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Aus Schülerprojekt wird ein historischer Roman

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Hermann Weigand berichtete in Surberg über die spannende Entstehungsgeschichte seines historischen Romans.

»Chiemo« – ein historischer Roman aus dem Chiemgau und seine Entstehungsgeschichte stand im Mittelpunkt eines Abends beim Heimatkundlichen Verein Surberg im Surberger Pfarrheim. Zu Gast war der Autor Hermann Weigand aus Ruhpolding.


Der Lehrer verfasste vor gut 20 Jahren einen zweibändigen Roman über das frühe Mittelalter. Mit seinen Schülern suchte er nach einem geeigneten Projekt für den Geschichtsunterricht und stieß mit dem Thema »Ritter« auf reges Interesse. Diese für Bayern sehr wichtige Epoche beschäftigte ihn vier Jahre lang nahezu täglich. Er und seine Schüler wurden von dem Thema regelrecht überholt, allerdings musste erheblich recherchiert werden, die Datenlage war dünn.

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Die Suche nach Material oder Quellen begann mit einer geschichtlichen Karte des Gebietes um den Chiemsee aus dem 17. Jahrhundert. Diese passten die Schüler dann an die Zeit der Ungarneinfälle an. Für den Vergleich mit der Gegenwart werteten sie viele Ortschroniken und Bücher aus. Um die Begeisterung für das Ritterthema wachzuhalten, schrieb Herr Weigand immer wieder kleine Geschichten, die sich an einer typischen Hauptperson orientierten – dem Mönch Wigbert, der im Roman dem jungen Chiemo zum väterlichen Freund und Lehrer wird. Interessant war auch die Erkundung von Ortsnamen, die oft auf einen Beruf hinwiesen.

Durch Ausflüge bekamen die Schüler einen Einblick in das Leben der Mönche und den Kloster- und Kirchenbau, womit die Einwanderung irischer Mönche anschaulich wurde. Die »Rodungszellen« mit dem anschließenden Klosterbau oder der Errichtung einer Basilika wurden durch den Besuch von z. B. Herrenchiemsee untermauert. Auch die große Bedeutung der Klöster beim Austausch von Künstlern zwischen Bayern und Italien konnten sich die Schüler nun besser vorstellen. Sie erfuhren von Schreibstuben, Büchersammlungen und dem Gebrauch von Werkzeugen für verschiedene Handwerke. Der Bau von Burgen wurde ausführlich besprochen, die Überfälle der Slaven mit grausamen Zerstörungen waren den Schülern so nicht klar gewesen.

Ausführlich ging Weigand auf die Wanderung des magyarischen Volksstamms von Asien nach Europa und seine Entwicklung vom friedlichen Nomaden- zum kriegerischen Reitervolk ein. Die ungarischen Nomaden suchten Weideflächen für ihre Tiere und bahnten sich dabei den Weg nach Westen. Die Auseinandersetzungen mit Einheimischen führten dann zu grausigen Kriegen. Zwei Stoßrichtungen sind geschichtlich belegt: ins Rottal und nach Friaul.

Aus Viehhirten wurden Krieger mit tödlichen Waffen, z. B. dem sehr zielgenauen Hornbogen. Die Reiterausrüstungen waren leicht, sodass die »Magyaren« sehr wendig und schnell waren. Gewisse Gebiete verschonten sie gegen üppige Bezahlungen, aber um sie zu besiegen, waren nach 20 Jahren Kriegsführung große Anstrengungen notwendig. Herzöge und Mönche und die Landbevölkerung mussten Abgaben leisten, damit Material für den Verteidigungsaufwand bezahlt werden konnte. Im Jahre 909 wurden die Ungarn in der Schlacht an der Rott von Herzog Arnulf besiegt.

Weigand und seine Schüler waren vom »Feuer über Tassilos Land« zwar begeistert, erlebten aber auch durch die Geschichte die Grausamkeit dieses finsteren Jahrhunderts. Jutta Mayer