Bayern verteilt FFP2-Masken an Bedürftige

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Foto: dpa-tmn

Keine Tragepflicht für Kinder bis einschließlich 14 Jahre – Mediziner bewerten die neue Maßnahme unterschiedlich


München (dpa) – Bayern stellt 2,5 Millionen FFP2-Schutzmasken für Bedürftige kostenlos zur Verfügung – zunächst fünf pro Person. Das kündigten Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek (beide CSU) am Mittwoch in München an. Damit will die Staatsregierung Härten abfedern, wenn vom kommenden Montag (18. Januar) an eine FFP2-Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen gilt. Sie reagiert damit auf viele lautstarke Forderungen von Sozialverbänden und der Opposition. Die Masken sollen nach Worten Holetscheks möglichst bis Ende kommender Woche über die Kommunen an die Berechtigten verteilt werden.

Oberstes Ziel ist ein noch höherer Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus. In der ersten Woche sollen allerdings noch keine Sanktionen und Bußgelder verhängt werden, sondern erst vom 25. Januar an – Söder sprach von einer »Kulanzwoche«. Die Höhe des Bußgeldes war zunächst noch offen.

Zugleich ist nun klar, dass die FFP2-Maskenpflicht erst für Jugendliche ab 15 Jahren gelten wird. Kinder bis einschließlich 14 Jahre bleiben nach Worten Söders ausgenommen. Holetschek erläuterte zudem, dass auch Schutzstandards erlaubt sein werden, die als gleichwertig zu FFP2 gelten, etwa Masken mit der Kennung KN95. Im Einzelhandel wird die FFP2-Maskenpflicht nach Worten Holetscheks lediglich für Kunden gelten, nicht aber für die Beschäftigten.

Die 2,5 Millionen Masken für Bedürftige sollen aus dem bayerischen Pandemiezentrallager vom Technischen Hilfswerk an die Kommunen geliefert und von dort verteilt werden, etwa an Hartz-IV-Empfänger.

»Wo wir den Schutz verbessern können, da halten wir das für sinnvoll«, sagte Söder. Die FFP2-Masken seien kein Allheilmittel, aber gegenüber »den ganzen löchrigen Schals« jedenfalls eine deutliche Verbesserung. Auch mögliche Öffnungen im Handel nach dem aktuellen Lockdown seien irgendwann dann auch mit einem besseren Gewissen zu vertreten, sagte Söder.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) argumentierte, dass man ab Februar vielleicht Dinge öffnen könne, die man ohne FFP2 nicht guten Gewissens öffnen könnte. Söder nannte allerdings keine Daten – und stellte klar, Bayern werde nur wegen der FFP2-Maskenpflicht nicht schneller öffnen als andere Bundesländer. »Das werden wir alles einheitlich machen.«

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der FFP2-Maskenpflicht ist die Nachfrage danach in Bayern gestiegen. In manchen Geschäften waren die Masken am Mittwoch ausverkauft, ein grundsätzlicher Engpass zeichnete sich aber nicht ab. »Die Lagerbestände an FFP2-Masken sind gut«, sagte ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands. Auch der Handelsverband Bayern berichtete zwar von einer gestiegenen Nachfrage. Einen Ansturm gebe es aber nicht, sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann. »Von Hamsterkäufen oder dem Kampf um die letzte FFP2-Maske kann keine Rede sein.« In den Onlineshops großer Drogerie-Ketten waren am Mittwoch allerdings viele Angebote für FFP2-Masken nicht lieferbar.

Die Arbeiterwohlfahrt forderte kostenlose Masken für alle: »Wenn Fachleute FFP2-Masken nur zur Einmalnutzung zulassen und das Stück mindestens zwei Euro kostet, dann überfordert der Freistaat Bayern nicht nur Grundsicherungsempfänger und Menschen mit wenig Einkommen, sondern auch Familien und alle Arbeitnehmer, die täglich mit dem ÖPNV pendeln müssen«, argumentierte der Landesvorsitzende Thomas Beyer.

Mehrere Experten halten die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken grundsätzlich für sinnvoll. Andere Fachleute sind skeptisch, ob die neue Regel im Kampf gegen Corona am Ende einen Unterschied macht.

Auch eine FFP2-Maske schütze nur, wenn sie korrekt angelegt und verwendet werde, sagte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Sie müsse dicht abschließen, die Außenfläche dürfe auch beim Ablegen nicht berührt werden. Korrekt verwendet biete aber eine solche Maske anders als die einfachen Einweg- und Baumwollmasken viel Eigenschutz. Auch der Virologe Alexander Kekulé hält die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und Einzelhandel grundsätzlich für sinnvoll. »Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird.«

Es gibt aber auch skeptischere Stimmen zur FFP2-Pflicht. »Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht«, sagte Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Deutschen Presse-Agentur. »Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind.«

Auch der Pandemiebeauftragte des Klinikums rechts der Isar in München hält die FFP2-Maskenpflicht für problematisch. »Damit sie zusätzlichen Schutz bieten, müssen sie dicht sitzend getragen werden, was die Mehrheit der Nutzer schon mit den normalen Masken kaum schafft«, gab Christoph Spinner, Oberarzt für Infektiologie zu bedenken. »Daher verspreche ich mir kaum zusätzlichen Schutz.«

Ofen oder Luft – So lassen sich FFP2-Masken wiederverwenden

FFP2-Masken zum Schutz vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus sind von den Herstellern eigentlich für den Einmalgebrauch gedacht. Doch das kann ins Geld gehen, sofern man täglich auf diese Masken angewiesen ist – besonders Haushalte mit wenig Einkommen stellt das womöglich vor Probleme. Lassen sich die FFP2-Masken nicht doch aufbereiten?

Ja, schreiben Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie beschreiben dafür zwei Wege. So gehen sie jeweils vor:

Weg 1: Aufheizen

Dieses Verfahren ist nur für faltbare FFP2-Masken geeignet. Formstabile Modelle mit Körbchen oder Filter können nur über den zweiten Weg (siehe unten) wiederaufbereitet werden.

Die Maske nach dem Tragen zunächst bis zum nächsten Tag an einem Haken trocknen lassen. Ein Rost herausnehmen und mit Backpapier, den Ofen anschließend auf 80 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.

Weil die tatsächlichen Temperaturen im Ofen von der Anzeige an dem Gerät abweichen können, sollte man sie mit einem Backofenthermometer prüfen, raten die Forscher. Denn ist es zu kalt, bleiben die Viren aktiv, ist es zu warm, kann die Maske Schaden nehmen.

Die Maske wird auf das Rost gelegt und dieses auf der mittleren Schiene in den Ofen geschoben – der Abstand zu Decke und Boden des Ofens sollte rund zehn Zentimeter betragen. Dort bleiben die Masken für eine Stunde. Wer Masken verschiedener Personen aufbereitet, kann die Haltebänder zur Unterscheidung farblich markieren. Aufbereitete Masken sollten immer nur von derselben Person genutzt werden.

Durch die Stunde im Ofen könnten möglicherweise anhaftende Sars-CoV-2-Viren vollständig »inaktiviert« werden, schreiben die Forscher. FFP2-Masken ließen sich durch dieses Verfahren bis zu fünf Mal aufbereiten, spätestens dann muss man sie im Hausmüll entsorgen.

Weg 2: Lufttrocknen

Beim täglichen Gebrauch der Masken braucht es hierfür mindestens sieben Stück. Sie werden nach der Nutzung an einem Haken aufgehängt und trocknen dort eine Woche lang. Es ist ratsam, diese Haken mit den Wochentagen (»Montags-Haken« und so weiter) zu beschriften, damit man nicht durcheinander kommt. Auch diesen Trockenzyklus kann man maximal fünf Mal wiederholen, ehe die Maske in den Müll wandert.

Wichtig: Ist die Maske defekt, wurde sie besonders beansprucht oder wurde man direkt von einem anderen Menschen angehustet, sollte sie nicht noch mal aufbereitet, sondern direkt entsorgt werden.

Was ist nicht geeignet? Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine oder UV-Lampe taugen nach Angaben der Wissenschaftler aus verschiedenen Gründen nicht für die Wiederaufbereitung.