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Konzert in der Streichenkirche mit dem Grassauer Posaunen Quartett und dem Saitenduo Huber

Barocke Meister und alpenländische Klänge

Seit über 20 Jahren und seit Bestehen des »Chiemgau Alm Festivals« vor fünf Jahren gehört ein Konzert mit den »Grassauern« zum Musiksommer des Schlechinger Kultur-Fördervereins in der Streichenkirche St. Servatius.

In der Streichenkirche spielten (hinten von links) das Grassauer Posaunen Quartett mit Wolfgang Diem, Thomas Höger, Tobias Spörlein und Johann Schmuck sowie (vorne) das Saitenduo Huber mit Schorsch und Sabine Huber. (Foto: Reichenbach)

Für die Musiker des Grassauer Blechbläserensembles sei es immer wieder eine Herausforderung, in neuer Formation und mit neuen Themen im Kircherl aufzutreten, meinte dazu der Leiter des Ensembles, Wolfgang Diem. Heuer mischten sich klassisch-alpenländische Klänge des Grassauer Posaunen-Quartetts (Wolfgang Diem, Thomas Höger, Tobias Spörlein – Tenorposaune, Johann Schmuck – Bassposaune) mit dem Saitenduo von Sabine und Schorsch Huber. Beide waren 2015 schon einmal Gast am Streichen.

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Dank dieser Zusammensetzung und eines schönen Sommerabends war das Kircherl bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Gäste erwartete ein langes anspruchsvolles Programm, das auf Wunsch der Musiker ohne Zwischenapplaus hervorragend ineinanderfloss. Mit der »Toccata II arpeggiata« (Giovanni G. Kapsberger 1575 bis 1661) stimmte Sabine Huber auf der großen Psalterzither zart auf ein wunderbares Musikerlebnis ein. Die Posaunen übernahmen mit dem »Concerto A4« (Georg Philipp Telemann 1681-1767 Arr. Marc Reift), einem sehr virtuosem Stück, von getragen bis zum kräftigem Ausklang. Von John Dowland (1563-1626) trugen Sabine und Schorsch Huber auf Zither und Gitarre »My Lord Willoughby’s Welcome Home« sehr gefühlvoll vor.

Anschließend überraschten die Grassauer mit barocken Bass-, Tenor- und Altposaunen mit »The Earl of Salisbury’s Pavane« (William Byrd 1543 bis 1623 Arr. Simone Candotto). Zur Suite Nr. 22 aus »Banchetto musicale« Padouana, à 4 Krumhorn (Johann Hermann Schein 1586 bis 1630 Arr. A. Prüfer) fanden sich die Grassauer mit dem Saitenduo Huber kräftig und zart zusammen. Drei, teilweise sogar vier Maultrommeln ließ Schorsch Huber zu »La Provencale« (Marin Marais 1656 bis 1728), begleitet von Sabine Huber auf der Zither, aufhorchen. Mit »Morgenstern«, Choral, Fuge, Prélude et Fantasie (Johann Sebastian Bach 1685 bis 1750, Arr. Organist Kurt Sturzenegger) fanden die barocken Klänge ihren Abschluss. Hier begann die Bassposaune mit weichem Klang, sich steigernd stimmten die Tenorposaunen ein.

Aus der »neuen« Zeit erklangen von den Posaunisten einige Volksweisen aus dem Heft »Grassauer Posaunenquartette« (Musikverlag Karl Edelmann), unter anderem »I hob scho drei Summa« und der »Hammerschmied Jodler«. Die Stücke sind auch auf der neuen CD zum Chiemgau Alm Festival »Steig ma auffe aufn Berg« zu finden. Passend zum Sommerabend folgten der Posaunen-Landler (Karl Edelmann *1963) und »Ist wohl ein’ schöne Zeit« (Arr. Karl Edelmann). Dazwischen begeisterten Sabine und Schorsch, jetzt mit einer weicher klingenden und kleineren Form der Psalterzither und Gitarre, mit dem Boarischen »Vo eahm für sie« und dem »Polkale« (beide von Schorsch Huber).

Das Herz ging auf bei ihren »Blumen aus Salzburg« (Georg Freundorfer 1881 bis 1940) und dem »Wiener Heurigenmarsch« (Rudolf Strohmayer 1882 bis 1964), hier griff Schorsch zur Kontragitarre. Die temperamentvoll von Schorsch Huber gespielten Maultrommeln setzten mit dem »Tageswalzer« und »Schorsch«, beide Stücke von Anton Bruhin (*1949), noch einmal ein weiteren Höhepunkt im gefühlvoll zusammengestellten Programm. Mit dem »Grassauer Zwiefachen«, von Jan Koetsier (1911 bis 2006), nach einem Probenwochenende extra für die Grassauer komponiert, füllten die Posaunisten noch einmal klangvoll das Kircherl. Endlich durfte langanhaltender verdienter Beifall aufbrausen. Es fiel schwer, nicht schon spontanen Zwischenapplaus zu spenden.

Als Zugabe spielte das Saitenduo Huber noch im Kircherl den »Alpenmarsch«, während sich die Posaunisten für die Zugaben aus der neuen CD bereits auf den »Thingplatz« am Streichen begaben. Wolfgang Diem und Johann Schmuck verabschiedeten die Gäste nach langjähriger Tradition mit Alphornklängen. Barbara Reichenbach