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Bei dieser Kletterhalle steht das Thema Inklusion an erster Stelle

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So soll die Kletterhalle in Bad Aibling einmal aussehen. Der Spatenstich für das ehrgeizige Projekt des Vereins Stützpunkt Inntal soll in diesem Herbst erfolgen. Im Frühjahr 2019 wird die Kletterhalle, wenn alles nach Plan läuft, dann eröffnet.

Ihr Traum könnte bald Wirklichkeit werden. Natascha und Achim Haug aus Bad Feilnbach sowie die Traunsteinerin Katja Müller haben schon lange einen großen Wunsch: Sie möchten gern eine Kletterhalle bauen. Aber es soll keine herkömmliche Halle werden – sondern eine in der das Thema Inklusion an erster Stelle steht. Jetzt stehen sie kurz davor – noch im Herbst soll dafür der Spatenstich auf dem B&O-Gelände in Bad Aibling (früheres US-Camp) erfolgen. Aber der Reihe nach.


Die gelernte Ergotherapeutin Natascha Haug hat 2004 begonnen, Therapie-Kletterkurse anzubieten – und traf damit den Nagel genau auf den Kopf. »Die Nachfrage ist schnell gestiegen«, erzählt ihr Mann Achim Haug. Mittlerweile sind es 14 Gruppen, die wöchentlich zu betreuen sind. »Das ist ein Vollzeitjob«, unterstreicht Natascha Haug, die auch Yogalehrerin ist und den Trainer-C-Schein im Sportklettern besitzt.

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Verein kommt gut an: »Die Zahl wächst stetig«

Und auch weil die Nachfrage so enorm war, haben die beiden den Verein Stützpunkt Inntal ins Leben gerufen. Aktuell hat der Verein schon 130 Mitglieder – und die kommen nicht nur aus dem Rosenheimer Bereich, sondern auch aus dem Landkreis Traunstein. »Und die Zahl wächst stetig«, weiß Achim Haug, der zusammen mit Katja Müller der stellvertretende Vorsitzende des Vereins ist, während seine Frau den Vorsitz inne hat. »Wir wollten mit dem Verein den Menschen, die finanziell nicht so gut gestellt sind, die Möglichkeit geben, ebenfalls klettern zu gehen«, sagt der Sport-Mentalcoach und der Tiroler Bergwanderführer Achim Haug, der natürlich ebenfalls einen C-Trainerschein für das Sportklettern besitzt.

Trainiert wird bisher in den Kletterhallen in Bernau und Rosenheim. Die Voraussetzungen dort sind natürlich nicht schlecht, aber dennoch fehlt ein ganz wichtiger Punkt für die Kletterer mit Behinderung: Die Hallen sind nicht barrierefrei. Mal fehlt zum Beispiel der Aufzug, mal sind die Sanitäreinrichtungen – etwa für Rollstuhlfahrer – schlichtweg nicht vorhanden. Und natürlich sind auch die Kletterwände nicht immer perfekt auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung abgestimmt. »Geistig behinderte Menschen mögen es etwa nicht so gerne, wenn es Überhänge oder Kanten an der Wand gibt«, erklärt Natascha Haug.

In der neuen, barrierefreien Kletterhalle soll dies natürlich alles berücksichtigt werden. »Für jeden soll da etwas dabei sein. Wir wollen den Schwächsten abholen, aber auch den Stärksten weiter fördern«, betont Natascha Haug. Und: »Es geht bei uns nicht um höher, schneller und weiter.« Vielmehr geht es um das Miteinander der Menschen mit und ohne Behinderung. »Es soll ein Ort der Begegnung werden«, betonen die drei unisono. Und: Die Kletterhalle soll den Menschen mit Behinderung auch die Möglichkeit geben, erste Schritte im Berufsleben zu machen. »Wir wollen Arbeitsplätze und Praktikumsstellen schaffen«, sagt Natascha Haug stolz.

Einen geeigneten Standort hat der Verein mittlerweile gefunden: Und der sei laut den drei Initiatoren optimal, denn dort befindet man sich in guter Nachbarschaft mit den Basketballern, dem Deutschen Fußball Internat und zudem sind dort auch einige Schulen, unter anderem auch die heilpädagogische Waldorfschule, angesiedelt.

Auch die Baupläne liegen fertig in der Schublade. »Der Finanzierungsplan steht ebenfalls schon«, berichtet Katja Müller. Das Projekt, das eine Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro hat, soll sich so weit als möglich aus privaten und staatlichen Förderern, Stiftungen und Sponsoren finanzieren. »Allerdings gibt es noch eine Lücke.« Die gilt es nun zu schließen. »Das wollen wir jetzt mit weiteren Spendengeldern schaffen.«

Katja Müller hatte übrigens einst selbst einen Kurs bei Natascha Haug besucht – und war so begeistert davon, dass sie mittlerweile selber einen C-Trainer-Schein für Klettern hat und neben ihrer Arbeit im Verein auch Kurse gibt.

Eröffnung für das Frühjahr 2019 geplant

Der Bau der Halle, die überwiegend aus Holz gebaut werden soll, wird voraussichtlich neun Monate dauern. Im Frühjahr 2019 könnte sie also, wenn alles nach Plan läuft, eröffnet werden. »Dann soll es ein sportliches Miteinander geben – für Menschen mit und ohne Behinderung, für Breitensport und Spitzensport, für Jung und Alt.«

Wer den Verein Stützpunkt Inntal beim Bau der Kletterhalle unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: Spendenkonto Stützpunkt Inntal e.V., IBAN DE58 71150000 0020117057, BIC BYLADEM1ROS. Für weitere Informationen steht auch die stellvertretende Vorsitzende Katja Müller zur Verfügung. Sie ist erreichbar per E-Mail an katja@stuetzpunkt-inntal.de oder per Telefon 0151/70 82 9551. SB