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Außergewöhnlich anders

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Die »Improfeten« wissen vorher nie, was sie spielen. Aber ihre Improvisationen haben auch die Zuschauer im Café Weinmüller begeistert. (Foto: Kewitsch)

Improvisationstheater lebt vom Moment, von der Sekunde, die umspringt während sich die Szene im Kopf entwickelt, dann aber sofort hinaus muss auf die Bühne, ohne Generalprobe, schon gar nicht mit Netz und doppelten Boden. So etwas kann schiefgehen. Sandra Meier, der eloquente Kopf der »Improfeten«, weiß das. Oft schon stand sie gemeinsam mit ihren Theater-Freunden auf der Bühne, so wie jetzt im Siegsdorfer Café Weinmüller. Nie war es so wie beim letzten Mal.


Der Irrsinn besteht darin, dass sich die »Improfeten« dem Publikum und der Situation schutzlos ausliefern. Da sitzen Menschen im Café Weinmüller und wollen unterhalten werden. Ihr Beitrag besteht lediglich aus ein paar willkürlichen Zurufen, der Rest ergibt sich. Da kommen schon mal Wortpaare wie Gülle und Milcherzeugung gemeinsam in einen Topf.

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Da passiert es, dass eine Szene geboren wird, die bayerische Tradition (Fensterln) mit Chantal und Detlef verknüpft und der kommende Dialog ausschließlich und zwingend verlangt, dass alle Wörter mit R (gilt für Detlef) und S (gilt für Chantal) beginnen müssen: »Ring roch ral ren Rein roch« bedeutet dann so viel wie »Bring doch mal den Wein hoch.« Was wiederum zur Antwort führen könnte: »Sleich, steig serst sal sauf sie seiter« (»Gleich, steig erst mal auf die Leiter«). Das ist alles andere als leicht, fürs Publikum hochkomisch und für die Akteure, die nicht wissen, was als nächstes kommt, der blanke Wahnsinn. Zwei Stunden lang.

Dani Mitterer, Steffi Ritter, Boris Bregar und Thomas Stegmann sind eine Bank im Hintergrund, sie kommen wahlweise dazu, helfen aus, springen ein, klatschen ab, die Show wechselt im Minutentakt. Manchmal werden Sequenzen mit dem Publikum »entwickelt«, Sätze aus einer Zeitung ausgewählt, Gemälde mit Körpern gemalt, manchmal ist es wirr und meistens ist es einfach nur witzig und unglaublich erheiternd.

Im Trio wechseln dann Personen, die Sprache (einmal geklatscht, wird fließend in Mandarin weiter referiert) und natürlich die Inhalte der Szene (Redner mit Simultanübersetzer, Melkerinnen im Dialog, geschiedenes Ehepaar im Widerstreit) – es ist eine Quelle der Freude, dies zu erleben, wachsen zu sehen.

Das ist alles andere als ein einstudiertes Bauerntheater, das ist kein klassisches Stück, das ist keine Ware von der Stange, das ist reinste Improvisation, mehr nicht. Die »Darsteller« der »Improfeten« lassen sich überraschen, was passiert, und reagieren in jeder Vorstellung wieder neu. Das Publikum im Weinmüller war begeistert – eine echte Bereicherung für den »Kulturgenuss in Bergen und Siegsdorf«. Udo Kewitsch