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Bayerisch-kubanische Lebensfreude

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Die »CubaBoarischen« brachten das Publikum bei ihrem Konzert in Bad Reichenhall mit kubanischer Musik und bayerischen Rhythmen schnell zum Mitsingen und Tanzen. (Foto: Bauregger)

Die »CubaBoarischen« haben es bei ihrem ausverkauften Konzert im Theatersaal des Kurgastzentrums Bad Reichenhall in ihrem knapp dreistündigen Programm geschafft, ohne aufwendige Bühnenshow, ohne aufwendige Dekoration, ohne spektakuläre Laser- und Lichteffekte und ohne Witze reißenden Moderator das Publikum zu begeistern – einfach mit ihrer gelassenen, unabgehobenen und ehrlichen Art und Weise, mitreißende Musik zu machen. Bereits das Begrüßungsstück bedachte das Publikum mit tosendem Beifall und nach gut einer Stunde tanzten die ersten Fans, wenig später der ganze Saal.


Dabei hatte der Abend ganz im trockenen, biederen bayerischen Stil begonnen, als die Musiker, den Bayerischen Defiliermarsch intonierend, auf die Bühne einmarschiert waren. Stimmungsvoll war auf einer Leinwand im Hintergrund der Bühne zu sehen, wie sie dies bei ihren Konzertbesuchen in Kuba taten. Diese Einspielungen, die genial zu den vorgetragenen Stücken passten, unterstützten den stimmungsvollen, lebensfrohen Charakter der Musik- und Gesangsmischung aus Salsa, Cha-Cha-Cha, Bachata und bayerischen Rhythmen – die Gewichtung fiel dabei eher zugunsten der kubanischen Musik aus.

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Musikalisch enthielt das Programm viele Titel der neuen, bereits sechsten CD »Servus Cuba« wie etwa »La Locomotora de Tegernsee«, »No me Llores«, »Bienvenidos« oder den »100 Galopp«, den die Gruppe im Oberbayerischen Volksmusikarchiv ausgegraben hat. Genial tauchten in den feurigen oder melancholischen Stücken Fragmente, Intros oder ganze Teile von »Amboßpolka«, »Klarinettenmuckl«, der »Kräuterhex vom Zillertoi« oder aus dem Lied »Der Weg zu mein Dirndl is stoanig« auf.

In einem Cha-Cha-Cha wurde sinngemäß der »Wirtssepp von Havanna« porträtiert. Der junge Sänger Leo Meixner stellte in einer Übersetzung kokett fest: »Für Frauen wie dich, gibt’s Männer wie mich!« Aber auch die flotte Polka »Ist die Welt auch noch so schön« oder der Ballade über die vier »Mondscheinbriada« bereicherten das Programm hörenswert.

Immer rissen die sieben Musiker das Publikum mit, animierten die Zuhörer dazu, mitzuklatschen, Texte nachzusingen oder, so gut es eben in einem Konzertsaal ging, mitzutanzen und mitzuschunkeln.

Besonders glänzten Hans Förg mit seinen kraftvollen, mitreißenden Soli auf dem Saxofon und der Klarinette, Sepp Rotmayr als Solist auf der Gitarre und der Tres Cubano oder der Chef, Hubert Meixner, der als Sänger, Akkordeonist und Solo-Querflötist auftrat. Michael Mayer überzeugte mit einem kräftigen, klaren Ton als Trompetensolist und im Bereich Percussion.

Mit einer ganz besonders charmanten Art, das Publikum um den Finger zu wickeln, setzte sich der junge Leonhard Meixner wirkungsvoll mit seiner markanten, aussagekräftigen Stimme als Gesangssolist in Szene, zeigte aber auch mit seiner Steirer Ziach, dem Bassflügelhorn oder einem Alphorn seine Vielseitigkeit. Immer wieder gab es für solche Blitzlichter verdienten Szenenapplaus.

Einen wichtigen, das Gesamtklangbild wesentlich prägenden Part füllte zudem Martin Wallner auf verschiedenen Bassinstrumenten aus. Die »Seele der Band« verkörperte Andreas Meixner, der in der Hauptsache Gitarre spielte, aber auch auf der Klarinette, und sang. Am markantesten war seine gemütliche, unaufgeregte, verschmitzte Art, durch das Programm zu führen. So war es am Ende eigentlich logisch, dass die Zuhörer die »CubaBoarischen« mit euphorischem Applaus feierten und so lange nicht lockerließen, bis drei Zugaben gespielt und der letzte Salsatakt getanzt waren. Werner Bauregger