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Bairische Gedichte aus 40 Jahren in einem Band

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Josef Wittmann aus Tittmoning las bei der Matinee im Rahmen der Steiner Literaturwoche, im Hintergrund sind Harald Grill und Kristina Pöschl zu sehen. (Foto: Mix)

Im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche gibt es jedes Jahr eine Matinee am Sonntagmittag, die Literatur und Musik miteinander verbindet. Dieses Mal stand der bairische Dialekt im Focus der Veranstaltung. Der Sammelband »Vastehst me«, herausgegeben vom Lichtung Verlag in Viechtach, beinhaltet 150 Gedichte von Mundartautoren aus den letzten 40 Jahren. Zwei der Dichter, Harald Grill und Josef Wittmann, gaben bei der Matinee Kostproben daraus zum Besten.


Das Bairische ist in den letzten Jahren wieder populär geworden, sei es in diversen Filmen oder auch in der Literatur. Dichter, die im Dialekt schreiben, sind jedoch noch immer rar. Zusammen mit den beiden Schriftstellern war Kristina Pöschl vom Lichtung Verlag nach Stein gekommen. Sie stellte das Buch »Vastehst me« vor, in dem jeder der darin enthaltenen Mundartlyriker in seinem jeweiligen regionaltypischen Dialekt schreibt. Es kommen Autoren aus Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz zu den unterschiedlichsten Themenbereichen zu Wort.

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Josef Wittmann aus Tittmoning und Harald Grill aus Wald im Oberpfälzer Landkreis Cham lasen einige kurze, sehr prägnante Gedichte vor. Beide schreiben seit mehreren Jahrzehnten und gaben schon immer auch ihren Kommentar zu aktuellen Ereignissen in Gedichtform ab. Sie waren bei den Demonstrationen in Wackersdorf dabei und Harald Grill beschrieb unter anderem, wie damals ein von den Demonstranten aufgestellter, aus Holz geschnitzter Herrgott von der Polizei entfernt wurde, während ein Priester dazu passend die Lesung von der Kreuzabnahme aus dem Evangelium vortrug. Zum Thema »Heimat« machten sich beide Dichter so ihre Gedanken. Für Josef Wittmann gehört zur Heimat »a Hand voi Leit, wos’d sogn konnst, guat, dass de gibt«. Harald Grill geht sogar so weit zu sagen, »unser Dorf is der Mittelpunkt der Welt, wos bei uns ned guat is, is woanders a ned besser«. Der geborene Niederbayer hat zahlreiche Gedichte aus fremden Sprachen in bairischen Dialekt übersetzt. In einem wird eine Wassermelone am Obststand mit einem grünen Buddha verglichen: »mir kaffan des Lacha, de Zähn speibn mir aus«. Eine schöne Metapher zeichnet er auch in einem Familiengedicht, wo er über eines seiner Kinder sagt: »Du schaltst des Licht ein in unserm Gsicht.«

Sehr selbstkritisch und für die Zuhörer amüsant war die Eigenbetrachtung von Josef Wittmann, wenn er morgens in den Spiegel schaut und sein »hoibe siebne Gfriss« darin sieht. Kristina Pöschl las aus dem Buch noch einige Beispiele anderer Autoren, darunter von Marcus H. Rosenmüller, der den Verkehrslärm am Mittleren Ring, wo er als Student wohnte, mit dem »Rauschen der Karibik« verglich und so für sich erträglich machte.

Musikalisch begleitet wurden die teils nachdenklichen, teils amüsanten Beispiele von Sven Ochsenbauer aus Viechtach. Der Pianist spielte »Hoamat-Jazz«, das sind bairische Volkslieder in einem neuen Jazz-Gewand. Pia Mix