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Aus deutschen Landen des 18. Jahrhunderts

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Patrick Pföss (links) und Ulf Dressler erfreuten bei mehreren Konzerten im Chiemgau und Rupertiwinkel mit barocker Musik aus dem 18. Jahrhundert, gespielt auf Flöte und Laute. (Foto: Aumiller)

Der Kirchenraum der evangelischen Kirche in Trostberg eignet sich ausgezeichnet für Kammermusik – und damit auch für das Konzert von Patrick Pföss und Ulf Dressler mit »Sonaten des deutschen Barock«. Die Akustik fördert das instrumentale Klingen, ist dabei aber nicht zu hallig. Pföss, Flötist und Komponist, stammt aus der Region und ist dort ansässig, während der Lautenist Dressler aus Lübeck für die Konzerttour angereist ist, die die beiden Musiker in den folgenden Tagen unter anderem auch nach Tittmoning, Traunstein und Ruhpolding führte.


In Hamburg haben sie sich kennengelernt und seitdem reisen und spielen sie zusammen. Sie haben sich auf die historische Aufführungspraxis spezialisiert. Ihre Instrumente sind Nachbauten nach Originalen des 18. Jahrhunderts. Pföss’ informative Kommentare zu den Stücken und Komponisten ihres Programms ergeben einen kleinen Streifzug durch das kammermusikalische Deutschland in der Barockzeit. Die Sonaten sind für Flöte und basso continuo konzipiert, den hier die Barocklaute übernimmt. Pföss spielt die hölzerne Traversflöte mit klarem Ansatz in warmem reinem Ton, der, teils mit virtuosen Trillern garniert, glockig in den Kirchenraum aufsteigt. Dresslers Laute steuert filigrane Zartheit bei. Innige sensible Klanglichkeit zeichnet das Spiel des Duos aus, das unserer heutigen lauten Zeit einen würdevollen Gegenpol der Ruhe und Entspannung setzt.

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Das Programm beginnt mit der G-Dur Sonate von Johann Philipp Kirnberger, der aus Saalfelden an der Saale stammte, Hofmusiker am preußischen Hof und Lehrer von Anna Amalia von Preußen war. Der Adagio-Einstieg gibt gleich die rechte Stimmung für das Konzert vor. Dressler spielt zwei Stücke für Sololaute von Johann Georg Weichenberger und David Kellner, der Opern- und Lautenkomponist aus der Umgebung von Leipzig war. Seine Fantasie für Sololaute macht Dressler zum feingesponnenen Tongewebe. Er erklärt die außergewöhnliche Form der Barocklaute, deren Korpus die Nachbildung eines Schildkrötenpanzers ist, aus dem die ursprünglich aus Arabien herkömmlichen Instrumente einst gefertigt waren.

Von den einzigen drei Flötensonaten, deren Urheberschaft von Johann Sebastian Bach gesichert ist, haben Pföss und Dressler die e-Moll-Sonate ausgewählt, die den Flötisten mit zwei hohen Tönen, G und Fis, herausfordert, die in der gesamten Flötenliteratur nur bei Bach existieren, wie Pföss erklärend erläutert. Lang gehaltene Tonsequenzen spielt Pföss ohne Vibrato, wie es sich stilistisch zur Originalklangvorstellung fügt. Georg Philipp Telemann war mit Bach befreundet und war einer der produktivsten Barockkomponisten. Seine fis-Moll-Fantasia Nr. 10 gefällt durch tänzerische Rhythmik in variierter Dynamik.

Für jeden Flötisten besteht die große Herausforderung, im Ansatz so wenig Nebenluftgeräusche wie möglich zuzulassen. Pföss punktet mit klarer Tongebung. Besonders klangschön gelingt die D-Dur-Sonate von Johann Joachim Quantz, der einer der wichtigsten Flötenkomponisten und -lehrer der Barockzeit war und eine Flötenschule geschrieben hat. Sein berühmtester Schüler war der Preußenkönig Friedrich II. Die Musiksprache von Quantz reiht sich dem galanten Stil zu. Charmant bewegt sich das rasche Allegro mit virtuosen Passagen und bringt ebenso im Minuetto tänzerische Elemente ins Spiel.

Die Hallenser Sonate von Georg Friedrich Händel bringt zum Abschluss farbige und vielfältige rhythmische Beweglichkeit, die eine Spur an den italienischen Stil anlehnt. Sie ist der schöne Ausklang des feinen Kammermusikabends, den das Flöten-Lauten-Duo nicht nur zu einem wohllautenden Klangraffinement machte, sondern gleichzeitig für die Zuhörer zu einem Moment meditativen Innehaltens gestaltete. Elisabeth Aumiller