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»Barrierefreier Brückenschlag zwischen Surberg und TS«

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Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt erklärte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt die verschiedenen Überlegungen, die in die Planungen für die beheizbare Geh- und Radwegüberführung im Bereich Heilig Geist mit einflossen. (Foto: Reiter)

Traunstein – Sie wird 72 Meter lang, drei Meter breit und mit einer besonderen Technik ausgestattet sein: Die beheizbare Geh- und Radwegüberführung im Bereich Heilig Geist. Von einem »barrierefreien Brückenschlag zwischen Surberg und Traunstein« sprach Karl Schulz (CSU) im Stadtrat.


Doch es gibt auch kritische Stimmen zu dem 1,9 Millionen Euro teuren Bauwerk, etwa »Luxusbrücke« oder »ökologischer Irrsinn in Zeiten des Klimawandels«. Wir sprachen mit Abteilungsleiter Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt und Florian Stephan, dem Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft Marquartstein. Dort wurde 2012 eine beheizbare Fußgängerbrücke über die Tiroler Achen errichtet.

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»Es handelt sich um eine Stahlbrücke. Dieses Material verträgt sich dauerhaft schlecht mit Tausalz«, informierte der Geschäftsführer aus Marquartstein. Außerdem habe man sich für diese Lösung entschieden, um langfristig Kosten für den Unterhalt – als konkrete Beispiele nannte er das Entrosten und Streichen der Brücke – einzusparen.

Diese Überlegungen flossen auch in die Entscheidung des Staatlichen Bauamts bei der Brücke in Traunstein mit ein. »Wir waren gezwungen, eine möglichst leichte Konstruktion zu wählen«, betonte Florian Paukner. Ansonsten hätte die Bundesstraße über Monate gesperrt werden müssen. Der Abteilungsleiter geht davon aus, dass die beheizbare Variante die auf lange Sicht gesehen wirtschaftlichste Lösung ist. Denn bei den Winterfahrzeugen habe man das Problem, dass beim Räumen Schäden an der Brücke entstehen – »da kann der Fahrer noch so gut aufpassen. Das ist kaum zu vermeiden«, so Florian Paukner. An diesen Stellen entstehe dann Rost, was aufwändige und teure Sanierungen nach sich ziehe. Außerdem könnte beim Räumen auch Schnee auf die darunter liegende Bundesstraße fallen, »was unbedingt vermieden werden muss«, so der Ingenieur.

Gegen ein geschlossenes Brückengeländer – geplant sind nun Stahlseile – habe man sich aus zwei Gründen entschieden: Zu schwer und ein beliebtes Ziel von Vandalismus. »Plexiglas wäre in Bezug auf das Gewicht zwar möglich gewesen. Aber dieses ist sehr schwer sauber zu bekommen und vergilbt. Das sieht dann schnell nicht mehr schön aus«. Florian Paukner ist es nämlich ein Anliegen, »dass die Brücke auch ansprechend wird. Nicht schöne Architektur des Selbstzwecks wegen. Aber die Leute sollen die Brücke auch gerne anschauen«.

Doch welche Erfahrungen gibt es mit der geplanten Technik? Temperatur und Feuchtigkeit auf der Brücke sollen im Winter von Sensoren ständig gemessen werden, wobei die Heizung dann automatisch bei Bedarf anspringt – das klingt hoch komplex.

»Die ursprüngliche Messtechnik mit verschiedenen Fühlern für den Tauvorgang funktionierte nicht optimal«, berichtete Florian Stephan von den Erfahrungen in Marquartstein. »Wir haben letztes Jahr auf eine normale Zeitschaltuhr mit festen Zeiten am Morgen sowie einen manuellen Start mit einer voreingestellten Laufzeit umgestellt. Jetzt läuft es optimal.« Die Brücke in Marquartstein ist zwei Meter breit, wobei in der Mitte ein Meter mit einer eingebauten Heizmatte versehen ist. »Die Heizung hat eine Aufnahme von 34,5 Kilowatt pro Stunde. Geheizt wird nach Bedarf, also bei Schnee oder Eis. Somit erfüllen wir die erforderliche Verkehrssicherungspflicht.« Den Jahresverbrauch beziffert der Geschäftsführer mit durchschnittlich rund 6000 Kilowatt – das ist in etwa der Jahresstromverbrauch von zwei Haushalten.

Für die Heizkosten in Traunstein wird die Stadt aufkommen. Die Brücke wird von der Knappenfeldstraße über die Bundesstraße bis zum Fuß des Hallabrucker Bergs führen. Die Überführung soll angesichts des zunehmenden Verkehrs und der vielen Schulkinder in den Neubaugebieten in Hufschlag für mehr Sicherheit sorgen. Die Kosten von rund 1,9 Millionen Euro trägt der Bund. Ende des Jahres soll der barrierefreie Übergang fertig sein. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Aus diesem Grund ist auch der Bypass in Richtung Teisendorf gesperrt. KR