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Barocker Gesangsmarathon

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Viel Applaus gab es für (von links) Cecilia Bartoli, Nuria Rial, Patrizia Petibon, Sandrine Piau, Vivica Genaux und Julie Fuchs. (Foto: SF/Marco Borrelli)

Eine glanzvolle Gala prachtvoller Stimmblüten hat sich bei den Salzburger Pfingstfestspielen im Lichterspiel der hübsch dekorierten Bühne des Großen Festspielhauses entfaltet. Barockbegeisterte Zuhörer schwelgten in reicher Klangvielfalt, auch wenn das dreieinhalbstündige Konzert zu später Abendstunde gleichzeitig eine Herausforderung bedeutete, die Aufmerksamkeit keine Sekunde sinken zu lassen.


Festspielleiterin Cecilia Bartoli hatte eine internationale Crew von spezialisierten Barockstilisten versammelt. Bravourstücke der namhaften Kastraten, einst von den Komponisten diesen Starsängern jener Epoche in die Kehle geschrieben, wurden hier als Fest der hohen Stimmen von vier Sopranistinnen, vier Mezzosopranistinnen und zwei Countertenören dokumentiert. Die ausgewählten Arien ließen auf die vokalen Künste und Ausdrucksmöglichkeiten der Kastratenstars schließen. In den gesungenen Inhalten ging es überwiegend um Liebe, Eifersucht, Rachegelüste, Trennungsschmerz oder Todessehnsucht.

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Cecilia Bartoli setzte in farbenfroh stilisierter Barockrobe einen anregend-aufmüpfigen Auftakt mit einer Händelarie aus »Amadigi di Gaula« im launigen Wechselgesang mit dem fabelhaften Solotrompeter und exzellenten Soloflötisten. Im innigen Abschiedsduett aus Nicola Porporas »Mitridate« vereinte sie ihre Qualitäten mit Philippe Jarousskys schimmernder Sopranfarbe.

Die Französin Julie Fuchs brillierte mit Eleganz, Charme und mitreißender Spiellust in der Narrenszene aus Jean Philippe Rameaus Ballettstück »Platée« und sang hinreißend Händels Klage der Cleopatra »Piangeró la sorte mia«. Zauberhaft besang Sandrine Piau das Gefühl von Herzenstreue aus Tomaso Albinonis »L’Eraclea«, fabelhaft begleitet vom feinen Solo der Mandoline und berührte im Klagelied von Händels Acis.

Dem Ausdruck der Trauer hatte sich Patrizia Petibon verschrieben und diesen feinfühlig gestaltend in die Sopranfarbe bei Rameaus »Castor et Pollux« und Cleopatras verzweifeltem »Se pietá di me non senti, io moriró« aus Händels »Giulio Cesare« eingeschleust. Mit der Arie des Aci aus Porporas »Polifemo« zog Philippe Jaroussky die Register seiner verfeinerten Gesangskunst.

Die meisten Arien hatten als Dacapo-Arien ihre stattliche Länge, waren aber jede für sich Prunkstücke an Stimmkultur, lyrischem Ausdruck oder brillanter Virtuosität. Die Auswahl setzte einen steten Wechsel von breit getragenen Lyrismen und rasanten Bravourstücken. Mit vokalem Glänzen und stilistischer Finesse beeindruckten außerdem die Schwedin Ann Hallenberg mit fülligem Mezzo, die Französin Lea Desandre, ihr Landsmann Christophe Dumaux mit kräftiger Höhe, die aus Katalonien stammende Nuria Rial und Vivica Genaux mit der ihr eigenen Technik zur kullernden Koloraturgeläufigkeit. Alle brachten musikalische und gesangliche Höhepunkte in teilweise wenig bekannte Stücke, die besondere vokale Fertigkeiten verlangten.

Für das Publikum wurden auch Arien von Johann Adolph Hasse, Giuseppe Maria Orlandi, Riccardo Broschi und Leonardo Leo zur bereichernden Entdeckung. »Les Musiciens du Prince-Monaco« unter der Leitung von Gianluca Capuano begeisterte als feinsinnig transparentes Orchester in elegantem und stilsicherem Klanggewand.

Die verbindende Moderation zur Erläuterung der vorgetragenen Stücke und programmatischen Idee war Rolando Villazón anvertraut. Seine Kommentare waren nicht immer passend, aber in seiner aus dem Hut gezauberten Spaßvogel-Mentalität eben der individuelle Ausdruck seiner Persönlichkeit. Die extrem kurzen Auftritte des Bachchors am Beginn und Ende wären verzichtbar gewesen. Elisabeth Aumiller