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Andrea Wittmann und Johanna Hartmann brillieren mit klangintensiver Musik

Barocke Kostbarkeiten in der Abtskapelle St. Nikolaus

Andrea Wittmann (Cembalo) und Johanna Hartmann (Querflöte) glänzten in perfektem Zusammenspiel. (Foto: Benekam)

Schon allein der Anblick des einzigartigen Rokokojuwels des Klosters Seeon erfüllt den Besucher mit andächtigem Staunen. Kirchmusikerin Andrea Wittmann nutzt die 1756 geweihte Abtskapelle St. Nikolaus immer wieder für ausgesuchte Konzerte und füllt den historienträchtigen sakralen Ort mit dazu passender Musik aus der Zeit seiner Entstehung.


Kunstvolle Kirchenmalerei, prächtiger Stuck und wunderschöne Fresken liefern zur Barocken Musik passendes Ambiente und verleihen den verzaubernden Klängen von Cembalo (Wittmann) und Querflöte (Johanna Hartmann) besonderen Reiz. Zusammen mit Johanna Hartmann hat Andrea Wittmann ausgewählte Werke bekannter Musiker, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel sowie Wolfgang Amadeus Mozart, für eine anspruchsvolle Abendsoiree ausgesucht und den Gästen der voll besetzten Abtskapelle einen genussvoll-ästhetischen Abend beschert. Mit zwei Stücken aus Mozarts Londoner Sonaten für Klavier und Flöte (Sonate 2 in G-Dur, KV 11 und Sonate 5 in C-Dur, KV 14) wurde das Konzert eröffnet. Wie Hartmann erläuternd vorausschickte, komponierte Mozart seine Londoner Sonaten im zarten Alter von 8 Jahren im Herbst 1764 während einer Reise nach London als Widmung für Königin Sophie Charlotte von England. Wie im äußerst harmonischen Zusammenspiel der beiden Musikerinnen zu hören war, waren die beiden Werke weit mehr als nur der kreative Versuch eines Kindes. Mit hoch virtuosem Geschick schaffte der junge Mozart durch das Verwenden »falscher Noten« besondere Spannungsmomente, die den Hörer immer wieder erstaunt aufhorchen lassen.

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Das Gehörte erinnert an ein verspieltes improvisierendes Kind, das sich einen Spaß daraus macht, in Sätze falsche Worte einzubauen oder in Worten Buchstaben zu verdrehen. Wittmann und Hartmann trafen in ihrem Vorspiel exakt diese kindlich-verspielte Virtuosität, sodass das Wunderkind Mozart, in ihrer Musik lebendig wurde und sein fröhliches Lachen aus Cembalo und Querflöte herauszuhören war.

Wunderbar eingestimmt genossen die Zuhörer im Anschluss ein Werk von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) aus dem Jahr 1725: »Schaff’s mir, Gott, nach deinem Willen, BWV 514 für Singstimme und Basso continuo«. Mit zart angepasster Stimme, sich selbst am Cembalo begleitend, trug Wittmann Bachs Werk ausgesprochen einfühlsam und hingebungsvoll vor und wurde mit kräftigem Applaus belohnt, ebenso wie das folgende Werk des berühmtesten Sohns von Bach – Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1750). Die Sonate in G-Dur für Flöte und Cembalo, auch als »Hamburger Sonate« bekannt, lässt an der Vererbung des musikalischen Supertalents der Familie Bach nicht zweifeln, zeugt von höchster musikalischer Empfindungskraft und wirkt im locker-leichten Vorspiel wie just in diesem Moment komponiert.

Das Werk eines weiteren großen Komponisten und Zeitgenossen des 17. Jahrhunderts, Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), fügte sich mit der Sonate a-Moll, HWV 362 bestens ins Programm der Abendsoiree ein. Aus den 11 Sonaten für Flöte und Basso continuo kamen vier Sätze zu Gehör. Im dritten Satz stellte Andrea Wittmann am Cembalo den Lautenklang ein, wodurch sich der Zusammenklang der beiden Instrumente umso weicher anhörte.

Der letzte Programmpunkt kam in seinem Grundthema, auch wenn es nicht zur frühlingshaften Jahreszeit passte, wohl jedem Zuhörer bekannt vor: die zwölf Variationen über das französische Lied »Ah, vous dirai-je, Maman«. Mozart verwendete die Melodie des Liedes als Grundlage für seine Klaviervariationen KV 265, die als deutsches Weihnachtslied »Morgen kommt der Weihnachtsmann« weltbekannt wurde. Umarrangiert von Klavier auf Cembalo und Querflöte und in vortrefflichem Vorspiel, fanden die Konzertbesucher allergrößten Gefallen in der abwechslungsreichen Komposition, in der auch die beiden Musikerinnen grandios ihr Talent auszuspielen wussten.

Der lautstarke Applaus, mit dem sich die Konzertbesucher bedankten, ließ vermuten, dass wirklich alle auf ihre Kosten gekommen waren. Die »Badinerie« aus der Orchestersuite in h-Moll BWV 1067 von Johann Sebastian Bach als Zugabe kam wie ein letzter lieber Gruß und ein freudiger Ruf nach mehr. Kirsten Benekam