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Starkbierfest mit lustiger Fastenrede in Staudach-Egerndach – Der Gemeinderat als Fußball-Elf

Bei Bruder Bastolomäus die Beichte abgelegt

Staudach-Egerndach – Es gab keinen Tag, an dem Bruder Bastolomäus (Bastian Starflinger) nicht irgendeinem Gemeindebürger die Beichte abnehmen musste.

Amüsierte die Zuhörer seiner Fastenpredigt in Staudach-Egerndach mit treffsicherer Beobachtungsgabe: Bastian Starflinger alias Bruder Bastolomäus. (Foto: T. Eder)

»Mit den Geschichten, die der Alltag schreibt, brauchen wir uns hinter keiner großen Metropole verstecken«, betonte er im vollbesetzten Gasthaus Mühlwinkl, nach einer amüsanten wie auch informativen Fastenrede.

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Verstecken nützte kaum, auch nicht hinter dem süffigen Starkbier, denn was der Fastenprediger zu sagen hatte, betraf eine Vielzahl von Gemeindebürgern. Weder Gemeinderat, noch Feuerwehrkommandant und auch nicht der Vorstand des Pfeifenvereins blieben verschont. Den wohl größten Aprilscherz aber lieferte Bruder Bastolomäus selbst – erst nach der Hälfte der Fastenrede fiel ihm auf, dass das Mikrofon gar nicht an war.

Marmorbad bauen und dann beim Nachbarn duschen

So bekam auch der Bürgermeister nicht mit, wie der Abgesandte des Herrn über den Kindergartenumbau wetterte, wobei die Fenster ganz nach unten gezogen würden, weil im Norden besonders viel Sonne sei. Wer nun glaubt, dass das Projekt mit Kosten von 230 000 Euro für mehr Kindergartenplätze sorge, der habe sich »sauber geschnitten«. So müssten auch nach dem Umbau einige Kinder in benachbarte Kindergärten gehen. »Das ist, als baut man sich ein Bad aus Marmor und geht dann zum Nachbarn zum Duschen«, sagte er.

Zudem hätten sich auch nur ein paar Architekten über ein solches Projekt getraut. »Bleibt nur zu hoffen, dass es etwas schneller als der Berliner Flughafen geht und die jetzigen Kinder in 60 Jahren nicht ihre Enkel fragen, ob das Sonnensegel schon steht«. Übrigens wusste er, dass die Jugendbewegung das Projekt für 160 000 Euro übernommen hätte und mit den verbleibenden 100 000 Euro dem Kindergarten sogar noch ein Solardach, natürlich auf der Nordseite, spendiert hätte.

Aber auch die Fußgängerampel – die erste in der Gemeinde, die nun den Süden und Norden der Gemeinde verbinde – bereite nachts Probleme. Das Ding blende so, dass man die Ampel nur mit Schweißerbrille passieren könne und Zeitungsausträger mit Sonnenbrille unterwegs seien. Der örtliche Arzt biete nun sogar Röntgenuntersuchungen, jedoch nur nach Sonnenuntergang und bei voller Leistung der Ampel, an.

Den Gemeinderat stelle er sich als Fußballmannschaft vor. »Im Tor steht Bernd Koller, ein Routinier, der mit seinen Erfahrungen alles blockt, davor die Viererkette, die Wand des Schweigens. Im defensiven Mittelfeld gelten Anton Weiß und der Fünfer Peter als kompromisslose Abräumer, immer leicht nörgelnd, latent eingeschnappt und immer mit der gelben Karte vorbelastet. Im offensiven Mittelfeld agieren die Damen Gaukler und Pöschl gemeinsam mit Alex Mesut Sedlmayer.« Wie das Spiel zu laufe habe, bestimmten Trainer Florian Stephan und Teamchef Hans »Beckenbauer«, der trotz unpopulärer Entscheidungen beliebt wie eh und je sei.

Am Mittwoch legte Hermann Neumayer, der Meister des Salzturms, die Beichte ab. Er habe der Blechdose die Holzfassade angepasst und wollte das Silo für seinen Schnupftabakvorrat nutzen, musste aber erkennen, dass dieses für Streusalz zweckentfremdet wurde. Auch über so manchen Nachbarschaftsstreit wusste der Geistliche Bescheid. »Redt´s halt miteinander, bevor ihr den Advokaten einschaltet«, riet er und zum Sturmhaus meinte er: »Nur nicht hudeln, am Kölner Dom wurde auch 632 Jahre gebaut«.

Selbst über ein illegales Autorennen zwischen Vater und Sohn mit Blechschaden konnte er berichten – das Leben auf der Überholspur berge aber auch gewisse Risiken. Der wichtigste Verein in der Gemeinde sei der Pfeifenverein; ebenso wichtig der Vorstand. Was eine Führungskraft auszeichne, sei Konsequenz. Und so habe der »Pfeifennapoleon« nach einem Streit seinen Rücktritt vom Rücktritt vollzogen.

Was sich in der Silvesternacht auf einer Privatstraße – bedingt durch einige Pyromanen – und dem Straßenbesitzer abspielte, erzählte er ebenso wie von der Vereinigung der »Freunde der heißen Temperaturen« – alles Männer, die sich nackt im Gartenhaus aufhalten, wobei einer immer mit einem weißen Handtuch wedelt.

Die Tücken der Eisflächenherstellung schilderte Bastolomäus in den schönsten Farben. Zehn Experten hatten versucht, vor dem Vereinsstadel eine Eisfläche für den Wintersport zu präparieren, was trotz mehrfacher Versuche und vieler Ideen fehlschlug. Er berichtete über eine schräge Figur ohne Bewegung, die dachte, den Berg mit einem Motocrossradl bezwingen zu können. Bei ihrem Sturz dachte das ganze Dorf, eine Mure wäre abgegangen. Schließlich dankte Bastolomäus seinen Helfern und gab sich somit als die schräge Figur zu erkennen.

Schließlich gab der Prediger noch einen Einblick in seinen Terminkalender. Am frühen Morgen besucht ihn der Weisser-Klaus auf einen Kaffee und wird vom Kehrei abgelöst. Von 11 bis 16 Uhr ist für den Bürgermeister reserviert. Ab 16 Uhr kommt Martina Gaukler, nicht zum Beichten, sondern um ihn auf den neuesten Stand im Bezug auf den Moorrundwanderweg zu halten.

Neben »Bruder Jakob« weiteres Lied einstudieren

Um 17 Uhr erwartet er das Gründungsmitglied der Blaskapelle – allerdings sollte es um den Frieden in der Nachbarschaft zu wahren, neben »Bruder Jakob« ein weiteres Lied auf der Posaune einstudieren. Aber auch dem »Getränkedandler« und Großbauern wolle er Mut zusprechen, schließlich seien nicht alle Stiere »stockschwul«. Mit dem Lied »es war ein Glückstag ganz gewiss, als Staudach-Egerndach entstanden ist«, verabschiedete sich der Prediger.

Keiner im Saal nahm dem bierseligen Kameraden die Fastenrede übel. Auch, dass der angekündigte Einakter nicht gezeigt wurde, nahmen die Starkbierfreunde hin. Die lustige Rede entschädigte für die entgangene Theatervorstellung. tb