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Außergewöhnliche Pretiosen in Bildern und Schmuck

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Das Aquarell »Granatäpfel« von Marianne Duntze. (Foto: Giesen)

Während bei der ARTS-Akzente-Ausstellung in Traunstein in früheren Jahren häufig großformatige Installationen und Bilder gezeigt wurden, mussten die Veranstalter heuer wegen des Umbaus der Klosterkirche in die Alte Wache umziehen. Auf kleinem Raum ist hier nun eine besondere Ausstellung mit kleinen Kostbarkeiten an den Wänden und in den Vitrinen entstanden.


Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich die kleinformatigen Bilder von Marianne Duntze rund um den Raum. Die Künstlerin ist vor allem bekannt durch ihre Email-Miniaturen, befasst sie sich doch seit fast 60 Jahren mit dem klassischen Zellenschmelz. Sie zeigte diese Email-Arbeiten im In- und Ausland und erhielt 1984 bei der Email-Biennale in Limoges den ersten Preis. In dieser Ausstellung jedoch zeigt sie Hinterglasbilder und Aquarelle.

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Motive zwischen Realität und Fantasie

Sie wendet die seit Jahrhunderten überlieferte Technik der Hinterglasmalerei an, die der Bearbeitung des Emails ähnlich ist. Die Umrisse werden mit dunkler Wasserfarbe seitenverkehrt auf der Rückseite der Glasscheibe aufgebracht und die entstehenden Flächen mit Ölfarbe ausgemalt. Bestechend sind Marianne Duntzes Motive, oft zwischen Realität und Fantasie angesiedelt. »Ich habe Freude an Sachen, die es nicht gibt«, sagt sie. Mit Figuren, irgendwo zwischen Mensch und Tier, liebt es die Künstlerin, menschliche Schwächen oder witzige Situationen humorvoll darzustellen. Mit hintergründigen Bildtiteln wie »Versammlung«, »Guter Rat von oben« oder »Fang mich doch« lässt Duntze den Betrachtern dennoch viel Raum zur eigenen Interpretation. Besonders anrührend ist das Hinterglasbild »Aus dem Kinderzimmer«: zwei uralte Stofftiere – ein immer wieder geflickter Bär und ein Hase – vermitteln die innige Liebe ihrer ehemaligen Besitzer.

Marianne Duntzes Aquarelle sind keine typischen Aquarellbilder mit ihren verfließenden Farben, sondern exakt fein gemalte, fast gezeichnete Pflanzen- und Früchtebilder. Mit viel Liebe zur Natur wird zum Beispiel ein Zweig des indischen Springkrauts detailliert wiedergegeben, die »letzte Dahlie aus dem Garten« oder »Granatäpfel (vier Generationen)«. Über ästhetisches Wohlgefallen hinaus hat der Betrachter die Möglichkeit, die verschiedenen Stadien des Alterungsprozesses genau zu beobachten.

Schmuckstücke erzählen Geschichten

Erlesene, Hand gearbeitete Schmuckstücke zeigt Valerie Fleckenstein. Die Goldschmiedin wurde 1969 unter ihrem Mädchennamen Zinsser in Traunstein geboren und wuchs hier auf. Nach dem Abitur absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Goldschmiedin an der Staatlichen Berufsschule für Glas und Schmuck in Kaufbeuren und bildete sich bei dem Münchner Goldschmied Heinz Siebauer weiter. Dessen Umgang mit antikem Schmuck prägte sie stark.

1997 erhielt sie den ARTS Kulturförderpreis und arbeitet seither selbstständig im eigenen Atelier in Bad Aibling. Ihr ausgestellter Schmuck kennzeichnet eine klare Formensprache mit Liebe zum Material und einem hohen Anspruch an die handwerkliche Verarbeitung. »Ich möchte Schmuck machen, den man gerne trägt«, sagt sie. Dabei lässt sie sich von den verschiedenen Schliffen der Edelsteine inspirieren, aber auch von pflanzlichen Motiven, zum Beispiel filigranen kleinen Hortensienblüten. Die Fassungen gestaltet Zinsser, um die Eigenheit des Steins besonders hervorzuheben. Im klassisch schönen Design arbeitet sie Ringe, Ohrschmuck und Halsketten nur nach eigenen Entwürfen.

Ganz anders präsentiert sich der ausgefallen avantgardistische Schmuck von Andreas Duntze. Er spricht von seinen »wilden Dingen«, wenn er zum Beispiel sehr ungewöhnliche Ringe kreiert, die im Alltag nicht leicht zu tragen sein dürften. Inspiriert wurde der Künstler dabei von jüdischen Hochzeitsringen, die als Erinnerungsstück nur einmal für diesen Anlass geschaffen und getragen wurden. Mit einer frei gestalteten Ringschiene erinnern die Ringe manchmal an kleine Skulpturen, zumal viele auch selbst stehen können. Aufwändig und fein gearbeitet sind sie wie fantastische Miniaturen aus der Welt der Fantasie. Dabei verwendet er neben Perlen und Edelsteinen auch unkonventionelle Materialien wie Glas und Fundstücke.

Ein strenges, zeitloses Design weisen dagegen die als Anhänger in feinem Silber gearbeiteten, alten Münzen und Banknoten aus aller Welt auf. Da gibt es zum Beispiel alte Geldscheine aus Papua Neuguinea, dem Kongo oder den Fidschi-Inseln, kubanische Pesos als Denkmal für Che Guevara, eine australische Dollarnote oder eine original chinesische Ein-Kesch-Münze. So erzählt jedes dieser Schmuckstücke eine faszinierende Geschichte aus längst vergangenen Epochen und exotischen Ländern.

Auch Andreas Duntze verbrachte seine Kindheit und Jugend in Traunstein. Nach der Grundausbildung im Schmuckhandwerk studierte er Schmuck- und Gerätedesign an der Fachschule für Gestaltung in Pforzheim. Mit Stefan Höf, einem Fachkollegen von dort, gründete er eine Firma für interaktive Medien und Schmuckdesign mit dem Namen »dimogi«, was nicht etwa aus dem Italienischen stammt, sondern direkt aus dem Bairischen.

In ihrer fachkundigen Einführungsrede zitierte Sigrid Ackermann, Vorsitzende des ARTS Kulturfördervereins, den Dichter Rainer Maria Rilke. In dessen Kunsttheorie stand der Begriff des Schauens im Mittelpunkt. Dieses »Schau« sei das einzige Wort und der einzige Rat für eine Begegnung mit der Kunst gewesen.

Besucher der Alten Wache können diesem Rat bis Samstag, 27. Januar, folgen und die Ausstellung besuchen. Sie ist montags bis freitags von 11 bis 16 Uhr geöffnet sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 14 Uhr. Christiane Giesen