weather-image
15°

Beeren haben jetzt ihren großen Auftritt

4.3
4.3
Chiemgau: Beeren haben jetzt ihren großen Auftritt – Tipps für Gartenarbeiten im Juli
Bildtext einblenden
Heidelbeeren wollen gut versorgt werden. Sie reifen über viele Wochen und müssen immer wieder geerntet werden. (Foto: dpa)

Der Sommermonat Juli ist der wärmste im Jahr und beschert uns viel Freude im Garten. Nachfolgend gibt Kreisfachberater Markus Breier einige Tipps rund um das Thema »Obst und Wildobst«. Bei Fragen ist er zusätzlich unter Telefon 0861/58-385 erreichbar.


Viele Beeren in den Gärten sind jetzt erntebereit. »Auch unseren Vögeln schmecken die reifen Beeren und sie werden rasch abgeerntet.« Das Aufhängen von glitzernden CDs oder Alustreifen kann sie für ein paar Tage abhalten, aber ordentlich funktioniert nur ein Netz über dem Beerenobst, so Breier. »Es muss einerseits dicht angelegt sein, weil selbst die kleinsten Schlitze gefunden werden, und andererseits sehr regelmäßig kontrolliert werden, damit kein Vogel sich darin verfängt oder gar verendet.«

Anzeige

Johannisbeeren, Stachelbeeren, Josta und anderes Strauchbeerenobst sollte man jedoch nicht zu früh ernten. »Aroma und Zuckergehalt steigen mit jedem Tag, den sie länger am Strauch hängen.« Bei Johannisbeeren heißt das: Frühestens ernten, wenn die letzten Beeren je Traube ausgefärbt sind. »Immer mit Stiel ernten!«

Durch die Pflanzung verschiedener Johannisbeersorten kann sich die Erntezeit über viele Wochen ziehen: von der frühen »Jonkher van Tets« Ende Juni bis »Heinemanns Spätlese« im August. Die rote Sorte »Rovada« ist besonders dankbar, »hier können die Beeren sogar wochenlang am Strauch hängen, ohne kaputt zu gehen; sie lässt sich auch gepflückt als einzige Sorte mehrere Wochen kühl lagern – ohne Qualitätsverlust der Beeren«. Aktuell ist sie die beste Sorte, auch hinsichtlich Ertrag und Aroma.

Nach der Ernte kann das Strauchbeerenobst (Johannis-, Stachel-, Jostabeeren) geschnitten und ausgelichtet werden. »Wir erkennen jetzt gut, was zu dicht steht. Die ältesten Triebe werden bodennah herausgeschnitten, zu viele Jungtriebe auf die kräftigsten drei bis vier reduziert. So halten wir die Sträucher jung und ertragreich.«

Sollen die Erdbeerpflanzen noch ein Jahr stehen, schneidet man alle Blätter ab – ohne das Herz der Pflanze zu schädigen. »So entsorgen wir eventuell vorhandene Blattpilze.« Auch untergelegtes Stroh wird entfernt. Im Anschluss bekommen die Pflanzen Dünger, damit sie jetzt kräftig wachsen und fürs kommende Jahr Blüten anlegen. »Damit der Boden nicht zu sehr austrocknet, mulchen wir regelmäßig mit Rasenschnitt oder Heu – nicht zu dick, aber regelmäßig.« Wer Erdbeeren neu pflanzt, wartet am besten bis August, dann wurzeln sie leichter.

Herbsthimbeeren tragen bereits seit Juni

Sommerhimbeeren tragen an den Ruten des Vorjahres und werden nach der Ernte bodeneben herausgeschnitten; die neuen Ruten wachsen schon daneben und werden in der Reihe auf fünf kräftige Stück pro laufenden Meter fürs nächste Jahr ausgelichtet. Herbsthimbeeren tragen bereits ab Juni an den überwinterten Ruten vom vergangenen Jahr, die schon im Herbst Früchte getragen hatten. »Diese Ruten werden dann bodeneben entfernt. Daneben wachsen die Ruten für die Herbsternte.«

Die großfruchtigen Heidelbeeren fangen allmählich mit der Reife an. »Da die Beeren über viele Wochen reifen, müssen sie immer wieder beerntet werden.« Sie lieben einen leicht feuchten Boden und sollten daher für guten Ertrag regelmäßig gegossen werden. Wichtig ist eine gute Nährstoffversorgung. Im Gegensatz zu unseren niedrigen heimischen Blaubeeren wachsen die großen Kulturheidelbeeren nicht im mageren Boden, sondern wollen genau wie andere Beerensträucher gut versorgt sein. Kompost eignet sich nicht, weil er meist viel Kalk mitbringt. Besser sind Rhododendron-, Hortensien- oder Beerenobstdünger, die sauer wirken.

Der Wein ist eine starkwachsende Kletterpflanze, die in der Natur schnell nach oben will. »Wir wollen ihn aber kompakt halten und kürzen daher im Sommer immer wieder die Triebe auf drei bis vier Blätter oberhalb des entwickelnden Fruchtstands ein.« Pro Trieb sollte nur ein großer Fruchtstand verbleiben, so entwickeln sich große Beeren mit viel Aroma und Süße.

Süß- und Sauerkirschen werden am besten mit oder gleich nach der Ernte geschnitten. »Die Wunden heilen im Sommer am besten und wir können den Baum luftig auslichten«, sagt Breier. Letzteres ist wichtige Vorbeugung vor Pilzkrankheiten.

Sauerkirschen gedeihen am besten an der Hauswand (Regenschutz), wachsen bei weitem nicht so stark wir Süßkirschen und können sogar nordseitig stehen. »Wir lichten sie jährlich kräftig aus, um die verkahlten, hängenden Zweige zu entfernen.« Dazu werden die frucht(ge)tragenen Zweige von der Spitze aus gesehen bis zur nächsten Verzweigung zurückgeschnitten.

Größere Sommerschnitte erst im August machen

Bei Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen und alle anderen Baumobst- Arten kann der Sommerschnitt begonnen werden – zumindest mit den Zweigen, die sicher nicht gebraucht werden und bei Jungbäumen für die Erziehung.

Größere Sommerschnitte sollten erst im August gemacht werden, damit der Baum nicht mehr zum Wachstum angeregt wird. Jetzt im Sommer ist die Wundheilung wesentlich besser als beim Winterschnitt, dafür erschweren die vielen Blätter die Übersicht im Baum.

Neben den Grünstecklingen im Juni ist jetzt noch Zeit für Absenker bei Johannis-, Stachel- und Brombeeren: junge Triebe nach unten biegen, etwas in die Erde eingraben und mit kurzen Stecken, Draht oder einem Stein festmachen. Der Trieb macht bis zum Herbst Wurzeln und kann dann als Jungpflanze verpflanzt werden. jal