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Genussstunde mit dem Seeoner Kammerchor und der Violinistin Maximiliane Norwoods

Ausgewogene Klänge barocker Musik

Der Seeoner Kammerchor hat das gewisse Etwas – davon haben sich die zahlreichen Konzertbesucher in dem schmucken St. Walburgkirchlein des ehemaligen Klosters Seeon überzeugt. Die erst 17-jährige Violinistin Maximiliane Norwoods aus München kredenzte bei dem Konzert mit ihrer Barockgeige, am Cembalo begleitet von Chorleiterin Andrea Wittmann, ein besonderes Zuckerl zur Chormusik.

Die erst 17-jährige Violinistin Maximiliane Norwoods begeisterte in Cembalo-Begleitung von Andrea Wittmann. (Foto: Benekam)

Die Sängerinnen und Sänger des Kammerchors nahmen mit ihren ausdrucksstarken Singstimmen effektvoll die gesamte Kirche mit dem ersten Chorlied »Sing, Erde, sing in frohen Chören« von Jan Pieterszon Sweelink klanglich ein. Als Motto des Konzerts hatte der Chor die Sonata a-Moll, »Il Cucu«, für Violine und Basso Continuo des österreichischen Komponisten Johann Heinrich Schmelzer gewählt.

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In Norwoods virtuosem, noch frischem und zuweilen etwas zurückhaltendem Geigenspiel erklang ihr beachtliches Talent. Mit jugendlichem Auftreten ließ sie auf ihrer Barockgeige immer wieder den »Kuckucksruf« nachempfinden, der wohl einst der Komposition zu ihrem Namen verholfen hat. Ein Choral des franko-flämischen Komponisten Pierre de la Rue, »O Sallutaris Hostia«, war in der Folge ein klanglicher Hochgenuss, den der Chor unter Wittmanns hochsensiblem und fein differenziertem Dirigat mit Bravour umsetzte.

Weiter ging es mit der Sonata Nr. 1 für Violine und Bass Continuo von Jean Baptiste Senallie. Das dreisätzige Werk interpretierten Norwoods und Wittmann meisterlich in höchst konzentriertem Spiel. Zum Dank folgte begeisterter Applaus der Konzertbesucher.

Mit zwei Chorälen von Heinrich Schütz zeigte der Kammerchor wieder sein mehrstimmiges Stimmenpotenzial: mit wunderbar ausgewogenem Klang und bemerkenswerter stimmlicher Beweglichkeit durchdrang der homogene Klangkörper hingebungsvoll mit »Singet dem Herrn« und »Aller Augen warten auf dich« das Kirchenschiff. In solistischen Auszügen hob sich die klare und gut ausgebildete Sopranstimme von Edith Urbauer hervor und zauberte ein Lächeln in die Gesichter der Konzertbesucher.

Die Freude am gemeinsamen Singen wurde auch bei einem Werk eines anonymen Komponisten aus dem 16. Jahrhundert deutlich, bei dem sich ein Teil des Chors auf die Empore begab: Zu »Lobet den Herren, denn er ist gütig« ließen sich die Konzertbesucher in den raumgreifenden Klang der Chorstimmen fallen und spendeten im Anschluss kräftigen Applaus.

Zu Francesco Maria Verancinis Werk »Fantasia aus der Sonata Sesta op. 1 für Violine solo e Basso« stellte Wittmann am Cembalo den Lautenklang ein – ein echter Ohrenschmaus, bei dem die junge Geigerin in Cembalo-Begleitung noch einmal ihr virtuoses Können zeigte.

Der berühmteste Komponist des Barocks durfte natürlich nicht fehlen: Drei Werke von Johann Sebastian Bach setzten einen glanzvollen Abschluss eines rundherum gelungenen Konzerts. Mit dem Choral »Jesu, meine Freude«, dem »Dolce – Presto aus der Sonate Nr. 2 in A-Dur für Violine und obligates Cembalo« und zum Abschluss vom Chor mit kräftigem Stimmeinsatz der Konzertbesucher in dem Lied »Jesu bleibet meine Freude« endete die niveauvolle kirchenmusikalische Stunde. Riesenapplaus für alle Mitwirkenden, die mit unbeschreiblicher Frische ihrer ambitionierten Dirigentin folgten. Kirsten Benekam