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Bei Chris Boettcher bleibt kein Auge trocken

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Beim Auftritt von Chris Boettcher im k1 blieb kein Auge trocken. Seine Lieder verbunden mit der einzigartigen Mimik sorgten für große Erheiterung beim Publikum. (Foto: Mix)

Chris Boettcher, Musiker und Comedian, brachte die Besucher im k1 zum Weinen, allerdings waren es Lachtränen, die in Strömen flossen. Den ganzen Abend über gab er einen Knaller nach dem anderen zum Besten, parodierte zahlreiche Prominente und hatte zu jedem das passende Lied getextet. Schon bei der Begrüßung freute sich Chris Boettcher über den Applaus, der ja bekanntermaßen das Brot der Künstler sei – »deshalb bin ich so dünn« – und hatte damit schon den ersten Lacher gelandet.


In der Folge zeigte der Künstler, dass er sich über Traunreut informiert hatte: Er dichtete »was braucht die Kommune einen schicken Boulevard, die Kantstraße duads doch aa« oder »wos duad mir do ins Auge blitzen? Des san bunte Ts zum Draufsitzen«. Als Sehenswürdigkeiten gebe es in Traunreut die Prachtbauten der Firma Heidenhain zu bestaunen und den Ort seines Auftritts, das k1, betitelte er mit Augenzwinkern als »Kleinod altbayerischer Barockbaukunst«.

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Oliver Kahn, Jogi Löw, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Erdogan, Trump, Merkel und viele andere mehr kamen im k1 auf die Bühne. Ohne Verkleidung, nur mit seiner Stimme und einem unglaublichen Mienenspiel stellte Chris Boettcher sie dar und zeigte von jedem Einzelnen ganz charakteristische Merkmale auf.

In seinen selbstgedichteten Liedern machte Chris Boettcher vor nichts und niemandem Halt. Udo Lindenberg, der eigentlich viel lieber mal ohne Hut unterwegs wäre, Peter Maffay, der sich schon immer ein Motorrad ohne Stützräder gewünscht hat, Herbert Grönemeyer, den man nicht versteht und wenn man ihn verstehen würde, wüsste man trotzdem nicht, was er sagen will – alle kamen sie dran.

Ebenfalls im Programm waren Kaiser Franz Beckenbauer, »gute Freunde, die kann man kaufen«, der neue Traumschiffkapitän, »die Traumschiffmelodie wird jetzt volkstümlich«, Horst Seehofer, der schon als Kind auffiel mit einem Hals, den er um 360 Grad drehen konnte. Eingeschossen hatte sich der Musiker auch auf den amerikanischen Präsidenten in einem Gedicht, in dem das ganze Weiße Haus verzweifelt sein Gehirn sucht, das verloren ging. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass Trump es gar nicht verloren hatte – er hatte nie eins. Und auf seinem Grabstein könnte später mal stehen: »Er hinterlässt keine große Lücke, nur eine scheußliche Perücke.«

Sogar vor der Institution Kirche machte Christ Boettcher nicht Halt und sang: »Liaba Gott, host du gwoit, dass der, der an di glaabt, Kirchensteuer zoit? De Kirch konn des Himmelreich ned moi garantiern und trotzdem miassn mir am Bischof sein Mercedes finanziern.«

Immer wieder schön zu hören ist auch der Hit von vor zehn Jahren, »Zehn Meter gehen«, in dem Christ Boettcher den Wahn rund um Heidi Klums Germanys next Topmodel thematisiert, und auch der Song »Pubertät« über die schwierigen Jahre in der Kindererziehung. Chris Boettcher kommt zu dem Schluss: »Die Pubertät ist von Gott so gewollt, dass uns Eltern der Abschied ned gar so schwer foit.«

Das Publikum im k1 war begeistert und hielt sich oft vor Lachen den Bauch. Wenn man den Applaus, den Christ Boettcher am Samstag in Traunreut erhielt, als Messlatte für das Brot eines Künstlers nimmt, dann dürfte er eigentlich nicht so dünn sein. Pia Mix