weather-image
-2°

Barocke Kleinodien mit Herzenswärme gespielt

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Andrea Wittmann (Cembalo) und Charlotte Veihelmann (Violine) erfreuten in harmonischem Zusammenspiel anspruchsvoller Werke barocker Musik. (Foto: Benekam)

Eines ist gewiss: Die exquisiten Konzerte in der Abtskapelle St. Nikolaus im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon erfreuen nicht nur die Konzertbesucher.


Musikalische barocke Köstlichkeiten in der kunstvoll ausgeschmückten Rokokokapelle wirken auf Musiker wie Zuhörer höchst inspirativ. Das sonnige Lächeln all der »verspielten« Engel auf den Wänden der Abtskapelle scheint sich auf den Gesichtern der Konzertbesucher wiederzuspiegeln. Es ist gleichsam ein Stückchen Frieden, ein Genuss für alle Sinne, welchen die Besucher der von Kirchenmusikerin Andrea Wittmann organisierten Konzerte immer wieder gerne in sich aufsaugen. Zusammen mit der Violinistin Charlotte Veihelmann gestaltete Wittmann unter dem Motto »Saitenklänge im Rokokojuwel« eine abwechslungsreiche Soiree mit Werken großer barocker Komponisten.

Anzeige

Mit der Sonate für Violine und Cembalo Nr. 3 in E-Dur BWV 1016 eröffneten die beiden virtuosen Musikerinnen die Soiree mit einem höchst anspruchsvollen Werk. Hoch konzentriert tauchten die Musikerinnen in Bachs Werk ein und verhalfen ihm mit hochsensibler, spannungsvoller Interpretation und punktgenauen Absprachen zum verdienten Glanz.

Im Anschluss wirkte Bachs Choral »Schaff's mit mir, Gott«, BWV 514 fast wie eine Befreiung: Leichtigkeit und liebevolle Zugewandtheit zu Gott klangen aus Wittmanns klarer Sopranstimme, zu der sie sich selbst am Cembalo begleitete, heraus.

Weiter ging es mit einem Solowerk für Cembalo, dem »Präludium und Fuge« in c-Moll von Caspar Ferdinand Fischer, dann mit einem Werk von Georg Philipp Telemann: Die »Fantasie für Violine Solo in G-Dur« erfordert hohes virtuoses Können. Zu seinen Fantasien für Violine Solo stellte der Komponist selbst den Satz »Auch das Leichte erfordert seinen Meister« in den Raum, den sich Veihelmann wohl zu Herzen genommen hat. Gerade das, was für den Hörer »leicht« klingt, ist meist mit den größten technischen Finessen gespickt. Wie zum Dank erklang im weiteren Verlauf des Konzerts das Ave Maria von Schubert von Andrea Wittmann, sowie »Toccata und Fuge in D-Dur« am Cembalo von Johann Pachelbel.

Nach einer kurzen Pause erwartete die Konzertbesucher Musikgenuss bei Kerzenschein in der Rokoko-Kapelle: Mit der »Sonata V für Violine und Klavier in A-Dur« KV 305, war auch der seiner Zeit dem Kloster Seeon sehr verbundene Wolfgang Amadeus Mozart mit einem Werk im Konzert vertreten. Ebenso gefiel das Lied »Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete« von Louis Roessel, welches Wittmann mit erfreulicher Herzenswärme in ihrer gut ausgebildeten Singstimme mit Cembalo-Begleitung darbot.

Das letzte Werk der Abendsoiree bezeichnete die Violinistin selbst als »schweren Brocken«. In einer virtuosen Tour de Force meisterte sie die Solo-Sonate Op. Nr. 4 von Eugene Ysaye, ein Werk, welches der belgische Komponist und Violinist dem Geigenvirtuosen Fritz Kreisler gewidmet hat. Die ungeheuerliche Sicherheit, mit der Veihelmann dieses Werk auf hohem technischem Niveau spielte, zeugen von musikalischer Spitzenklasse. Ein Highlight, welches bestens an diesen kunstvollen Ort passte.

Auf Riesenapplaus folgten zwei Zugaben, die den Abend mit Leichtigkeit abrundeten. Hervorzuheben ist bei diesen Konzerten in der Nikolauskapelle die immer ansprechende und fachlich fundierte Moderation von Andrea Wittmann, für die sie den verdienten Extra-Applaus bekam. Kirsten Benekam

- Anzeige -