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Am Demo-Zaun (von links) stellvertretender BBV-Ortsobmann Pankraz Speicher, Ortsbäuerin Bärbel Rieder, Kreisobmann Sebastian Sieglreithmayer, Geschäftsführer Matthäus Michlbauer, Almgenosse Hubert Stefan, Kreisbäuerin Irina Esterbauer und BBV-Praktikantin Miriam Gräbner. (Foto: Hauser)

BBV-Ortsverband stellt Demo-Zaun auf: »Wolf und Weidewirtschaft gehören nicht zusammen«

Reit im Winkl – Der dringende Handlungsbedarf im Umgang mit dem Wolf sei offensichtlich und dürfe nicht weiter verzögert werden. Das ist die übereinstimmende Meinung der Vertreter des Kreisverbands Traunstein des Bayerischen Bauernverbands (BBV), des BBV-Ortsverbands Reit im Winkl und der Almgenossenschaft. Sie brachten Plakate an einem auf der Winklmoos-Alm aufgestellten Demonstrationsmodell eines Herdenschutzzauns an.


»Wolf und Weidewirtschaft gehören nicht zusammen«, sagte Sebastian Siglreithmayer, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Kreisverband Traunstein. Zum angebrachten Demonstrationszaun bemerkte er: »Wir stehen hier vor einem Zaun, der zeigt, wie es aussehen würde, wenn wir unsere Alm- und Weidetiere vor dem Wolf schützen müssen. Diese Herdenschutzzäune müssen dann Alm- und Wandergebiete durchziehen und auch auf den Talflächen aufgestellt werden. Welche Konsequenzen die Wiederansiedelung des Wolfes für Bauern mit sich bringt, und was es bedeutet, wenn überall solche Zäune errichtet werden, wollen wir hier versuchen aufzuzeigen.«

Kreisgeschäftsführer Matthäus Michlbauer warb um breite Unterstützung dafür, dass die Weichen so gestellt werden, dass die Weidetierhaltung in Bayerns Kulturlandschaft erhalten bleibt und nachfolgenden Generationen noch Weidewirtschaft erleben und praktizieren können. Lobend erwähnte er Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber dafür, dass sie beim europäischen Alpen-Gipfel um Verständnis für die Bergbauern gegenüber zahlreichen Vertretern aus der Politik geworben hatte.

Kreisbäuerin Irina Esterbauer und die Reit im Winkler Ortsbäuerin Bärbel Riedel wiesen auf den bedeutenden Zusammenhang von Almwirtschaft und Tourismus hin, wofür gerade die bekannte Winklmoos-Alm ein typisches Beispiel sei. Wie Wolf und Tourismus parallel existieren könnten, sei mehr als fraglich. Kreisobmann Siglreithmayer sagte in diesem Zusammenhang, dass der Landkreis Traunstein mit 170 Almen der mit den meisten in ganz Bayern sei.

Der stellvertretende Reit im Winkler BBV-Ortsobmann Pankraz Speicher wies auf die große Zahl von Weiderechten auf der Winklmoos-Alm hin. Neben den vielen Rindern würden sich jeden Sommer auch 35 Pferde hier oben befinden. »Würde auch nur ein einziges davon Opfer eines Wolfs, würde diese Zahl drastisch zurückgehen«, warnte er. Hubert Stefan, der stellvertretende Vorstand der Almgenossenschaft Winklmoos-Dürrnbach, unterstrich diese Aussagen und fügte hinzu, dass der Fremdvieh-Anteil hier etwa 90 Prozent betrage.

Die heimischen Weidetiere seien den großen Beutegreifern, insbesondere dem Wolf, zunehmend ausgesetzt, sagte Kreisobmann Siglreithmayer. Bereits jetzt nehme die Weidetierhaltung aufgrund stetig steigender Wolfspopulation ab und weiteres Höfesterben drohe. Bei einer Zuwachsrate von jährlich 30 Prozent verdopple sich der Wolfsbestand alle drei Jahre. In Deutschland seien im Monitoringjahr 2019/20 4000 durch den Wolf getötete Nutztiere amtlich bestätigt – »als Folge einer völlig verfehlten, deutschlandweiten Wolfspolitik«, kritisierte Siglreithmayer.

Der Kreisverband Traunstein unterstütze daher in vollem Umfang eine im Oktober letzten Jahres aufgestellte Forderung des Bayerischen Bauernverbands und der AG Wolf der Nutzerverbände auf eine Herabsetzung des Schutzstatus' von Wölfen innerhalb der EU. Weiter geht es dabei unter anderem um die Festlegung eines maximalen Zielbestands an Wölfen, eine sofortige und großräumige Ausweisung der laut Weideschutzkommission nicht schützbaren Weidegebiete, eine volle Erstattung der Eigenleistungen und Unterhaltungsmaßnahmen und schließlich eine unbürokratische Regelung zur Entnahme.

»Die in Bayern möglichen Maßnahmen zum Herdenschutz müssen voll ausgeschöpft werden, um die Weidetierhalter bestmöglich zu unterstützen«, betonte der BBV-Kreisobmann. Parallel dazu müsse das längst überfällige Ziel verfolgt werden, eine schnelle und unbürokratische Entnahme durch ein entsprechendes Bestandsmanagement von Wölfen zu ermöglichen. Neben allen möglichen Herdenschutzmaßnahmen müsse aber an oberster Stelle die Erhaltung der natürlichen Scheu der Wölfe stehen. »Dazu ist es dringend notwendig, den Erhaltungszustand der Wolfspopulation im europäischen Raum erneut festzustellen und den Schutzstatus anzupassen.«

sh