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Barocke Musikpracht mit theatralischen Effekten

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Cecilia Bartoli schlüpfte auf der Bühne in verschiedene Rollen und Gewänder. (Foto: SF/Marco Borell)

Die Sopranarie aus Georg Friedrich Händels »Ode for St. Cecilia's Day« – »What passion cannot Music raise and quell!« – stand als Motto und gesanglicher Höhepunkt über dem Canto Lirico-Konzert von Cecilia Bartoli bei den Salzburger Festspielen. »Nomen est Omen«, möchte man sagen angesichts der beiden Namensträgerinnen, der heiligen und der römischen. Beide sind Patroninnen der Musik als eine heilige Kunst. Und als solche wurde Cecilia Bartoli bei dem üppigen Barockprogramm von hoher Qualität frenetisch von ihrem Publikum gefeiert.


Üppig war auch der optische Aspekt mit der Bühnenkulisse der prunkvollen Innenansicht des Teatro San Carlo von Neapel, des ältesten europäischen Opernhauses – barocke Zaubermacht rundum in Klang und Farbe. Es wurde fast zu einer Art »azione teatrale«: ohne Zäsur eine in sich geschlossene Aufeinanderfolge von Arien und Orchesterstücken in nahtloser Folge. Es gab einen Zeremonienmeister, der einen Schminktisch aufbaute und der Sängerin behilflich war beim Kleider-und Perückenwechsel.

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Je nach Opernfigur schlüpfte Bartoli auf der Bühne in ein anderes Gewand. Und nicht nur optisch, auch stimmlich zeigte sie die farbige Bandbreite der unterschiedlichen Charaktere. Ihr samtiger Mezzo berückte mit einer Reihe gesanglicher Spielarten, von pastöser Lyrik über temperamentvolle Rasanz bis zum Koloraturfeuerwerk. Ob in den Kastratenarien Nicola Porporas und aus Antonio Vivaldis »Orlando furioso« oder als elegante Cleopatra aus Händels »Giulio Cesare« und wenig bekanntere Melissa aus »Amadigi di Gaula«, immer korrespondierte der stimmliche Ausdruck mit dem jeweiligen Emotionsgehalt des darzustellenden Charakters.

Zum besonderen Glanzstück machte sie, in sensibel fließender Kantilene, »Lascia la spina« aus Händels »Il trionfo del tempo e del disinganno«, ein Vorläufer der berühmten Arie » Lascia ch'io pianga« aus Rinaldo. Voller Brillanz war der korrespondierende Wettstreit und Dialog mit den fabelhaften Soloinstrumenten des Orchesters – mal Oboe, mal Flöte oder Trompete, mal Mandoline oder Cello. Fröhliches Vogelgezwitscher stellte sich ein bei der Arie »Augeletti che cantate« aus »Rinaldo«, und war da nicht auch ein Vogel, der durch das Bühnenrund flog? Ja klar, Bartoli schwenkte ihn an der Angel und dazu zwitscherte es munter im Orchester.

»Les musiciens du Prince-Monaco« sind prachtvolle Musiker auf ihren »Oldtimer«-Instrumenten, virtuos und stilistisch versiert. Die Streicher, mit Ausnahme der Celli, spielten im Stehen und die orchestralen Händel- und Hasse-Stücke fügten sich nahtlos zwischen die Gesangselemente und ergaben ein durchgängig fließendes Musizieren von großer Transparenz, feiner Klangbalance und Tonschönheit, angereichert mit den diversen instrumentalen Soli.

In Georg Philipp Telemanns Trompetenkonzert hatte natürlich die Trompete das virtuose Sagen. Und sie kokettierte auch noch kräftig bei den Zugaben mit der Gesangsstimme. Ebenso witzig wie virtuos echote Bartoli alle Trompetenexkurse. Da war munteres Hochgefühl angesagt, etwa bei »La pace della vittoria« und Ausgelassenheit bei der barock-jazzigen »Summertime«-Parodie. Der italienische Schlager »Non ti scordar di me« war wohl die reizende Aufforderung, Cecilia Bartoli und mit ihr das Musikleben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Elisabeth Aumiller