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Bayerische Lebensart in großer Naturkulisse

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Posaunist Wolfgang Diem, Leiter des Grassauer Blechbläserensembles (vorne Mitte), zusammen mit seinen Musikerkollegen in der Musikschule Grassau bei der Probe für den Auftritt beim Chiemgau Alm Festival am Sonntag auf der Rachlwand. (Foto: Effner)

Wann hat man schon einmal Gelegenheit, die bayeri-sche Lebensart, sozusagen musikalisch vertont und auf den Punkt gebracht, in großartiger Naturkulisse zu erleben? Mit einer Art Hörgemälde voll feiner Nuancen und Schattierungen erweisen die Grassauer Blechbläser ihrer Heimat im Rahmen des Chiemgau Alm Festivals ihre Referenz. Bei dem Bergkonzert am Sonntag um 14 Uhr wird das Ensemble am Rachlhang nahe der Rachlalm oberhalb von Grassau die Auftragskomposition »Eigensinn & Toleranz – die bairische Lebensart« von Hans Kröll als Uraufführung präsentieren.


»Der Hang hat eine unglaublich perfekte Akustik wie in einem Amphitheater, jedes Instrument ist traumhaft gut zu hören«, schwärmt Wolfgang Diem, Leiter des Grassauer Blechbläser Ensembles. Bereits seit Jahren habe das weithin gefragte Ensemble Pläne verfolgt, eine speziell arrangierte Auftragskomposition von Hans Kröll aufführen zu können.

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Der studierte Trompeter, Arrangeur und Komponist hat selbst fast zwei Jahrzehnte lang bei den Gras-sauer Blechbläsern mitgespielt und bis zu seinem Umzug nach München an der Grassauer Musikschule unterrichtet. Kröll wirkte an Produktionen des Münchner Residenztheaters und des Lustspielhauses mit und spielte mit der Munich Brass Connection zum 125. Todestag von König Ludwig II. eine CD zum Mythos des Märchenkönigs ein. Die Tradition der Volksmusik weiß Kröll als Mitglied der Münchner Salettlmusi geschickt und schmissig mit modernen Interpretationen zu verbinden.

»Bei der Auftragskomposition 'Eigensinn und Tole-ranz' hatten wir einen Weisenreigen für Bläser im Sinn«, erzählt Kröll aus den ersten Gesprächen mit Wolfgang Diem. Das Stück beginnt mit einem Alphorn-Introitus, der in c-Moll anfängt und in B-Dur ausklingt. »Es zeigt den Ursprung des Bläsertums, das sich aus mystischen Naturtönen entwickelt hat«, erklärt der Trompeter am Telefon, während er gerade zu einem Gastspiel in Stockholm weilt.

Jodlerrufe zur Verständigung zwischen Berg und Tal klingen in dem Stück an, ebenso ein schmissiger Boarischer und tänzerisch-beschwingte Landler-Einlagen. »Ich habe immer wieder Bilder oder Szenerien vor Augen gehabt und diese dann musikalisch umgesetzt«, erzählt Kröll weiter. Bei »Am Kircherl« etwa fühlt man sich in eine von der Sommersonne verwöhnte Blumenwiese versetzt und hört von Ferne immer wieder Orgelklänge, die von den Bläsern aufgegriffen und variiert werden.

»Es geht auch um Improvisation, einer fängt su-chend an und die anderen steigen mit Begeisterung ein und entwickeln das Thema weiter«, ergänzt Ensemble-Leiter Wolfgang Diem im Gespräch. »Es sind einfach schöne musikalische Bilder für Eigensinn und Toleranz, die als Charaktereigenschaften auch unsere bayerische Heimat und die Mentalität unserer Region am Chiemsee prägen.« Konzentriert, aber durchaus mit Sinn für Humor studiert der Posaunist zusammen mit seinen Bläser-Kollegen das Programm für das Chiemgau Alm Festival im großen Übungsraum unter dem Dach der Musikschule Grassau ein. »Gerade die Naturkulisse der Rachlwand eignet sich hervorragend für ein Thema aus Verdis Oper 'Nabucco' und Teile aus der Jazz-Suite Nr. 2 von Schostakowitsch«, verrät Diem.

Natürlich werden auch Klassiker wie der »Grassauer Zwiefache« von Jan Koetsier zu hören sein. Im An-schluss an das Konzert auf der Rachlwand geht es um 15.30 Uhr in der Rachlalm zünftig weiter mit dem Damen-Quartett von »Kaiserspiel«, Moderator Heine Albrecht und einem humorbegabten Überraschungsgast.

Im Juli sind die Grassauer Blechbläser noch einmal zu hören: am 20. Juli um 19.30 Uhr beim Konzert im Steinbruch in Marquartstein. Auf dem Programm stehen Werke von Strauss, Wagner, Mozart, Verdi, Schostakowitsch und Krölls neukomponierter »Weisenreigen«. Axel Effner

Im Streit um eines der wertvollsten Werke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt gibt es eine Einigung: Cézannes Bild »La Montagne Sainte-Victoire« bleibt im Besitz des Kunstmuseums Bern. Das Gemälde wird aber oft im Museum Granet in Aix-en-Provence, Cézannes französischer Heimatstadt, zu sehen sein. Darauf einigten sich das Kunstmuseum und die Familie von Cézanne, die Anspruch auf das Bild erhoben hatte.