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Beeindruckende Rennen vor großartiger Kulisse

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Auch sie sicherte sich einen Platz im Weltcup: Stützpunkt-Athletin Karolin Horchler. (Foto: Hohler)

Perfekte Witterungsbedingungen, gute Zuschauerkulisse und beeindruckende Rennen: Der zweite Teil der Deutsche Biathlon-Meisterschaften in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena wurde zu einem echten Biathlon-Fest. Nach ersten Schätzungen »hatten wir am Freitag gut 1000, am Samstag 2500 und am Sonntag 2000 Zuschauer«, bilanziert Wettkampfleiter Alois Reiter.


Er und die gut 150 eingesetzten Helfer durften sich zudem nicht nur über unfallfreie, sondern auch über packende Wettkämpfe freuen. »Besonders die Spannung beim Massenstart der Männer war unglaublich«, zeigt sich Reiter beeindruckt.

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Diesen Massenstart hatte (wie berichtet) Simon Schempp (SZ Uhingen) mit 9,4 Sekunden Vorsprung vor Matthias Dorfer (SV Marzoll) und um 22,4 Sekunden vor Johannes Kühn (WS Reit im Winkl) gewonnen, die alle aus dem heimischen Stützpunkt stammen. Hier wie bei den weiteren DM-Wettkämpfen zeigte sich: Die Arrivierten sind hervorragend in Form – doch der Nachwuchs drängt mit starken Leistungen nach.

So sieht dies auch Trainer Remo Krug aus dem Stützpunkt, der dort gerade für die nachrückenden Athleten zuständig ist. Von diesen qualifizierte sich Matthias Dorfer (SV Marzoll) direkt für den IBU-Cup, doch auch die noch jüngeren Athleten wie Johannes Donhauser und Marco Groß (beide SC Ruhpolding), die sich jeweils einen Ersatzplatz erkämpften, »haben sich gut präsentiert. Das gilt auch für Dominic Schmuck«, lobt Krug den Sportler des SC Schleching.

Dass sich neben Simon Schempp auch Johannes Kühn (WSV Reit im Winkl) aus dem Stützpunkt souverän einen Startplatz sichern würde, war zu erwarten gewesen. Philipp Nawrath (SK Nesselwang), im Vorjahr schon mehrmals im Weltcup eingesetzt, schaffte es in den IBU-Cup – und könnte sich dort im Saisonverlauf noch weiter nach oben kämpfen. Für Niklas Homberg (SK Berchtesgaden) reichte es noch nicht zu einem Kaderplatz.

Sein Stützpunkt-Kollege Roman Rees (SV Schauinsland) – in der vergangenen Saison vorwiegend im Weltcup dabei – kam zumindest in den IBU-Cup. Dass es nicht zu mehr reichen würde, hatte er schon geahnt: »Das erste Wochenende war läuferisch nicht gut, und die anderen sind sehr stark – da mache ich mir keine Illusionen.« Auch in der Chiemgau-Arena lief es eher durchwachsen.

Doch die Aussagen der Trainer – unter anderem des Leitenden Disziplintrainers (Damen) Kristian Mehringer und von Florian Steirer (Disziplintrainer Damen), die ja am Stützpunkt das Damenteam betreuen – sowie des Sportlichen Leiters Biathlon im DSV, Bernd Eisenbichler, machen allen (noch) nicht Qualifizierten Mut: »Wir haben ein offenes System die Aufstiegsmöglichkeiten sollen schnell funktionieren«, betonte das Trio.

Schon »aufgestiegen« ist Denise Herrmann, die bei den Frauen das Geschehen an der Spitze dominierte. Die Weltmeisterin musste sich nur im Verfolgungslauf gegenüber Karolin Horchler geschlagen geben, die im Sprint und Massenstart jeweils Zweite wurde. Im Skilanglauf-Wettkampf wurde Horchler Sechste. Und das, obwohl die 30-Jährige sich am Arber einen Magen-Darm-Infekt eingefangen hatte und darunter auch am ersten Wettkampftag in Ruhpolding noch etwas litt.

»Anfangs ging es ganz gut, aber dann habe ich schon gemerkt, dass ich etwas geschwächt bin«, berichtet die Stützpunkt-Athletin. Ein Startverzicht war für sie dennoch keine Option. Zwar hätte sie möglicherweise per Trainerentscheid einen Weltcup-Platz bekommen können, »aber ich wollte die Qualifikation selbst klarmachen.«

Schon in der Vorbereitung habe sich angedeutet, dass es für sie gut laufen könne, »aber man muss es erst einmal umsetzen. Und das hat auf den Punkt geklappt«, zeigte sie sich erleichtert. Zumal die starke Schützin nun anscheinend auch läuferisch der deutschen – und damit auch der internationalen – Spitze nähergerückt ist. Schließlich war sie »bis auf den Langlauf in jedem Wettbewerb läuferisch unter den besten Zwei oder Drei«, freute sie sich.

Läuferisch extrem stark präsentierte sich auch Vanessa Hinz, die ebenso wie Franziska Hildebrand mit konstanten Spitzenplätzen die Weltcup-Nominierung absicherte.

Dass man sich nach vorne kämpfen kann, bewies im Frauenteam nicht nur Anna Weidel (WSV Kiefersfelden), die sich sogar einen Platz im Weltcup holte. Vom Stützpunkt überzeugte hier auch Marion Deigentesch, die sich zunächst einmal einen festen Platz im IBU-Cup erkämpfte.

Die 24-Jährige hatte mit Rang 3 im Sprint einen glänzenden Einstand. In der Verfolgung (11. Platz/15. Nettozeit) klappte es nicht ganz nach Wunsch, doch in Ruhpolding (9. Langlauf, 10. Massenstart) kam sie gleich zweimal unter die besten Zehn. Und Deigenteschs Rückstand im Langlauf auf die viertplatzierte Maren Hammerschmidt (SK Winterberg) betrug gerade einmal 19 Sekunden.

Hammerschmidt selbst schaffte es nach ihrer verletzungsbedingten langen Trainings- und Wettkampfpause nicht ganz in den Weltcup-Kader. »Aber ich habe im Sommer in der Vorbereitung gespürt, dass es in die richtige Richtung geht«, freut sich die 29-Jährige. Natürlich bleibe es ihr Ziel, sich im Laufe der Saison wieder ins Weltcup-Team hineinzukämpfen.

In dieser Hinsicht will sie sich ebenso wenig entmutigen lassen wie ihr Stützpunkt-Kollege Roman Rees. Der 26-Jährige brachte die Sichtweise für die knapp am Weltcup-Platz gescheiterten Athleten auf den Punkt: »Wenn die Saison im November und Dezember richtig losgeht, ist es erst einmal nicht so entscheidend, in welchem Wettbewerb man antritt. Ist man gut in Form, kann man sich nach oben kämpfen – und wenn es schlecht läuft, hat ein Start im Weltcup ohnehin keinen Sinn.« who