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Beeindruckender Duo-Abend im Kulturzentrum

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Leonie Trips und Patrick Leung bei W. A. Mozarts Konzert A-Dur. (Foto: Kaiser)

»Ich möchte ganz gern in meiner Heimatstadt ein Benefizkonzert machen« – diese Nachricht überraschte und erfreute Musikschulleiter Georg Holzner, und trotz der diesjährigen Terminenge fand er für Leonie Trips einen Termin und erklärte ihn zum zweiten Traunsteiner Sonntagskonzert 2016.


Die vor 18 Jahren in Traunstein in ein musikalisches Umfeld hineingeborene Geigerin Leonie Trips begann mit fünf Jahren ihr Instrument zu erkunden; zurzeit besucht sie das musische Gymnasium in Salzburg und steht vor dem Abitur. Als Jungstudentin am Mozarteum hat sie bei »Jugend musiziert« und »Prima la Musica« erste Preise errungen. Ihr Partner am Flügel, Patrick Leung, ist seit Abschluss seines Violinstudiums als Korrepetitor am Mozarteum tätig. Die beiden verbanden ihr Konzert mit der Bitte um Spenden zur musikalischen Förderung bedürftiger Kinder.

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1775, also mit 19 Jahren, schrieb W. A. Mozart (1756 bis 1791) fünf Violinkonzerte »für den eigenen Gebrauch«. Aus dem fünften daraus, A-Dur KV 219, spielte das Duo zum Konzertbeginn den schwungvoll-konzisen 1. Satz (Allegro aperto) in einfallsreichem, »offenem« Hinmusizieren. Mit berückendem Geigenton, stupender Technik und überlegter Musikalität gewann Leonie Trips die Herzen der Zuhörer, beeindruckte mit der einfallsreich blühenden Kadenz von Joseph Joachim. War die Flügelbegleitung bei KV 219 als Orchesterersatz noch relativ spröde, floss beim 1. Satz der Sonate für Klavier und Violine a-Moll op. 105 von Robert Schumann der Gestaltungswille der beiden Künstler in fruchtbarer Spannung nahtlos und kongenial zusammen. In den leidenschaftlichen Anfangstakten klang die Violine voll und groß wie eine Viola; in einem beeindruckenden Wechsel von Emphase und Ruhepunkten formulierten die beiden Musiker den Satz in voller Gleichberechtigung der Instrumente aus.

Die Thema-Vorstellung zur Ciaconna g-Moll von Tomaso Antonio Vitali (1663 bis 1745) kam mit großem Ton und äußerster Klarheit; voll Temperament und Ausdruck entwickelten sich die Variationen, konzentriert und exakt oder weich und geschmeidig, je nach dem Charakter der Melodieführung, auch mit schwierigsten Doppelgriffen. Sieghaft meldete sich zum Abschluss noch einmal das Thema. 1783 sprang W. A. Mozart für den kränkelnden Michael Haydn als »Aushilfe« ein und schrieb für ihn die zwei Duos für Violine und Viola KV 423 und KV 424 für den Auftraggeber Erzbischof Hieronymus. Der nahm diese zwei reizenden Kleinwerke als Schöpfungen Haydns in Empfang. Patrick Leung erwies sich bei KV 423 G-Dur als versierter Geiger; Leonie Trips »ersetzte« mit ihrer Violine die Bratsche – ganz raffiniert und gekonnt, nur manchmal fehlte bei Halteakkorden der 5. Stufe der Grundton, den halt doch nur die Bratsche »draufhat«. Kostbar war diese Petitesse trotzdem.

Mit kräftigen Akkordschlägen, basierend auf den »brauchbaren« Tönen d-a-f-d aus dem Namen seines Freundes David Ferdinand, beginnt Robert Schumann (1810 bis 1856) den 1. Satz seiner Sonate d-Moll op. 121 für Violine und Pianoforte, und der gesamte Satzverlauf wird von diesem viertönigen Thema bestimmt. Aufgeregte und aufregende Passagen entwickeln sich, mit tiefer Intelligenz und großem gegenseitigen Einverständnis gestaltet. Der gelegentliche Anflug eines Lächelns bei beiden Interpreten zeigte, wie sehr sie über der technischen Seite der Sache stehen und welche Freude sie an der Gestaltung hatten. Noch einmal meldete sich das Eingangsthema kurz und energisch am Satzschluss zu Wort.

Eine »Zwischenzugabe« fügte Leonie Trips »aufgrund der Bitte eines von weither angereisten Zuhörers« ins Programm ein, »Vidui«, das nachdenkliche Einleitungsstück zu Ernest Blochs (1880 bis 1959) »Baal Shem«-Suite aus dem chassidischen Lebensbereich, bevor das Finale aus dem 1. Violinkonzert g-Moll op. 26 von Max Bruch (1838 bis 1920) den Duoabend beendete. Dieses »Allegro energico« mit seinem echt geigerischen Haupt- und seinem pompösen Seitenthema ist und bleibt ein Reißer, der in seiner kompromisslosen, unaffektierten Gestaltung die Zuhörer zu stürmischem Beifall hinriss.

Dieser wurde belohnt mit einem kostbaren Satz aus W. A. Mozarts Violinsonate e-Moll KV 304. Engelbert Kaiser