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Bach lobt sich Jesus, Mozart Vespern

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Nicht nur Dirigent (der »arcis vocalisten«), sondern auch Sänger: Thomas Gropper leitete von Bach auf Mozart mit drei Liedern aus dem Schimelli‘schen Gesangbuch über. (Foto: Hans Gärtner)

Von Orgelkonzerten und feierlichen Maiandachten über Hochämter, Jugendvespern und Meditative Abendlobe bis zu Rosenkranzgebeten und Adventsingen ist die Wallfahrtskirche Marienberg das ganze Jahr über auch ein kirchenmusikalischer Anziehungspunkt in der Region.


Seltsam, dass sie das Gastspiel im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach 2013« nicht auf ihrem reichhaltigen Programmzettel stehen hat. Eigenartig auch, dass der Marienberger Termin auf der Konzertvorschau 2012/2013 der Münchner »arcis vocalisten« fehlt, des Ensembles, das gern und weit auf Tournee geht, mit Oratorien und Passionen von Bach, Händel und Mendelssohn-Bartholdy, mit Chormusik von Schütz bis Orff. Sein Leiter Thomas Gropper jedenfalls machte trotz Wetterwidrigkeit mit seinem 2005 gegründeten »Projektchor« und einem kleinen Streicher- und Bläserteam in Marienberg Station.

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Er ließ, als Dirigent und Sänger, Johann Sebastian Bach in dessen fünfstimmiger Motette »Jesus, meine Freude« und drei Liedern aus dem Schimelli‘schen Gesangbuch sowie Wolfgang Amadeus Mozart mit den unter der KV-Nummer 339 zusammengefassten, festlichen Vespergesängen in der Barock-Rotunde über der Salzach nahe dem geschichtsträchtigen Kloster Raitenhaslach erklingen – in schönster Fülle und feierlichster Attitüde. Dem Bach-Werk nahm Gropper durch beherzten Zugriff alle ihm zugrunde liegende und es tragende Tristesse. Vielmehr ließ er den Trotz spüren, der sich ihr – aus tiefem Glaubensverständnis – entgegen zu setzen habe, um Jesus, selbst im bittersten Leid, Lob und Ehre zu erweisen.

Als Überleitung passten, quasi außer Katalog, drei pfingstliche Gesänge aus dem Schimelli‘schen Gesangbuch, die der zum Opern- und Konzertsänger ausgebildete Münchner Hochschulprofessor Thomas Gropper, begleitet von seinem verlässlichen Organisten, vortrug: fern aller Sänger-Eitelkeit, ganz aus den frommen barocken Texten heraus gestaltet, die überschwänglich vom »Brunnquell aller Güte« und der »lieben Sonne Licht und Pracht« künden – Sehnsucht weckend auf die Aufhellung des Juni-Himmels.

Bei Mozart öffneten sich die Herzen der doch recht zahlreich erschienenen Zuhörerschaft weit. Die nicht durchwegs geläufigen und in der Folge selten zu hörenden »Vesperae solennes de Confessore«, die alle mit dem ehrenden Anruf der heiligsten Dreifaltigkeit enden (»Gloria patri et filio…«), gestalteten Chor und Orchester im Ganzen freudig bewegt und in Grenzen dynamisch. Die gut 30 aus den insgesamt 50 Sängerinnen und Sänger der »arcis vocalisten« kosteten die Erhabenheit der lateinischen Texte angemessen aus.

Solistisch kocht, so stellte wohl mancher mit Genugtuung fest, das berühmte und viel beschäftigte Münchner Ensemble durchaus auch nur mit Wasser, das an der Isar also nicht anders fließt als an der Salzach. Der Sopranistin Birgit Schmidbauer gelang, das darf auf der Haben-Seite registriert werden, ein beseeltes »Laudate Dominum«. Es ist das gewiss bekannteste Teilstück aus den Vesper-Gesängen, das Mozart 1780 für den Salzburger Dom schrieb. Ins weitaus intimere Marienberger Kircherl passt es, so die spontane Empfindung, allerdings noch besser, zumal in der innigen Interpretation der reichlich applaudierten Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt, die dem »Musiksommer«-Festival 2013 einen weiteren Glanzpunkt aufsetzten. Hans Gärtner