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Beeindruckende Eröffnung

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Der Chor und das Orchester St. Martin gestaltete das Konzert mit den Solisten (vorne von links) Lisa Schmuck (Alt), Johanna Hartmann (Querflöte), Magdalena Hinz (Sopran), Christian Giglmayr (Tenor), Martin Hörberg (Bass) und Michael Müller (Gesamtleitung). (Foto: Mikosch)

Die 26. Waginger Musiktage haben mit einem beeindruckenden Konzert in der katholischen Waginger Pfarrkirche St. Martin begonnen: 37 Chorsänger und ein Orchester aus 22 Mitgliedern, alle ganz in Schwarz, hatten sich im Altarraum unter den filigranen Stuckverzierungen versammelt, als ihr Dirigent Michael Müller sich mit einem Grußwort an die Besucher wandte. Er lud sie ein, ihr Ohr zu öffnen, den Stimmungen der Musik und den gesungenen Worten nachzuspüren und erläuterte das Programm des Abends.


Mit dem vierstimmigen Ruf »Ave« und dem folgenden, getragenen Chorsatz des Briten Edward Elgar (1857 bis 1934) erklang das Ave Maria des spätromantischen Komponisten – eher ungewohnt – in einem langsamen Dreiertakt, dezent untermalt von der Orgel.

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In fröhlichem Orchesterklang folgte der Glanzpunkt des Abends, das »Regina Coeli« in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), der dieses freudige Werk im Alter von 15 Jahren in Salzburg als viersätziges vokal-instrumentales Stück geschrieben hat. Sein »Regina Coeli« (lateinisch Himmelskönigin) beschreibt die Freude der zuvor trauernden Maria über Christi Auferstehung in der Osterzeit.

Jubelnd besang der Chor vom Orchester begleitet im ersten Satz mit wiederkehrendem Halleluja diese Auferstehung. Die folgenden drei Sätze hat Mozart mit einer virtuosen solistischen Sopranpartie durchzogen. Diese wurde mit berührend schöner Stimme von Magdalena Hinz aus Laufen gesungen, die kurz vor dem Abschluss ihres Masterdiploms im Opern- und Konzertgesang steht und bereits mehrfache Preisträgerin ist.

Voll inniger Wärme interpretierte sie Christi Auferstehung, modellierte ihre Stimme ausdrucksvoll mit weichem Tremolo und wunderbar gesetzten Tonsprüngen. In höchster Höhe bezauberte sie gekonnt mit zart einsetzender Stimme und ihrer Fähigkeit, diese voll erblühen zu lassen. Selbst inmitten Mozarts spielerischen Koloraturen setzte sie in absoluter Sicherheit Akzente.

In den fröhlich-heiteren Beginn des 4. Satzes, in dem Mozarts beliebte Blasinstrumente hervortraten, stimmte der Chor kräftig ein, die Sopranistin glänzte mit kunstvollen Trillern und mit weiterem Halleluja endete dieses beeindruckende Werk in feierlicher Stimmung.

Dass Carl Stamitz (1745 bis 1801) ein Zeitgenosse Mozarts war, wurde bei dem heiteren Streicher-Beginn seines Flötenkonzerts in G-Dur deutlich. Wie Mozart war auch Stamitz der Sohn eines Komponisten. Das hier von der Flötistin Johanna Hartmann als Solistin gespielte Konzert bestach durch wunderschöne Themen und wieder eine durchweg heitere Grundstimmung.

Die Solistin stimmte auf ihrer Silberflöte mit einer Leichtigkeit ein, die sich wunderbar ins Orchester einfügte, sei es durch ihre behänden Läufe oder Stakkati oder durch gebunden geblasene Melodiebögen. Immer klang ihr Ton klar und warm zugleich, besonders deutlich zu hören im langsamen Satz mit seinen träumerisch verspielten und von Trillern geschmückten Klängen. Der anmutige vitale Finalsatz erinnerte besonders an Stamitzs Zeitgenossen Mozart, ehe das Orchester seinen Schlusspunkt setzte.

Ganz im Kontrast dazu erklang im Anschluss ein friedvoller vierstimmiger Chorsatz von Christian Lahusen (1886 bis 1975) nach einem romantischen Gedicht von Joseph von Eichendorff – »Komm, Trost der Welt« –, der voll Innigkeit die tröstliche Nacht und deren Stille und Ruhe in der Natur besang.

Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) hat im Jahr 1724 die Kantate »Allein zu Dir, Herr Jesu Christ« BWV 33 geschrieben. Sie begann mit dem vierstimmigen Chor und dem Orchester aus Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo in einem Choral voller Vertrauen in Gott. Der Bass (Martin Hörberg) sang das sehr gut artikulierte Rezitativ mit wohlklingender Stimme.

Der Alt (Lisa Schmuck) beklagte die Sündenlast und bat mit warmem Timbre um Jesu Beistand, ähnlich der Tenor (Christian Giglmayr) in seinem sehr hohen, schwierigen Rezitativ, der Gott um Jesu Hilfe und den wahren Christenglauben bat. Die 1. Geige (Sabine Kübler) umspielte dieses beim Alt-Solo eindrucksvoll mit absoluter Sicherheit.

Tenor und Bass erbaten gemeinsam in einem Duett, dass ihnen die Liebe zum Nächsten gelingen möge. Der Choral »Ehre sei Gott im höchsten Thron« beschloss diese Bachkantate voller Glauben und Vertrauen. Dass alle Sänger und Sängerinnen dieser nicht einfach zu singenden Bachkantate Laien sind, ist besonders hoch zu schätzen, ebenso wie alle Musiker mit Ausnahme von Sabine Kübler, die an einer Musikschule Geige unterrichtet.

Beim »Magnificat and Nunc dimittis« Evening Service in B-flat major, op. 10, das vom hier weniger bekannten Iren Charles Villiers Stantford (1852 bis 1924) komponiert wurde, begannen Chor und Orchester gemeinsam das ungewohnt tänzerisch klingende Magnificat. Hierbei erreichte der Chor die größte Strahlkraft dieses Abends. Es wurde in englischer Sprache gesungen.

Diese geballte Leistung aller Mitwirkenden und das breit gefächerte Spektrum, das sie an diesem Abend boten, hatte den großen Applaus verdient. Der Leiter der Waginger Musiktage, Michael Müller, dirigierte das gesamte Konzert – er ist Leiter des Kirchenchors. Allerdings ist er kein »gelernter« Musiker oder Dirigent, sondern geht dieser Beschäftigung aus reiner Freude an der Musik nebenberuflich nach. Er führte seine Sänger und Musiker souverän durch den Abend. Helga Mikosch