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Sabine Schmid (li.) und Eva Kastner stimmten das Publikum in der nur mit schwachen Lichtern und Kerzen erhellten Kirche auf Weihnachten ein. (Foto: Mergenthal)

Die Gemütlichkeit eines Landlers von Tobi Reiser, die überströmende südamerikanische Fröhlichkeit des »Feliz Navidad« und die klassische Schlichtheit alter Weihnachtslieder: Wie facettenreich die Kombination Harfe-Hackbrett selbst innerhalb eines Adventskonzerts sein kann, erfuhren die Konzertbesucher in der voll besetzten Evangelischen Johanneskirche Ruhpolding durch das Reichenhaller Duo Eva Kastner und Sabine Schmid.


Während Eva Kastner, Trägerin des Kulturpreises der Stadt Bad Reichenhall, bereits mit neun Jahren das Harfenspiel erlernte, begann Sabine Schmid erst vor zehn Jahren mit dem Hackbrettspielen. Vor fünf Jahren gestalteten die beiden Musikerinnen ihr erstes Adventskonzert. Ein fein ausdifferenzierter Anschlag an beiden Instrumenten, von weich bis energisch-kraftvoll, und eine tiefe Harmonie im Zusammenspiel zeichnet sie aus.

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»Adventliche Einkehr« - unter dieses treffende Motto stellten sie die mit viel Können, Fantasie und Gefühl zelebrierten Fünfviertelstunden. Mit alpenländischer Musik von Tobi Reiser, Peter Moser und den Schönauer Musikanten, von der innigen »Staaden Weis« bis hin zur temperamentvollen Hirtenpolka, holten sie ihre Zuhörer sanft herunter auf ein entspanntes Level und ließen einen den vorweihnachtlichen Stress schon nach zehn Minuten vergessen.

Weihnachtliche Festlichkeit prägten die Lieder »O du stille Zeit« von Cesar Bresgen, zauberhaft langsam vorgetragen, »Es ist ein Ros entsprungen« mit einem ausdrucksstarken solistischen Beginn an der Harfe, und »Tochter Zion«. Eva Kastner hat alle Stücke für Hackbrett und Harfe arrangiert, mit abwechslungsreichen, teils höchst virtuosen, teils anmutig verspielten Variationen, wie man sie noch stundenlang anhören könnte. Der unmittelbare Kontakt des Duos zum Publikum war umso intensiver, als beide auswendig musizierten.

Nun wurde der musikalische Weihnachtszauber bunt, fröhlich, international: Für »Feliz Navidad« und den Gospel »Go, tell it on the mountains« wechselte Eva Kastner von der Konzertharfe an eine kleine südamerikanische Harfe aus Paraguay, die im Gegensatz zur Konzertharfe nicht mit den Fingerkuppen, sondern mit den Nägeln gezupft wird. Das gibt dem Klang etwas Peppiges. Sabine Schmid steuerte dazu am Hackbrett Glissandi und Percussion-Effekte bei, indem sie zum Beispiel das Hackbrett rhythmisch zwischen Steg und Saitenbefestigung anschlug, wo der Ton hölzern klingt. Zartheit strahlte das englische Weihnachtslied »Away in a manger« aus.

Mystisch und farbenreich gestalteten die beiden das Lied »In Nacht und Dunkel liegt die Erd«, das sich zum befreienden und jubelnden »Es wird ein Stern aufgehen« hin öffnet. Hirten- und Wiegenlieder und ein Menuett aus Sachrang rundeten das Spektrum ab.

Dazu passten wunderbar die von beiden Frauen im Wechsel einfühlsam vorgetragenen Texte des Salzburger Autors Walter Müller über den Sinn des Advent oder den Unterschied zwischen den Hirten damals und heute. »Wir heute, wir würden so einfach nicht gehen. Wir müssen zuerst alles schriftlich sehen«, hieß es da und »Wie sollen wir Engel erkennen, wenn bei Tag und bei Nacht die Maschinen rennen?« Tröstlich setzten sich davon die Worte von den Sternen und Wünschen ab: »Ich häng’ dir zehn Strohsterne an deinen Baum und wünsch’ dir zu jedem den passenden Traum...«.

Mit einem verhaltenen, beim ersten Mal auf dem Hackbrett fein gezupften »Stille Nacht« und dem zwei Mal instrumental musizierten und dann von allen gesungenen Andachtsjodler klang das Konzert aus, schwang jedoch noch lange im Inneren nach. Veronika Mergenthal

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