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Bach und Mozart in höchster Vollendung

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Die Interpreten des Kirchenkonzerts mit einem wohlabgestimmten Solo-Quartett begeisterten das Publikum in der katholischen Pfarrkirche Traunreut. (Foto: Rasch)

Auf dem Gipfel der Fußballeuphorie gab es zur Abwechslung keinen Verlierer. Wohl aber einen Gewinner: Das Ruperti-Orchester und der Pallinger Kirchenchor überzeugten beim Kirchenkonzert in der katholischen Pfarrkirche Traunreut mit einer glänzenden Vorstellung. Die Konzertbesucher dankten den Interpreten mit einem lang anhaltenden Applaus.


Die Begeisterung beim Publikum war auch noch weit nach dem Konzertende spürbar. Die Besucher hielten sich noch lange Zeit am Kirchplatz auf und schwärmten in höchsten Tönen von einem »wunderschönen Konzert.« Kenner der Kirchenmusik sprachen von einer klangvollen und sehr anspruchsvollen Gesamtinterpretation. Die etwa 70 Mitwirkenden zeigten sich sowohl in den Einsätzen als auch in der Intonation gefestigt und gaben mit dem Konzert unter der Leitung von Chordirektor Richard Kalahur ein hohes Niveau vor. Der Traunreuter Kirchenmusiker Franz Mitterreiter zog zum Auftakt mit dem mächtigen Choralvorspiel der Fantasia super »Komm Heiliger Geist, Herre Gott« von Johann Sebastian Bach sämtliche Register der neuen Kirchenorgel und stimmte meisterhaft auf das kurzweilige, wohl gewählte Programm ein.

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Zwischen der Bach-Fantasia und der Sinfonia von Johann Christian Bach erklang der Auferstehungschor »Attolite portas« von Caspar Ett. Hier kamen zum ersten Mal Irmi Irgmeier (Sopran), Maria Matawa (Alt), Christian Gerer (Tenor) und Günther Stöckl (Bass) als wohlabgestimmtes Solo-Quartett zum Einsatz. Ett (1788 bis 1847) gilt als Hauptvertreter der ersten Epoche der katholischen kirchenmusikalischen Restauration des 19. Jahrhunderts. Er hat sich um die Wiederbelebung der älteren kirchlichen Vokalmusik große Verdienste erworben und selbst eine Reihe Messen, Motetten oder Requiems geschrieben.

Der festliche Auferstehungs-Chor verlieh dem Gesamtprogramm eine besondere Note. Von seiner besten Seite zeigte sich auch das Orchester bei der Sinfonia von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn von Johann Sebastian Bach. Die Sätze Allegro assai, Andante und Presto waren dem Orchester wie auf dem Leib geschnitten. Der galante Stil dieses Werks mit einem tänzerisch bewegten Finale war festlich angereichert mit Oboen und Fagotten.

Das »Sancta Maria, mater Dei« (KV 273) von Wolfgang Amadeus Mozart für Chor und Streicher leitete zum Hauptwerk des Abends über, der »Missa Solemnis in C« von Mozart für Soli, Chor und Orchester. Die letzte von Mozarts vollständiger Messvertonung, weist im Vergleich zur »Krönungsmesse« eine etwas strengere kirchenmusikalisch-liturgische Haltung auf, aber einen durchaus vergleichbaren Einfallsreichtum, wie unschwer zu überhören war. Auf das knappe, getragene Kyrie folgt ein formal straffes Gloria, das Credo lehnt sich an das Ritornellprinzip an. Das Benedictus ist eine strenge Fuge, die einzige in Mozarts Salzburger Messen. Mit dem Agnus Dei, einer Arie für Solo-Sopran, die Irmi Irgmeier mühelos meisterte, wandelt sich der Stil zu einer poetischen Anmutigkeit, die deutlich über eine Missa brevis hinausgeht. Gabi Rasch