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Bauhof erzittert unter heißen Rhythmen

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Die »CubaBoarischen« verwandelten mit Freunden aus Havanna das neue Bauhofgelände mit fetziger Musik in einen Ort des Tanzes. (Foto: Benekam)

In Havanna haben die »CubaBoarischen« ihren musikalischen Chiemgau-Horizont um heiße Salsa- und Mambo-Rhythmen erweitert und Freundschaft zu kubanischen Musikern geschlossen – ein für beide Seiten äußerst fruchtbarer Austausch, von dem alljährlich, wenn die mittelamerikanischen Musiker direkt aus Havanna eingeflogen werden, auch die oberbayerischen Fans profitieren.


Die moderne Kulisse des neuen Bauhofs in Traunreut bot einen besonderen Reiz für das erste Open-Air-Konzert des k1. Der glühende kubanische Funke sprang schnell auf das Publikum über, wenn auch die gewünschten Tanzpaare auf dem Platz vor der imposanten Bühne zunächst spärlich gesät waren.

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»Bien venidos«, der Opener, mit dem die Besucher begrüßt wurden, war gut zum Warmwerden und Kennenlernen. Mit Klarinette und kubanischer Gitarrenbegleitung entstand im folgenden Stück die erste aufregende Mischehe, gefolgt von der nächsten witzigen Paarung beim »Schwiegamuttertanz«. Gar nicht ohne waren die Tanzkünste der wenigen Mutigen, denen es gelang, mit dem wilden Wechsel zwischen Walzer und Salsa Schritt zu halten.

Nicht nur der wilde Wechsel der Kontinente-übergreifenden Rhythmen sorgte für spannendes Hörvergnügen, sondern auch die immer neuen Instrumentierungen: Trompete, Flügelhorn, Akkordeon und Querflöte trafen auf Congas, Bongos, Gitarren und Kontrabass. Es entstanden Salsas , Polkas, Cha-Cha-Chas und Walzer, die sich munter innerhalb einer Nummer vermischten. Wenn auch der Titel »Barfuß durch an Schnee« so gar nicht zum warmen Asphalt passte, so war es trotzdem genau dieses Stück, das auch aus motorischer Sicht die Wendung vom genießerischen Zusammensitzen und Zuhören zum exzessiven Mitklatschen, Grölen und Tanzen brachte.

In »La locomotora« entwickelte sich Volksfeststimmung, kaum ein Zuhörer legte noch Wert auf seinen zuvor bitter erkämpften Sitzplatz, weil niemand mehr stillhalten konnte und wollte. Mit »El cuarto de tula« feierte die Musiker die Erinnerung an den legendären »Buena Vista Social Club«. Im zweiten Konzertteil blieb die Stimmung bei Musikern wie Zuhörern ausgelassen. Einen alten Dessauer, »Trompeta querida«, garnierten die Musiker mit kubanischem Stilelementen und gaben ihm so den mittelamerikanischen Kick.

Heißblütig war auch immer der Gesang, ob in bairischer oder spanischer Sprache, besonders bei dem kubanischen Liebesduett »La Gota de rocio« in gefühlvoll zurückhaltender Gitarrenbegleitung, dem als Pendant ein Liebeslied im alpenländischen Charakter mit meisterhaftem Akkordeonspiel gegenüber gestellt wurde. Traunreut tanzte, der neue Bauhof vibrierte, erzitterte in wilden Klängen heißer Rhythmen. »Guantanamera« bot die Möglichkeit, durchzuatmen. Die Klänge der Nummer »Rehragout« kamen den Zuhörern »spanisch« vor, aber bei »Pa la costa« und einer gigantischen Sopransaxofon-Einlage kannten sie sich wieder aus.

Obwohl mit Zugaben nicht gegeizt wurde, war es schwierig, dem ausgelassenen Fest ein Ende zu setzen – da passte einfach alles. Angesichts des Besucherandrangs schreit die Veranstaltung nach einer Wiederholung. Kirsten Benekam

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