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Begeisternder Abschluss der Traunsteiner Sommerkonzerte

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Das Morgenstern Trio mit (v. l.) Stefan Hempel, Catherine Klipfel und Emanuel Wehse begeistete das Publikum zum Abschluss der Traunsteiner Sommerkonzerte. (Fotos: Kaiser)

Beim letzten der diesjährigen Traunsteiner Sommerkonzerte gab es ein Wiederhören mit dem Morgenstern Trio, den Gewinnern des 2. Preises und des Publikumspreises beim ARD-Wettbewerb 2007. Catherine Klipfel (Klavier), Stefan Hempel (Violine) und Emanuel Wehse (Violoncello), sind ein hochmusikalisches junges Klaviertrio, das, von vielen Stammgästen gewünscht, doch nicht die gebührende Zuhörerzahl fand.


Nach einer würdigen Ehrung der Programmchefin Imke von Keisenberg und ihres Mitarbeiterteams durch Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke begann das Morgenstern Trio den Abend mit dem Klaviertrio A-Dur Hob.XV:18 von Joseph Haydn. Das 1794 entstandene Werk stellte sich als echtes Klavier-Trio dar, bei dem nur die Geige mit dem Klavier in einen Dialog eintrat; das Cello hatte außer Basistönen und Begleitfunktion nur Schwerpunkte zu setzen und gelegentlich Violinläufe parallel zu begleiten – ein willkommener, sympathischer Einstieg mit einem fantasievollen Eingangssatz, einem graziös-sanften Andante und, attacca angeschlossen, einem schwungvollen Finale.

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Wesentlich anspruchsvoller, das weiß das Traunsteiner Publikum seit dieser Konzertwoche, ging es beim Klaviertrio a-Moll op. 24 (1945) von Mieczyslaw Weinberg zur Sache. Auch dieses Trio ist, ähnlich wie Weinbergs Klavierquintett, in zeitlicher Nähe zu einem ähnlichen Werk von Schostakowitsch, dem 1944 geschriebenen Klaviertrio, entstanden, auch dieses Werk ist in Struktur und Aussage ganz unterschiedlich zu dem des Freundes.

Im zweiteiligen Eingangs-Larghetto (Präludium und Arie) kämpfte das Klavier mit chaotischen Kraftausbrüchen gegen den beharrlichen A-Dur-Akkord der Streicher; auch deren Melodien, die wie unisono wirken wollten, waren in sich dissonant. Dann – ein typisch »Weinbergscher Bruch« – intonierte die Violine eine wundersam melodische Arie. Der 2. Satz (Toccata) begann mit gehämmerten Klavierpassagen, die dann zusammen mit aufwärtssuchenden Streicherfiguren eine aufwühlende, unerträgliche Spannung mit einem abrupten Ende erzeugten.

Im Moderato-Satz (Poem) begleiteten nach einer seltsam-dramatischen Klaviereinleitung vorsichtig-karge Violinpizzikati eine traurig-schöne Cellomelodie, die sich im Tutti unerbittlich steigerte, doch versöhnlich ins Nichts vertropfte. Der letzte Satz (Finale) begann mit einer einsam-einstimmigen Klaviermelodie, die sich motorisch fugenartig ausweitete und mit den Streichern zu scheinbar ausweglosen, erschreckenden und verstörenden Kontrasten und Kollisionen steigerte. Doch am Ende stand die Erinnerung an die Violinarie des 1. Satzes und an die Choralmelodie des Poems – in einer Bogenform schloss, Weinberg-typisch, das Werk in Versöhnung und Frieden.

Einen enormen Ausdruckswechsel bewältigte auch das Morgenstern Trio, auf das gesamte Programm bezogen, von erfreulich leichter Schönheit über verstörende, doch versöhnliche Dramatik zu Intensität, die befreit und nicht einschränkt. Letzteres erlebten die Zuhörer bei Maurice Ravels Klaviertrio a-Moll aus dem Jahr 1914, das streng logisches Kalkül mit hinreißenden melodischen und metrischen Einfällen vereint. Raffiniert asymmetrische Rhythmen und Überlagerungen, elegante Steigerungen und wundersame Unisonostellen, ein Kokettieren mit Jazzimpulsen begeisterten die Zuhörer zur Empfindung reiner Freude. Diese bestanden auf einer Zugabe und bekamen zwei Sätze aus einem Trio von Germaine Tailleferre, die mit Ravel befreundet und als einzige Frau Mitglied der »Groupe des Six« war.

Am Schluss dieser Konzertwoche soll der Dank an die Programmgestalter der Traunsteiner Sommerkonzerte stehen, der Dank für die »runde«, ausgewogene und attraktive Auswahl von Werken und Interpreten, Dank aber vor allem dafür, dass sie das Publikum mit ausgesuchten Beispielen das Gesamtwerk von Mieczyslaw Weinberg nahegebracht haben, mit einem Klavierquintett, einem Klaviertrio, einer Solosonate für Viola, einer Sonate für Klarinette und Klavier, einer Sonate für Violoncello und Klavier und einem Streichquartett, dazu mit Filmmusik und der Filmdokumentation einer Oper. Dieses Engagement hat einem zu wenig bekannten Komponisten in unserer Region Gehör verschafft und Bewunderer gewonnen.

PS: Das Weinberg-Klaviertrio und auch Weinbergs Cellosonate werden von Deutschlandradio Kultur am 2. Oktober ab 20.03 Uhr gesendet (in Traunstein zu empfangen auf 88,3 MHz). Engelbert Kaiser