Ausreichend viele Pflegekräfte im Klinikum Traunstein

Bildtext einblenden
Die Geschäftsführung lässt die Kritik des Betriebsrats nicht gelten: Sie betont, dass das Krankenhaus über ausreichend viele Pflegekräfte verfüge. (Foto: Pültz)

Traunstein – Das Klinikum Traunstein verfügt nach eigenen Angaben über ausreichend viele Pflegekräfte. Wie in allen anderen Krankenhäusern der Kliniken Südostbayern AG sei auch die Lage im Krankenhaus in der Kreisstadt »in punkto Personal aktuell stabil«, sagte Sabine Segerer-Utz von der Unternehmenskommunikation der Kliniken AG auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Thomas Nicolai, der Betriebsratsvorsitzende im Klinikum Traunstein, hatte kritisiert, dass Personal in der Pflege fehle.


Die Kliniken Südostbayern AG betreibt – als Kommunalunternehmen der beiden Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein – eine Reihe von Krankenhäusern. Sie unterhält die Kreiskliniken Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing, Ruhpolding, Trostberg und vor allem auch das Klinikum Traunstein. An letzterem Standort hat die Kliniken Südostbayern AG große Pläne: In den nächsten Jahren will sie das Klinikum Traunstein um- und ausbauen, die Bauarbeiten laufen bereits. Die Zahl der Betten steigt von 538 auf 575.

Anzeige

Im Rahmen des Tarifkonflikts hatte Nicolai bessere Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal gefordert. 2018 und 2019 sei die festgeschriebene Untergrenze für das Pflegepersonal zur Obergrenze geworden. Weniger Personal bedeute eine schlechtere Pflege. Die Corona-Pandemie habe das Ganze noch verschärft. Personal fehle in allen Bereichen, zum Beispiel in der Verwaltung ebenso wie in der IT, vor allem aber auch in der Pflege.

»900 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst«

Die Geschäftsführung lässt diese Kritik nicht gelten und verweist auf die Zahlen im Klinikum Traunstein. »Wir haben rund 900 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst. Das ist verglichen mit anderen Kliniken eine solide Basis«, betont Segerer-Utz. »In die Hände spielt uns sicher, dass wir hier im Landkreis Traunstein eine gute Infrastruktur mit hohem Freizeitwert haben sowie bezahlbaren Wohnraum – im Vergleich zu Ballungszentren wie Frankfurt oder München, wo Mieten teuer sind und Wohnraum knapp.«

Die Zahl der ausgebildeten Pflegekräfte ist laut der Unternehmenssprecherin von 2019 auf 2020 sogar noch gestiegen. Aber eins müsse man ganz klar sagen, und zwar: »Die demografische Entwicklung betrifft auch uns.« So gebe es nicht wenige Mitarbeiter aus der Babyboomer-Generation, die in den nächsten Jahren in Rente gehen werden.

Wegen des schon jetzt vorhandenen bundesweiten Fachpflegemangels werde es mittelfristig und langfristig eine noch größere Herausforderung, Personal zu gewinnen und zu binden. »Neben der stetigen Weiterentwicklung unserer Ausbildungsangebote und der Gestaltung attraktiverer Arbeitsmöglichkeiten greifen wir bereits heute schon zunehmend auf ausländische Mitarbeiter zurück und gewinnen qualifiziertes Personal im Ausland.«

»Wir stehen in großer Konkurrenz«

Die Kliniken AG komme nicht umhin, sich verstärkt jenseits der Grenzen umzuschauen. Die Vergütung der Pflegeberufe sei das eine, so Segerer-Utz, das andere sei die Arbeitsbelastung sowie die oft nicht einfache Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben etwa durch Schicht- und Wochenendarbeit. »So erfüllend es ist, Menschen im Krankheitsfall zu helfen, stehen wir hier auch in großer Konkurrenz zu anderen Branchen mit geregelteren Arbeitsbedingungen.«

Die Themen Arbeitsumfeld, Kinderbetreuung und Wohnraum werden ihren Angaben zufolge maßgebliche Eckdaten sein, Personal zu finden. Deshalb kooperiere die Kliniken AG mit verschiedenen Kitas und biete an verschiedenen Standorten Personalwohnungen an. »Zudem arbeiten wir sehr aktiv an prozessorientierten, digitalen Arbeitsmitteln wie etwa einer elektronischen Patientenakte, die wir in einigen unserer Kliniken schon eingeführt haben und sukzessive weiter ausrollen werden.«

Nicht immer biete der Markt ausreichend Pflegekräfte, so Segerer-Utz. Umso mehr Wert lege die Kliniken Südostbayern AG auf die Ausbildung. Zwei Bildungszentren stünden zur Verfügung. Das Unternehmen biete außerdem attraktive Weiterbildungsangebote für die Mitarbeiter. Das Angebot sei in den vergangenen Jahren stetig erweitert worden.

»Grenzen bei der Personaleinstellung ergeben sich durch bestehende Finanzierungsgrenzen der Kassen und des Gesetzgebers«, so die Unternehmenssprecherin. Sie müssten sodann angepasst werden, wie im Rahmen der Ausgliederung des Pflegebudgets aus dem Abrechnungssystem erfolgt. Für die Vergütung der Pflegekräfte sei ausschließlich der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes maßgebend. In der Kliniken-Südost­bayern AG komme er zur Anwendung, so Sabine Segerer-Utz.

Einstellungen