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Bei Fluchtversuch mit Auto auf Polizisten losgefahren: »Keine Luft bekommen«

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Ein 34-jähriger Traunreuter musste sich vor dem Amtsgericht Laufen verantworten. Foto: dpa

Laufen – Ein 34-jähriger Traunreuter war bei seinem Fluchtversuch mit heulendem Motor auf einen Polizisten zu gefahren. Der Beamte brachte sich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit und stürzte zu Boden. Nun musste sich der 34-Jährige für seine Taten vor dem Amtsgericht Laufen verantworten. Da am Ende der Verhandlung Unklarheiten blieben, kam er mit einer Geldstrafe von 2100 Euro davon.


Der Traunreuter hat am 11. Juni mit seinen drei Kindern seine psychisch erkrankte Frau im Inn-Salzach-Klinikum Freilassing besucht. Dort war es zum Streit gekommen und die Frau wandte sich an einen Sicherheitsmann, der die Polizei verständigte.

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Der Angeklagte weigerte sich, seine Personalien anzugeben, schubste einen Beamten weg und forderte ihn auf, sich zu »verpissen«. Daraufhin stieg der Traunreuter in seinen Wagen, fuhr über den Parkplatz in Richtung Straße.

Während ein 23-jähriger Bundespolizist Verstärkung anforderte und das Kennzeichen durchgab, lief sein Kollege zur Ausfahrt, um den Flüchtenden aufzuhalten. Dort soll der Angeklagte direkt auf den Beamten zu gefahren sein.

Dieses Geschehen war später von der Polizei nachgestellt worden und wurde im Gerichtssaal gezeigt. Zu sehen war, wie sich der Beamte durch einen Sprung zur Seite rettete und anschließend auf den Asphalt stürzte. Doch genau dieser Beamte stand nicht als Zeuge zur Verfügung.

Laut Angeklagtem soll der Polizist zu ihm gesagt haben, dass er das Geschehen auf seiner Körper-Kamera habe und ihn »fertigmachen« werde. Ein ebenfalls 23-jähriger Beamter der Polizei Freilassing räumte ein, dass das »Adrenalin« seines Kollegen sehr hoch gewesen war und er ihm geraten habe, nicht mit dem Angeklagten in den Dienstwagen zu steigen, sondern erstmal durchzuschnaufen.

Bildaufnahmen des realen Geschehens existieren allerdings nicht, da kein Beamter seine Body-Cam aktiviert hatte. Gestoppt wurde die Flucht des Traunreuters direkt nach der Ausfahrt auf der Vizentiusstraße. Ein Sanitäter versperrte mit einem Rettungswagen dem 34-Jährigen den Weg.

Gutachter Dr. Rupert Müller hatte sich intensiv mit der Vita und dem Zustand des Angeklagten befasst. Er schilderte die Situation des Mannes, aber auch die psychische Erkrankung seiner Ehefrau. »Der Angeklagte hat versucht, den Laden mit den drei Kindern und seiner Arbeit am Laufen zu halten«, betonte der Gutachter. »Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit« hätten letztlich zu dieser Reaktion geführt. Müller ging daher von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus.

Von einem »merkwürdigen Fall« sprach Alexander Foff, der bei der Anklage »Nachweisschwierigkeiten« sah, hatte doch der Angeklagte die Flucht und die Ausfahrtsituation ganz anders geschildert als der Beamte. Weil der Polizist nicht zur Befragung zur Verfügung stand, regte der Staatsanwalt an, diesen Teil der Anklage vorläufig einzustellen. »Es bleibt dann nicht mehr viel übrig«, fasste Foff zusammen. Er erachtete eine Geldstrafe für ausreichend.

Die von ihm beantragten 70 Tagessätze zu je 40 Euro waren für RechtsanwaltDr. Herbert Buchner zu hoch. »Mein Mandant war überfordert und er hat falsch reagiert«, warb der Verteidiger um Nachsicht, deutete daneben an, dass bei dem Vorfall durchwegs sehr junge Beamte im Einsatz waren.

Richter Christopher Lang legte dann dem Angeklagtem 60 Tagessätze zu je 35 Euro wegen Widerstands und vorsätzlicher Körperverletzung auf, waren doch zwei Beamte bei dem Gerangel am Boden leicht verletzt worden. »Es war ein rechtmäßiges polizeiliches Handeln«, machte der Strafrichter deutlich. Dem Angeklagten attestierte er Reue und Einsicht, zudem habe der seit geraumer Zeit psychotherapeutische Gespräche zum Thema Dialog, Streit und häusliche Gewalt geführt. höf