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Bayerisches Unikat mit Liebe zur Landschaft

»Das ging so schnell bei seinen Skizzen: In fünf Minuten waren sie fertig«, erinnert sich Helma Kagerer an die flotte Zeichentechnik ihres 2010 verstorbenen Mannes Anton Kagerer. »Drei Wochen vor seinem Tod hat er noch versucht, den Hochfelln zu zeichnen. Das war ihm so in Fleisch und Blut übergegangen.« Zum Gedenken an den zeichnenden und malenden Lehrer des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein hat die Familie unter Federführung von Sohn Stefan eine Ausstellung mit 67 Aquarellen und Zeichnungen organisiert. Sie ist noch bis zu diesem Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr in der Galerie Altes Feuerhaus am Ägidiplatz 3 in Bad Reichenhall zu sehen.

Im Aquarell »Am Montiggler See, Südtirol« verbinden sich auf vortreffliche Weise Kagerers Mut zur Reduktion und sein malerisches Gespür. (Foto: Mergenthal)

Vor einer stattlichen Besucherschar erzählte Stefan Kagerer aus dem Leben und Wirken seines Vaters. Zunächst galt dessen Vorliebe vor allem schnellen Skizzen mit Bleistift, Füller oder Tusche. In der Ausstellung sind zum Beispiel Skizzen vom Chiemsee mit Hochgern, von Südtiroler Burgen oder von Kloster Höglwörth zu sehen. Eindrucksvoll sind einige Zeichnungen am Treppenaufgang, wie die Tusche- und Bleistiftskizze vom Hartsee im Chiemgau und die aquarellierte Skizze von der Aschauer Klamm bei Schneizlreuth. Hier zeigt sich Kagerers Blick für unspektakuläre und doch besondere Plätze. Er reduziert diese Szenen voller Natur-Magie auf das Wesentliche und stilisiert sie zugleich ins Ornamentale. »Das Schwierigste beim Zeichnen ist das Weglassen«, sagte der Siegsdorfer einmal.

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Nach seiner Pensionierung widmete sich der leidenschaftliche Pädagoge und Zeichner ausgiebiger der Aquarelltechnik. Auch hier war wieder die Kunst des Weglassens gefragt, die Kagerer im Aussparen weißer Flächen zum Teil ausgezeichnet beherrscht.

Anton Kagerer selbst, ein bayerisches Unikat, wollte laut Sohn Stefan sein Licht nicht durch Selbstvermarktung auf den Scheffel stellen. »Als ich einmal zaghaft den Vorschlag machte, eine Ausstellung zu organisieren, war die lapidare Antwort: 'Do muaß ma ned so großmachtig rumdoa – des is nix B'sonders. Do gibt's Hundert and're a, die des kennan.'«. Aus Respekt vor Anton Kagerers Grundeinstellung hat seine Familie die Ausstellung »Nix B'sonders« genannt.

Bei einer solchen Menge von Exponaten, auf die sich ein genauerer Blick lohnt, sind natürlich auch durchschnittliche Werke dabei. Landschaften in sanften Pastelltönen und schöne Meeresstimmungen bedienen durchaus das Klischee.

Doch eine ganze Reihe von Aquarellen hebt sich wohltuend aus der heute fast inflationär gewordenen Aquarellmalerei ab. Kagerers großes Plus als Aquarellist ist, dass er auch zeichnen kann, was bei anderen nicht immer der Fall ist. Meist zeichnete er die Architektur oder architektonisch wirkende Landschaftselemente mit feinen Bleistiftstrichen vor. Mit Schwung setzte er sodann den Pinsel an, mit intuitivem Gefühl für die Farbe. Es gelangen ihm eindrucksvolle Stimmungen und Farbspiele und zugleich ein ganz besonders Licht, etwa bei »Lofer im Winter«, bei der Müllner Kirche in Salzburg, bei einer Abendstimmung an einem türkischen Strand oder bei einer Impression im Tonto National Park in den USA.

Weniger ausgearbeitet und offener ist dagegen ein Aquarell vom Montiggler See in Südtirol. Hier verbindet sich Kagerers Mut zur Reduktion, wie er ihn in seinen Skizzen an den Tag legt, in vortrefflicher Weise mit seinem malerischen Gespür. Es wäre wirklich schade, wenn solche künstlerischen Kostbarkeiten im Regal verstauben würden. Veronika Mergenthal