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Aus für Umbau am Watzmannhaus

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Um das »Salettl« an der Ostseite des Watzmannhauses wird seit Jahren gestritten. Der Abriss und vergrößerte Wiederaufbau des Anbaus wurde jetzt vom Verwaltungsgericht München untersagt. (Foto: privat)

Ramsau – Das sogenannte »Salettl« am Watzmannhaus darf nicht abgerissen und in größerer Form neu errichtet werden. Das entschied das Verwaltungsgericht München in einer am Dienstag veröffentlichten Eilentscheidung und folgte damit einem Antrag des Bundes Naturschutz in Bayern. Damit sind nun auch die reduzierten Pläne der Deutschen Alpenvereinssektion München auf Neubau und Vergrößerung des desolaten »Salettls« vom Tisch.


Das Watzmannhaus liegt auf 1 900 Metern Höhe in einem Vogelschutz-Gebiet und dem Flora-Fauna-Habitat des Nationalparks Berchtesgaden. Damit sind Bauvorhaben stark eingeschränkt.

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Seit Jahren wird um den Anbau gestritten. Der DAV wollte das sogenannte »Salettl« abreißen und etwas größer neu aufbauen. Von der Planung einer Auskragung über die Felswand hinaus nahm der Alpenverein nach Kritik schließlich Abstand.

Das Landratsamt Berchtesgadener Land hatte dem DAV im Februar 2016 eine Baugenehmigung erteilt, sich aber dabei laut Gericht nicht mit einer Befreiung von naturschutzrechtlichen Vorgaben befasst. Der BN hatte damals argumentiert, die geplante riesige Glasfront wäre – anders als die kleinen Sprossenfenster des alten Salettl – für Vögel quasi unsichtbar und würde zur »Todesfalle für Vögel«. Auch seltene nachtaktive Falter wären durch das künstliche Licht am Abend gestört. Das Gericht lehnte deshalb bereits 2018 einen Abriss und Neubau ab.

Nun erteilte das Gericht auch einem neuen Antrag des DAV eine Absage, der einen kleineren Neubau vorsah. Obwohl das »Salettl« demnach nur noch um etwa 27 Quadratmeter auf insgesamt 52 Quadratmeter erweitert werden sollte, sah das Gericht keine Genehmigungsmöglichkeit. Die mit der Erweiterung einhergehende Qualitätssteigerung für Gäste sei ausschließlich wirtschaftliches Privatinteresse. Dem DAV sei der Betrieb bei gleicher Platzzahl wirtschaftlich zumutbar.

Hüttenreferent Thomas Gesell von der Alpenvereinssektion München erfuhr durch einen Anruf der Lokalzeitung von der Gerichtsentscheidung. »Mir liegt bislang kein Urteil und auch keine Begründung vor«, sagte Gesell. Man warte jetzt auf die Unterlagen, werde diese anschließend prüfen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Denn bislang sei ja nicht klar, ob das Gericht nur eine Erweiterung oder grundsätzlich einen Neubau des »Salettls« untersage. Außerdem habe die DAV-Sektion München die Möglichkeit, Beschwerde gegen das Urteil einzulegen.

Der Neubau des »Salettls« auf der Ostseite des Hauses sollte die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Watzmannhaus abschließen. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatte die DAV-Sektion München das Haus modernisiert. Das komplette Hauptgebäude wurde entkernt und alles erneuert. Es gibt neue Zwischenwände, neue Zimmer, Lager, Personalräume, eine sanierte Pächterwohnung und auch einen weiteren Waschraum. Im Frühjahr letzten Jahres kamen dann die Restarbeiten an die Reihe: Elektrik, Wasseranschlüsse, Möblierung und Kachelofen für die Gaststube sowie Holzdecken.

Aktuell stellt die begrenzte Platzzahl im »Salettl« sicherlich kein Problem dar, denn wegen Corona nimmt man im Watzmannhaus derzeit maximal 50 Übernachtungsgäste auf. Die müssen ihre Mahlzeiten allerdings an Bierzeltgarnituren einnehmen. Denn die alten Möbel hatte man in Erwartung eines baldigen Baubeginns bereits im vorletzten Herbst aus dem Salettl entfernt und mit dem Hubschrauber zu Tal transportiert. dpa/UK