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Aus für die Königsseer Hotelprojekte

Schönau am Königssee – Wenige Wochen vor einem Bürgerentscheid, bei dem die Bürgerinnen und Bürger aus Schönau am Königssee über die Zukunft der geplanten Immobilienprojekte am Königssee hätten abstimmen sollen, zogen Projektentwickler und Privatinvestor jetzt die Reißleine. Im Gemeinderat informierte Bürgermeister Stefan Kurz am Dienstag darüber, dass sowohl Florian Jennewein von der N&F Königssee AG als auch Josef Größwang von den Hotel Königssee Betrieben die Einstellung der Bebauungsplanverfahren beantragt hätten. Damit sind die Hotelprojekte in bisher geplanter Form erst einmal gestorben.

Am Königssee wird sich vorerst nichts ändern. Auf Antrag der N&F Königssee AG und der Hotel Königssee Betriebe wurden die Bebauungsplanverfahren eingestellt. Foto: Anzeiger-Archiv/Irlinger

Zunächst begann alles ganz formell. Bürgermeister Stefan Kurz informierte den Gemeinderat, dass die Bürgerinitiative Listen mit 908 Unterschriften für ein Bürgerbegehren im Rathaus abgegeben habe. Sechs davon haben ihre Unterschriften schriftlich widerrufen, so dass noch 902 gültige Unterschriften vorliegen. Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren wären nur 436 Unterschriften erforderlich gewesen. Der Gemeinderat müsse nun über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens entscheiden und den Termin für einen Bürgerentscheid innerhalb von drei Monaten festsetzen. Als mögliche Termine schlug Stefan Kurz den 1. oder den 8. Dezember vor.

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Klaus Gerlach als Sprecher der Bürgerinitiative hatte schließlich noch einmal die Gelegenheit, das Bürgerbegehren zu begründen. Ziel sei es, so Gerlach, die beiden Bauleitplanungen am Königssee zu stoppen. »Wir wollen, dass zwischen Parkplatz und See nach städteplanerischen Gesichtspunkten gestaltet und gebaut wird«, sagte Gerlach. Denn die bisherige Planung sei städteplanerisch sehr bedenklich. Vor allem der Querbau beim Hotel Königssee mit seiner 60-Meter-Front und den vier Geschossen sprenge das geschützte Gebäudeensemble am See. Auch das Parkhotel auf einer Grundfläche von 70 mal 70 Metern mit bis zu fünf Geschossen als zweiter Riegel sei nicht im Einklang mit der umgebenden Architektur. Darüber hinaus seien die drei Wohntürme sowie die Geschäftshäuser in der Umgebung des Alten Bahnhofs städteplanerisch deplatziert. Klaus Gerlach zeigte sich zuversichtlich, dass man beim Bürgerentscheid einen überwältigenden Erfolg einfahren werde. Damit hätte seiner Meinung nach der im neuen Jahr zu wählende neue Bürgermeister und der neue Gemeinderat die Chance, ein neues städteplanerisches Gesamtkonzept aufzustellen.

Der Gemeinderat erklärte das Bürgerbegehren zwar einstimmig für zulässig. Doch zur Festsetzung eines Termins für den Bürgerentscheid kam es nicht mehr. »Die Sache hat sich seit Montag wesentlich geändert«, sagte Bürgermeister Stefan Kurz. Sowohl die N&F Königssee AG als auch Josef Größwang von den Hotel Königssee Betrieben hätten die Einstellung von Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplanverfahren beantragt.

»Damit ist das wichtigste Tourismusprojekt in der Gemeinde und in der Region gestorben«, zeigte sich Bürgermeister Stefan Kurz enttäuscht. Seinem Frust über das Aus dieses Großprojekts, für das er zehn Jahre lang gekämpft hatte, ließ er in einer mit vielen Angriffen gewürzten Rede freien Lauf (siehe eigener Artikel). Am Ende gab es einen einstimmigen Beschluss zur Einstellung aller Verfahren. Ulli Kastner