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Barocke Oper im digitalen Zeitalter

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Dafne und ihr Vater Peneo werden von den Göttern beobachtet, die sich selbst in Pose für ein Selfie schmeißen. (Foto: Landestheater)

Schäferdichtung, die an einem »locus amoenus«, einem besonders schönen Ort spielt, haben die Besucher im alten Heckentheater im Salzburger Mirabellgarten bei der Premiere von »Dafne« erlebt. Diese von zwei Löwen gesäumte Naturbühne mit Orchestergraben eignete sich hervorragend als barocker Topos für das »Dramma pastorale per musica« von Antonio Caldara (1670-1736) nach dem Libretto von Abbate Biavi.


Der Duft der Lindenbäume und das Vogelgezwitscher fügten sich stimmig in das musikalische Geschehen ein, für das das Mozarteumorchester Salzburg unter Peter Ewaldt verantwortlich zeichnete. Die Gruppe des Basso continuo umfasste nicht nur ein Cembalo (Arturo Pérez Fur) und ein Violoncello (Marcus Pouget), sondern auch die seltene Theorbe, gespielt von Carsten Mohr. Der Inhalt der Oper erschloss sich auf mehreren Ebenen.

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Einerseits standen da Götter in Form von Statuen auf Marmorsockeln sozusagen in einer kleinen Abbildung des nahen Mirabellgartens, andererseits bewegten sich Menschen um diese Statuen. Dabei gab es Interaktionen zwischen ihnen, und die Statuen, die zu Beginn des Stückes von Arbeitern im grünen Overall mühevoll aufgestellt wurden, waren plötzlich beweglich und mitten im Geschehen. Ähnlich dem Chor im griechischen Drama, jedoch nicht mit Gesang, sondern durch Tanz und Mimik kommentierten sie die Gefühle und Handlungen der agierenden Personen und beeinflussten sie. Da sie jedoch aus einer anderen Zeit stammten, verstanden sie so manches nicht: Zum Beispiel, dass man mit einem Handy oder mit einem iPad ein Selfie machen kann.

Die Inszenierung von Marco Dott war gespickt mit Komik und Ironie. Wenn der übermäßige Gebrauch der Smartphones und Tablets teilweise auch ein wenig aufgesetzt wirkte – es waren dennoch sehr witzige Gags, als die Bühnen-Spaziergänger damit eine wahre Choreografie vollbrachten. Diese hatte Josef Vesely einstudiert, der zugleich auch Vincenzo Timpa vertrat.

Jede Hauptperson – Dafne (wunderbarer Koloratursopran Hannah Bradbury), Febo (Armin Gramer als Countertenor mit viel Charme) alias Apoll und Aminta (Kristofer Lundin, erfahrener Tenor aus Schweden), die beide Dafne verehrten und umwarben, sowie Peneo (Marcell Bakonyi als überzeugender Bass), Dafnes Vater, der für seine Tochter etwas Besseres im Sinn hatte und sie mit Souvenirs aus Salzburg überhäufte – hatte auf einer anderen Ebene ihren Statuen-Gott, zwar offensichtlich für sie unsichtbar, aber einflussreich.

Zauberhaft tanzten Dafnes Statue (Anastasia Bertinshaw), ebenso wie Febos (Iure de Castro), Amintas (Josef Vesely) und Peneos Statue (Andrii Lytvynenko) mit ihren oder um ihre menschlichen Ebenbilder herum, beschwörend, betörend oder eben verwundert ob der digitalen Technik an den Selfiesticks, die ihnen zwar zunächst völlig schleierhaft war, aber an die sie sich ziemlich schnell anpassten, indem sie mitposierten. Und wenn sie nicht tanzten, standen sie statuengleich auf ihren Sockeln, stilecht, in ihren steinfarbenen Ganzkörperanzügen mit einer Toga, sodass sie kaum von den echten Statuen zu unterscheiden waren. Bettina Richter zeichnete verantwortlich für die Ausstattung.

Am dramatischen Höhepunkt verwandelte sich Dafne unter dem Schutz der Götter – nicht in einen Lorbeerstrauch wie in der antiken Sage, sondern in eine Göttin und wurde so ihrem statuenhaften Ebenbild ähnlich. Bravorufe für die Musiker, die Sänger und die Tänzer. Eine außergewöhnliche Aufführung!

Weitere Termine heute und am Sonntag. Brigitte Janoschka