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Balsam für die Seele

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Die Seelen der Zuhörer erreichte das Trio Schmidbauer, Kälberer und Pollina im Salzburger Republic. (Foto: Kewitsch)

Zuerst die schlechte Nachricht: es war ausverkauft, bis auf den letzten Platz. All jenen, die keine Karte mehr bekamen, entging ein phantastisches Konzert. Wie eine kuschelige, wärmende Decke sollte sich das Konzert im Salzburger Republic über die Seele der begeisterten Zuhörer legen. In Anbetracht des überraschenden Wintereinbruchs eine überaus angenehme Angelegenheit.


Schmidbauer und Kälberer ist eine Wortpaarung, die einem leicht über die Lippen rutscht, ein musikalisches Duo, das höchsten Genuss verspricht. Nun gesellt sich mit dem (zum Schmunzeln verleitenden) Namen Pippo Pollina ein dritter hinzu. Pollina in der Szene mitnichten ein Unbekannter, aber in dieser Kombination ein Novum.

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Die drei lernten sich auf einem Konzert von Pollina in Bad Aibling, dem Heimatort von Schmidbauer, kennen. Eine gerissene Saite und der Zufall brachten die Musiker zusammen. Fortan sollte sich aus der Liebe zur Musik eine enge Freundschaft entwickeln, aus der mit dem Projekt »Süden« nunmehr eine innige Seelenverwandtschaft entstanden ist.

Der 1963 in Palermo auf Sizilien geborene Pippo Pollina ist ein Erzähler, ein Musiker, ein Kämpfer gegen die Mafia, ein Barde, ein – so scheint es – warmherziger Mensch. Schmidbauer und Kälberer sind langjährige Weggefährten, die sich ihrer Musik verschrieben haben; der Moderator Werner Schmidbauer weiß geschickt, seine Geschichten zu den Songs zu vermitteln, ihre Heimat: der Süden Deutschlands.

So entstand zunächst auf Basis von Improvisation und ohne Plan, später mit Hingabe das Projekt »Süden«, welches nun auf eine lange Konzertreise geht, die im August 2013 in der Oper von Verona ihren Höhepunkt finden soll. Die Vorbereitungen hierzu laufen auf Hochtouren.

Das Trio hat das Salzburger Publikum im Nu gewonnen, die sympathisch schelmische Ansprache von Pippo in gutem Deutsch, die Anekdoten von Schmidbauer und nicht zuletzt die musikalische Qualität aller drei Musiker sind so etwas wie eine Erfolgsgarantie. Der im Reggae-Stil gehaltene Song, in dem von »Wir gehen alle diesen Weg« die Sprache ist, zeigt deutlich, wohin dieser Abend gehen wird. Tief ins Herz. Auch die musikalische Reise nach Italien mit dem wundersamen »Hang«-Instrument lässt das Publikum atemlos lauschen. Zuerst zeigt Martin Kälberer sein Talent, mit nahezu jedem Instrument sensibelst umzugehen, dann überrascht Pippo Pollina mit einem Tamburin-Solo die Anwesenden. Das war kein Schlagzeug-Solo, das war nur ein kleines Tamburin. Unglaublich.

Die in sanftes Licht getauchte Bühne und ein Klavierstück der Spitzenklasse empfangen die Zuhörer nach kurzer Pause – die erwähnte wärmende Decke sollte sich zunehmend ausbreiten. Der »Momentensammler« Kälberer aktiviert alle Gäste zum Gesang, und die Erzählungen von Pollina und Schmidbauer »menscheln« hochgradig angenehm. So erfahren wir allerlei über ein wunderbares Silvesterfest im Süden Italiens, hören ein Gute- Nacht-Lied der Extraklasse und lauschen verzückt dem »Pfeilgradaus«. Lediglich aus Platzgründen verbietet sich ein ausufernder Bericht über ein wunderbares Konzert mit herrlichen Geschichten und sehr nachhaltigen Gefühlen. Die neue CD »Süden« vermag dies im Nachgang digital jedoch zu bewahren. Die Zugabe im Republic währt lang, und der Song »So a Abend wia heit« wird unvermittelt zur selbsterfüllenden Botschaft. So ein Abend wie dieser war wirklich etwas Besonderes. Daher zum Abschluss die gute Nachricht: »Süden« wird aufgrund der großen Nachfrage am 24. März 2013 wiederholt. Schnell die Karten sichern. Udo Kewitsch