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Barça-Erfahrung inklusive: Tuchel als Mainzer Trumpf

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Thomas Tuchel (l) hat einen besonderen Zugang zu seinen Spielern, etwa dem Japaner Shinji Okazaki. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

Mainz (dpa) - Thomas Tuchel steht nicht nur beim FSV Mainz 05 ganz hoch im Kurs. Sein ausgeprägter Hang zu taktischen Finessen wird auch von der Konkurrenz scharf beobachtet.


»Er ist ein überragender Fußball-Fachmann. Er zerpflückt Spiele und Spieler, da bleibt nichts übrig. Er hat etwas, dass die guten von den sehr guten Trainern unterscheidet: Soziale Kompetenz im Umgang und in der Kommunikation mit den Spielern«, sagte 05-Manager Christian Heidel über die Mainzer Trumpfkarte, die er gern länger als bis Mitte 2015 im Verein halten will. »Das wäre eine Sache von Minuten«, betonte Heidel. Tuchel lässt sich aber nicht drängen. »Es ist noch mehr als ein Jahr Zeit.«

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Im fünften Mainzer Jahr gehört Tuchel zu den angesagtesten Trainer-Typen neben seinem Mainzer Vor-Vorgänger Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) und Pep Guardiola, der an diesem Samstag mit Bayern München in Mainz die deutsche Meisterschaft perfekt machen kann.

Guardiola hat Tuchel in seiner Zeit beim FC Barcelona stark geprägt. Erklärtes Vorbild ist der Katalane für den Mainzer Coach aber nicht. »Dafür kenne ich ihn nicht gut genug«, sagte Tuchel. In seinem Archiv aber stehen reichlich Dateien und Aufzeichnungen von Trainingseinheiten des Meistertrainers. »Das ist die Benchmark.«

Guardiola hat Tuchels Trainings- und Spielphilosophie stark beeinflusst. Die hohe Laufbereitschaft und der brutale Wille beim Pressing sind Beispiele. Fußball unter Tuchel und Guardiola ist immer auch harte Arbeit, im Spiel und vor allem unter der Woche im Training. Tuchel bläut seinen Spielern ein, groß zu denken. Sich mit den Besten der Besten messen zu können, ist die Herausforderung. Dann strickt er mit seinem Trainerteam an der richtigen Strategie. »Ohne droht der Untergang«, bekräftigte Tuchel.

Mit Akribie und harter Arbeit hat der 40-Jährige aus dem selbst ernannten Karnevalsverein ein geachtetes Mitglied der Bundesliga-Familie entwickelt. Und das ohne die ganz großen finanziellen Möglichkeiten, wie sie die potenten Top-Clubs besitzen. Heidel verweist gern auf die von ihm geführte Tuchel-Tabelle. Die führt die Mainzer seit dessen Amtsantritt 2009 auf Platz fünf. Nur die Bayern, Dortmund, Leverkusen und Schalke sammelten mehr Punkte.

Neben dem vom Jugendfußball geprägten Ausbildungsgedanken zeichnen Tuchel seine Motivationsreden sowie sein besonderer Umgang mit den Spielern aus. Immer wieder die herausragenden Spieler (André Schürrle, Adam Szalai) an die potente Konkurrenz zu verlieren, motiviert ihn, den nächsten auf die höchste Stufe zu führen. Tuchel ist sich nicht zu schade, gewisse Inhalte oder Prinzipien von Kollegen zu übernehmen.

Demut und Bescheidenheit, Hingabe und Leidenschaft sind prägende Charakterzüge im Wesen des Fußball-Lehrers. »Sich zu trauen ist zu handeln« lautet sein Credo. Tuchel ist ein Querdenker, ein Gerechtigkeitsfanatiker; er wirkt bisweilen mürrisch und musste sich wegen seiner verbalen Auseinandersetzungen mit Schiedsrichtern schon als »Motzki« bezeichnen lassen. Was die eigene Karriere betrifft, hat der Vater zweier Töchter klare Vorstellungen: »Wenn ich mich mal für einen Wechsel entscheide, dann geht es Richtung nationale Spitze. Dann will ich um Titel und international spielen.«