu seiner Familie. Dabei hatte er viel Zeit, über seine Zukunft nachzudenken. Just da folgte ein neues Angebot aus Korea mit der Einladung, nach Seoul zu fliegen. »Die Möglichkeit, ein Rennrodel-Entwicklungsland wie Südkorea zu trainieren, Strukturen zu schaffen und den Rennrodelsport in Asien weiter aufzubauen, ist eine Aufgabe, die ich mir sehr gut vorstellen kann und so passt das Gesamtpaket«, erklärte Wolfgang Staudinger und berichtete von einer interessanten Begebenheit. Als er vor etwa acht Jahren zu Besuch in Berchtesgaden war, erzählte Staudingers Mutter, dass bei den Nachbarn ein Koreaner wohnt, der bei der FIL (Internationaler Rennrodelverband) ein Praktikum absolviert. Staudinger kannte den Fremden nicht. Doch bei seinem Antrittsbesuch lernte er den Exekutiv-Direktor des koreanischen Verbandes kennen, der ihm von seiner Zeit in Berchtesgaden bei der FIL berichtete. Auf die Frage, wo er denn gewohnt hätte, sprach der Koreaner von der Unterau. Und als Staudinger darauf sagte, er komme ursprünglich von da, war die Überraschung groß. Denn die Familie Staudinger und die Nachbarn kannten Young Lee schon von einigen Begegnungen und einem gemeinsamen Straßenfest.

Jetzt arbeiten beide zusammen und amüsieren sich über diesen Zufall. »So klein ist die Welt«, findet der Neu-Koreaner Staudinger und freut sich riesig auf seine Aufgabe mit einem hoffnungsvollen jungen Team.

Christian Wechslinger