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Bäcker warf Brandfackeln auf Stroh-Buttnmandln

Berchtesgaden/Laufen – Eigentlich hätte er einen richtigen Molotow-Cocktail bauen wollen, gestand der 23-jährige Bäcker, was ihm dazu fehlte, war eine Flasche. Weil er seine Ruhe haben wollte, warf er stattdessen zwei ölgetränkte Papierfackeln auf die mit Stroh umwickelten Buttnmandln. Glücklicherweise geriet keiner der Burschen aus der »Kälberstoana Bass« in Brand. Wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung in einem besonders schweren Fall schickte das Laufener Schöffengericht den gebürtigen Landshuter für zwei Jahre hinter Gitter.

Beinahe hätte ein 23-jähriger Bäcker am 5. Dezember letzten Jahres ein Strohbuttnmandl in Brand gesteckt. Dafür muss der gebürtige Landshuter nun zwei Jahre ins Gefängnis. Foto: Anzeiger-Archiv/B. Stanggassinger

Der schmächtige Angeklagte hatte als Bäcker in Berchtesgaden gearbeitet. Weil er bereits um halb zwei Uhr morgens aufstehen musste, hatte er sich am Abend des 5. Dezember 2012 gegen 19 Uhr schlafen gelegt. Und war um 21.30 Uhr mit lauten Glockengeläut geweckt worden. Drei Bassen Berchtesgadener Buttnmandln waren durch die Griesstätterstraße gezogen, um dort in einem Hinterhof Pause zu machen.

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Durch eine nur drei Meter schmale Gasse liefen die Burschen lärmend unter dem Balkon des Angeklagten hindurch. »Wie Damische sind die dort rum«, erzählte der Bäcker, »ich wollte, dass die abhauen.« Weil er in seiner Wohnung im zweiten Stock keine passende Flasche gefunden hatte, um einen Molotow-Cocktail zu bauen, steckte er stattdessen ein mit Zweitakt-Gemisch getränktes Blatt Papier in eine Alufolie, zündete es an und warf es nach unten. Daraufhin fragte er telefonisch bei der Polizei an, wie lange das Spektakel noch dauern werde. Als man ihm von dort mitteilte, das Ganze werde noch länger dauern, bastelte er eine zweite Fackel und warf die ebenfalls in die schmale Gasse zwischen die strohbekleideten Buttnmandl.

»Wenn Sie dabei jemand getroffen hätten?«, konfrontierte ihn Vorsitzender Richter Thomas Hippler mit der potenziellen Gefahr. »Dann hätt’s gebrannt«, räumte der Bäcker lakonisch ein. Gut hundert Menschen hätten sich zu dieser Zeit in dem Hinterhof aufgehalten, berichtete ein 27-jähriger Jugendleiter, der als Einbinder und Begleiter fungiert hatte. »Ich habe etwas Brennendes herabsegeln sehen«, erinnerte er sich im Zeugenstand, »und dann was Glühendes am Boden.« Er habe rasch versucht, die Buttnmandl davon wegzuschieben. Ein anderer Einbinder aus der »Weissei-Bass« trat die beiden Fackeln aus. Er verständigte daraufhin die Polizei, die den Bäcker wenige Minuten später festnahm. Eine Blutentnahme ergab 0,00 Promille Alkohol im Blut. Die Kripo Traunstein übernahm daraufhin die Ermittlungen, weil die Staatsanwaltschaft ursprünglich von »versuchtem Mord« ausgegangen war.

»Außer seiner Zuckerkrankheit gibt es keine Anzeichen für Erkrankungen«, berichtete Dr. Rainer Gerth. Der Facharzt für Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum hatte den Angeklagten kurz nach der Tat begutachtet. »Wir können nicht von einer Verminderung des Steuerungsvermögens ausgehen«, lautete sein abschließendes Fazit. Ein weiteres Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamtes verlas Richter Thomas Hippler (siehe Kasten), dazu die sechs bisherigen Einträge des Angeklagten im Bundeszentralregister. Wegen Computerbetruges stand der zurzeit der Tat in Berchtesgaden unter offener Bewährung.

Diesen Umstand wollte Staatsanwalt Dr. Martin Freudling als strafverschärfend werten. »Die Situation war extrem gefährlich, und der Angeklagte nahm billigend in Kauf, dass Menschen schwer verletzt werden.« Freudling plädierte auf zweieinhalb Jahre.

»Anstatt wie in alten Filmen einen Blumentopf oder Wasser nach unten zu werfen, nahm mein Mandant einfach das Nächstbeste«, resümierte Rechtsanwalt Jürgen Pirkenseer. »Er hatte nie die Absicht, jemand zu verletzen«. Deshalb wollte der Verteidiger nur den »Versuch der besonders schweren Nötigung« bestraft sehen und hielt dafür ein Jahr und drei Monate für angemessen – ausgesetzt zur Bewährung.

Eine solche wollte ihm das dreiköpfige Schöffengericht nicht noch einmal einräumen, obschon dies mit dem Strafmaß von zwei Jahren gerade noch möglich gewesen wäre. »Es war keine Spontantat«, betonte Thomas Hippler, »aus nichtigem Anlass, wegen einer Ruhestörung, warf er die Brandsätze auf Menschen.« Ein solches Verhalten sei nicht »bewährungswürdig«. Rechtsanwalt Pirkenseer kündigte gegenüber der Heimatzeitung an, in Berufung zu gehen. »So jemand gehört nicht hinter Gitter« ist er überzeugt. Hannes Höfer