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Bayern der »beste Verein der Welt« - Fünf Titel 2013

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Siegesfeier
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Nach dem Sieg im Finale der Club-WM feiern die Bayern ihren Triumph. Foto: David Ebener Foto: dpa

Marrakesch (dpa) - Karl-Heinz Rummenigge kamen inmitten der fünf großen Pokale fast die Tränen, Uli Hoeneß berührte auf der Bühne ergriffen die Welttrophäe.


»Wir sind im Moment der beste Verein der Welt und ich bin stolz, Präsident dieses Vereins zu sein«, rief Hoeneß den Edelfans beim letzten Bankett des Jahres zu. Gemeinsam mit den dauersiegreichen Profis genossen die Bosse den großen Abschluss-Auftritt eines atemberaubenden Fußball-Jahres vor ihren Ehrengästen.

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Meisterschale, DFB-Pokal, Champions-League-Pott, europäischer Supercup und jetzt noch der Triumph bei der Club-WM - in Marokko fand das Münchner Märchen aus Tausendundeiner Nacht das perfekte Ende. »Worldchampions« stand auf den T-Shirts der Spieler, die nach dem historischen Jahr vielleicht eine ganz große Ära begründen können. »Weltspitze muss einfach Normalität werden«, betonte Sportvorstand Matthias Sammer. Die Voraussetzungen in allen Bereichen sind da.

Rummenigge, Hoeneß und Franz Beckenbauer ließen die dicken Siegeszigarren qualmen, Philipp Lahm & Co. blickten gebannt auf die Tanzeinlagen von Bauchtänzerinnen, einige ließen später zu »La Bamba« oder »Let's twist again« selbst die Hüften kreisen. »Die Nummer 1 der Welt sind wir« oder »Super-Bayern, Super-Bayern« schallte es durch den Saal Agdal im Teamhotel. »Sie sind die Besten«, lobte Beckenbauer im Interview von »tz« und »Münchner Merkur«.

Wie die großen Bayern-Generationen um den heutigen Ehrenpräsidenten und Oliver Kahn sind die Triplesieger nach ihrem 2:0-Finalerfolg in Marrakesch gegen Raja Casablanca jetzt offiziell Vereins-Weltmeister. Von einer perfekten Vorlage für das WM-Jahr 2014 mochte Lahm zum krönenden Abschluss des Quintuple-Jahres aber noch nichts wissen. »Da warten ein paar andere Kaliber.«

Stolz präsentierten sich die nimmersatten Stars um den zum besten Spieler des Turniers gekürten Franck Ribéry mit den »ganzen Gold- und Silberwaren«, wie sie Rummenigge nannte. »Es hat 113 Jahre gedauert, bis wir alle Pokale hier stehen haben. Dass, was die Mannschaft in diesem Jahr geleistet hat, kann man nicht toppen. Großartig«, schwärmte der Vorstandschef im violetten Licht und kämpfte beim Gedanken an das Jahr 2014 ganz kurz mit den Tränen. »Ich habe keine Sorge, dass wir nicht guten und erfolgreichen Fußball spielen. Ich habe nur einen Wunsch...jetzt werde ich etwas schwach in der Stimme, lieber Uli... dass die Geschichte für Uli Hoeneß gut ausgeht.«

Hoeneß, der kurz vor dem Finale der Club-WM ein zweigeteiltes Jahresfazit mit überragenden Vereinserfolgen und schwersten privaten Zeiten wegen der Steuersünde gezogen hatte, schlenderte zu nächtlicher Stunde glückselig durch den großen Saal. Seine Bayern-Schäfchen feierten zwar nicht so rauschend wie nach dem Champions-League-Coup von London oder nach dem historischen Triple von Berlin, aber es war eine hochzufriedene Jahresabschlussparty.

»Es ist etwas ganz Besonderes und wenn man sich den Pokal anschaut, dann sieht man die Weltkugel drauf und alle Kontinente und dementsprechend weiß man dann auch, wofür er dann steht«, schilderte Nationaltorwart Manuel Neuer. Für Trainer Pep Guardiola war es nach zwei Erfolgen mit Barcelona der dritte Erfolg bei diesem Turnier. Dass die Gegner wie Guangzhou im Halbfinale und Casablanca deutlich zu schwach für Bayern waren, störte keinen. »Mir ist das vollkommen wurscht und ich glaube, so geht es allen«, betonte Lahm.

Die Fußball-Welt huldigte den Champions auch wegen ihrer deutlichen Überlegenheit. »Die Diktatur der Bayern: Egal mit welcher Mannschaft, Pep macht alle Gegner platt«, schrieb die spanische Zeitung »Marca«. »Es war unvermeidlich, dass sie den Weltcup mit nach Hause nehmen«, befand die »Gazzetta dello Sport« in Italien.

Ganz nebenbei waren die Münchner, ohne in der Bundesliga zu spielen, der deutschen Meisterschaft durch die neuerlichen Ausrutscher von Leverkusen und Dortmund einen großen Schritt näher gekommen. »Hatte es gar nicht so auf dem Schirm, dass heute Bundesliga ist. Das war für mich dieses Jahr abgehakt«, gestand Toni Kroos. Sammer freute sich nach dem nächsten eigenen Titel und angesichts des Vorsprungs von sieben Punkten auf Leverkusen und zwölf Zählern auf Dortmund über einen »perfekten Tag, einen super Tag«.

56 Pflichtspiele, 50 Erfolge, fünf Titel, dazu noch Länder- und Freundschaftsspiele. So schön das Jahr für die am Samstagnacht im Saal als »erfolgreichste Mannschaft auf diesem Erdball« gerühmte Mannschaft auch war - es hat viel Kraft gekostet. »Wir sind kurz vor Weihnachten und es war eine Hetzjagd durch den Kalender. Wenn man am Ende des Tages mit fünf Titeln hier steht, hat sich diese Hetzjagd zumindest rentiert«, betonte Rummenigge.

Er darf sich auf nimmersatte Spieler freuen. »Das macht so viel Spaß, am Ende da oben zu stehen. Von uns aus kann es so weitergehen. Ich glaube das zeichnet die Mannschaft auch aus, dass wir nicht nachlassen, dass wir weiter Gas geben«, kündigte Lahm an. Mehrere Titel-Helden waren Sonntagmittag nicht mehr an Bord der Sondermaschine gen Heimat, unter anderem Guardiola und Ribéry wollten direkt in die privaten Weihnachtsferien starten. Am späten Nachmittag trafen die übrigen Profis müde, aber überglücklich ein. »Jetzt stehen ein paar ruhige Tage vor der Nase«, sagte Lahm.

Am Abend zuvor hatte der Bayern-Kapitän die Club-WM-Trophäe im silbernen Konfettiregen hochgehalten. Dazu holte er bei seinem wiederholten Gang vorbei an FIFA-Präsident, UEFA-Chef und marokkanischem König noch die Auszeichnungen für die fairste Mannschaft, das Club-WM-Sieger-Wappen und den zweitbesten Spieler des Turniers ab. Zum vierten Mal steht eine deutsche Mannschaft an der Spitze des Club-Fußballs, zum dritten Mal nach 1976 und 2001 der FC Bayern. Als »weltmeisterliche Mannschaft« wurde das Team in ihrem Flieger gegrüßt, der Stadionsprecher hatte im Feiersaal schon zuvor die Hoffnung auf eine »fette Ära« geäußert.