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Beeindruckende Bilder von Max Weihrauch

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»Interieur mit Feldblumen«, Ölbild von Max Weihrauch in der Torhalle. (Foto: Giesen)

Zu Lebzeiten hatte der 2007 verstorbene Künstler Max Weihrauch immer den Wunsch, einmal auf der Fraueninsel in der Torhalle ausstellen zu dürfen.


Zu seinem 90. Geburtstag in diesem Jahr erfüllt Galerist Franz Gailer immerhin posthum diesen Wunsch. Rund 90 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken werden gleichzeitig sowohl in der Torhalle als auch der Inselgalerie gezeigt.

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Max Weihrauch, am 2. Dezember 1930 in Landsberg am Lech geboren, war ein kraftvoller, hoch begabter Maler, der zwar bisher zu den weniger bekannten Chiemseemalern des 20. Jahrhunderts gehört, was sich aber im Laufe der Jahrzehnte wegen der hohen Qualität seiner Werke sicher ändern wird. Weihrauchs Bilder werden an beiden Ausstellungsorten zum größten Teil in ihren Originalrahmen präsentiert, was wunderbar mit den sorgfältig renovierten, historischen Räumen der Torhalle harmoniert.

Weihrauch war eng mit der Fraueninsel verbunden: Kindheit und Jugend verbrachte er in Prien am Chiemsee und Rosenheim. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb der erst 16-Jährige einen Tauschhandel mit kleinen eigenen Ölbildern mit Chiemseemotiven, die er gegen Zigaretten und Schokolade als Souvenir an die amerikanischen Soldaten eintauschte. Er begegnete den damals hochbetagten Malern wie Ludwig von Schlieben (1875 bis 1957), Albert Stagura (1866 bis 1947) oder Paul Paulus (1919 bis 2012), von denen er wichtige Anregungen erhielt.

1951 nahm Weihrauch eine Stelle als Hausmeister im Hotel Linde auf der Fraueninsel an. In jeder freien Minute arbeitete er so in unmittelbarer Nähe zu den charakteristischen Malplätzen des Chiemsees, so dass er sich stets als Maler in der Tradition der Münchner Schule empfand. Bald entwickelte er jedoch einen ganz eigenen, individuellen Malstil. 1952 wurde er als jüngstes Mitglied der Künstlergemeinschaft »Die Frauenwörther« aufgenommen, deren künstlerischer Vorstand Constantin Gerhardinger (1888 bis 1970) war. Die Kunstausstellungen in jedem Sommer in der Torhalle und die Kontakte der Künstler untereinander waren für Max Weihrauch ein Grundstein seines Erfolges.

Seine regelmäßigen mehrwöchigen Reisen zum Beispiel nach Italien oder Griechenland dienten ihm stets als Inspiration, was zahlreiche Beispiele der Ausstellungen – zum Beispiel das typische »Taverne« von 2005 zeigen. Dass Weihrauch sehr vielfältige Motive wählte, beweisen so verschiedene Beispiele wie Stillleben mit viel Liebe zum Detail, Blumenbilder, Darstellungen von Menschen bis zu den unterschiedlichsten Landschaften. Oft hielt er die besonders schönen und stillen Orte in seinem geliebten Chiemgau fest, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

1953 war Max Weihrauch Gast der Münchner Secession auf der Großen Kunstausstellung München im Haus der Kunst, wo er bis 1966 in jedem Jahr vertreten war.

Eine weitere Leidenschaft war für ihn der Beruf des Kunsterziehers am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium in Bad Tölz. Von 1957 bis 1993 brachte er hier rund 3500 Schülern das Verständnis für Kunst und Malerei nahe. Dazu schuf er zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum wie das große Wandbild in der Aula der neuen Grundschule in Reichersbeuern. Weihrauch starb nach kurzer schwerer Krankheit am 13. Oktober 2007 in seinem Atelier in Greiling.

»Farbakkorde in Öl und Aquarell« von Max Weihrauch sind in der Torhalle und der Inselgalerie auf Frauenchiemsee bis zum 2. August täglich zwischen 11.15 und 17 Uhr zu sehen. Wegen der Corona-Besucherbeschränkungen kann es zu Wartezeiten kommen.

Christiane Giesen