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Begeisternder Kraftsport

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Eine Bank im Berchtesgadener Team: Andreas Pfnür legte seinen Gegner in der zweiten Runde auf die Schultern.
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Andreas Hillebrand (rotes Trikot) brauchte nur 24 Sekunden, um den Gegner zu Schultern. Er sicherte damit souverän den Mannschaftssieg. Fotos: Anzeiger/Waßmuth

Berchtesgaden - Den letzten Ringsportabend in der Turnhalle an der Breitwiese vergessen die Anwesenden wohl nicht so schnell. Die Gäste aus Burghausen traten mit ihrer zweiten Garnitur so gut aufgestellt wie bisher noch in keinem Kampf an die Matte. Beim TSV Berchtesgaden sorgte zwar Trainer Uwe Petersen für so manche Überraschung, dennoch hing der Erfolg am berühmten seidenen Faden. Hochinteressant für die Zuschauer war die Tatsache, dass der hoch brisante Kampf erst im letzten Gefecht entschieden wurde.


Beide Mannschaften konnten wie schon die ganze Saison über eine Gewichtsklasse nicht besetzen. Dafür sahen die Zuschauer acht zum Teil sehr interessante Kämpfe, die es in sich hatten und die Emotionen in der Halle hoch gehen ließen.

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Nachdem Burghausen die Klasse G 55 nicht besetzt hatte, kam Maximilian Rehlegger kampflos zu vier Mannschaftspunkten. Doch, wie gewonnen so zerronnen, gab Hans Wolfgang Preinfalk gegen den starken Ungarn Tomas Kiss ebenfalls vier Punkte bei seiner Schulterniederlage ab.

Wieder von einem Infekt genesen, zeigte Sebastian Hillebrand (F60) all seine Klasse gegen Stefan Wuchterl. Nachdem Hillebrand schon in den ersten beiden Runden klar nach Punkten führte, schulterte der Berchtesgadener seinen Wiedersacher in der dritten Runde und brachte den TSV Berchtesgaden mit 8:4 nach vorne. Nachdem die Klasse G 96 vom TSV Berchtesgaden nicht besetzt werden konnte, glichen die Gäste wiederum aus.

Jetzt sollte Trainer Uwe Petersen (G66A) seine Staffel wieder in Führung bringen, nachdem der Coach über die Woche wieder sechs Kilogramm Gewicht abgekocht hat. Petersens Marschroute war klar. Er gewann zunächst die beiden ersten Runden sicher. Dann jedoch setzte sich der clevere Ungar Csongor Knipli mit mehr Kondition und »normalerem« Gewicht als Petersen immer mehr in Szene und entschied die drei nächsten Runden für sich. Dennoch machte Petersen beim 2:3 zwei Mannschaftspunkte.

Jetzt waren die Berchtesgadener wieder im Zugzwang und Andreas Pfnür (F84B) zeigte dem Gästeringer sogleich, wer Herr auf der Matte ist. Nach einer 6:0-Führung in Runde eins schulterte Pfnür seinen Widersacher Andrej Maltschulkowski bereits in Runde zwei nach 25 Sekunden. Der TSV lag wieder mit 14:11 voran.

Michael Brandner (F66B) hatte ebenfalls Gewicht abtrainiert und zeigte gegen Halit Yilmaz einen beherzten Kampf. Brandner vertrat den verhinderten Christoph Graßl und holte bei der 1:3-Niederlage wieder einen wichtigen Mannschaftspunkt. Noch führte Berchtesgaden mit 15:14.

Sebastian Schöndorfer (G84A), der berufsbedingt nur sehr sporadisch eingesetzt werden kann, traf mit Maximilian Christian Lukas auf einen etwa gleich starken Ringer. Der Burghausener ist jedoch wegen seiner Größe schwer zu ringen und so entwickelte sich ein taktisch geführtes Gefecht. Beim TSV Berchtesgaden hoffte man darauf, dass wie in Runde eins und zwei keine technischen Wertungen geschrieben würden und so der Burghausener nur einen Punkt abbekommen würde. Doch nach zwei verlorenen ersten Runden erwies sich Schöndorfer als der aktivere Ringer und gewann Runde drei. Jetzt ging es um alles und Lukas gewann die nächste Runde. Damit bekam der Gast 3:1 Punkte und führte jetzt wieder mit 17:16.

Im vorletzten Kampf traf Florian Rehlegger (G74A) auf Florian Mayerhofer. Auch in diesem Kampf spielte Taktik die große Rolle. Keiner der beiden Ringer riskierte eine 0:4-Wertung und so stand es nach vier Runden 3:1 für den Burghausener. Die Gäste lagen vor dem letzten Kampf mit 20:17 vorn und hätten einen Punkt zum Mannschaftssieg benötigt. Die Spannung in der Halle war jetzt nicht mehr zu überbieten. Über eine Stunde lang waren die Anhänger des TSV Berchtesgaden hin und her gerissen.

Doch der letzte Berchtesgadener Ringer war niemand anderer als Andreas Hillebrand (F74B), der nach einem Infekt wiederum im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Sein Widersacher Arthem Slepow stand von Beginn an auf verlorenem Posten. Hillebrand führte durch erfolgreiche Beinangriffe bereits mit 6:0, als er Slepow in die Brücke bugsierte. Aus dieser Lage gab es für den Burghausener kein Entrinnen mehr. Nach ganzen 24 Sekunden schulterte Hillebrand seinen Kontrahenten. Unter tosendem Applaus ging der TSV Berchtesgaden gegen den SV Wacker Burghausen als knapper, aber verdienter 21:20-Sieger von der Matte. »Ich zolle unserem Team großen Respekt und Lob, denn einige Kämpfe sind nicht ganz nach unseren Hoffnungen verlaufen. Jetzt haben wir mit dem Abstieg wohl nichts mehr zu schaffen«, erklärte ein erleichterter Abteilungsleiter Hans Labacher.

Die Schülerstaffel des TSV Berchtesgaden unterlag im Vorkampf dem SV Wacker Burghausen mit 12:24. Für die drei Schultersiege sorgten Tobias Küpper (F38), Maximilian Rehlegger (G60) und Marius Mackamul (F76). cw