Bei Stallbrand sterben fünf Kälber - »Peta« mischt sich ein

Bildtext einblenden
Christina Frangen und Johann Heinz bewirtschaften den Paulbauernhof. Nachdem bei einem Stallbrand fünf Kälber ums Leben gekommen waren, mischte sich die Tierschutzorganisation »Peta« ein. Sie wirft den Landwirten vor, den Tod der Tiere billigend in Kauf genommen zu haben. Dagegen wehren diese sich nun. (Foto: privat)

Saaldorf-Surheim – Vor rund zwei Wochen brannte es am Paulbauernhof in Saaldorf-Surheim. Die Einsatzkräfte hatten in dieser Nacht alle Hände voll zu tun, um das Feuer zu löschen und vor allem auch die Tiere in Sicherheit zu bringen. Obwohl alle ihr Bestes gaben, überlebten am Ende fünf Kälbchen nicht. Für den Jungbauern und Landwirtschaftsmeister Johann Heinz und die Jungbäuerin und Agrarwissenschaftlerin Christina Frangen eine Tragödie. Während sie nun versuchen, unter den gegebenen Umständen nach vorne zu schauen und ihren Kindern zu vermitteln, dass man wieder aufstehen und weitermachen muss, zeigte die Tierschutzorganisation »Peta« die Landwirte an. Sie hätten den Tod der Tiere billigend in Kauf genommen. Kurios an der Geschichte ist, dass »Peta« zunächst eine Pressemitteilung mit falschem Inhalt veröffentlichte.


Biobauernhof mit Hofladen

Der Paulbauernhof wird biologisch bewirtschaftet, im eigenen Hofladen werden selbst gemachter Käse und Co. verkauft. Christina Frangen hat die Lebensmittel bis vor Kurzem auch am Wochenmarkt in Berchtesgaden angeboten, derzeit macht sie eine Babypause.

Seit 2016 bewirtschaften Heinz und Frangen den Hof, 2018 kam dann eben jener Stall hinzu, der in der Nacht auf 8. April durch das Feuer zerstört wurde.

»Wir hatten für ein krankes Kalb eine Wärmelampe aufgebaut«, erzählt Christina Frangen dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Möglicherweise war diese Wärmelampe die Brandursache. »Noch ist es nicht abschließend geklärt, aber ein Defekt könnte dazu geführt haben, dass ein Funke auf das Stroh gefallen ist.« In diesem Teil des Stalls waren fünf Kälber in ihren Iglus untergebracht, für sie kam in dieser Nacht jede Hilfe zu spät. Die etwas größeren Tiere, die in einem anderen Abteil untergebracht waren, überlebten den Brand. Ihre Verletzungen konnten versorgt werden, mithilfe des Tierarztes päppelten sie die Landwirte in den vergangenen Tagen wieder auf. »Für uns ist das, was passiert ist, schwer zu verdauen.« Die Kälbchen waren der Familie ans Herz gewachsen, »zwei von den Tieren, die ums Leben gekommen sind, waren die unserer beiden Kinder«.

Frangen und Heinz versuchen, stark zu sein und nach vorne zu blicken. Fassungslos macht sie dagegen, wie sie der Tierschutzverein »Peta« darstellt. Tatsächlich hatte der Verein über seine Presseabteilung am Montagvormittag eine Mitteilung veröffentlicht und darin behauptet: »70 Rinder sterben bei Stallbrand in Saaldorf-Surheim – PETA erstattet Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth«.

Inhaltlich falsch

In dieser Mitteilung war nicht nur die falsche Staatsanwaltschaft genannt – zuständig ist in diesem Fall die Staatsanwaltschaft Traunstein – sondern auch die Zahl der toten Kälber stimmte nicht. Obwohl die Organisation auf diese Fehler hingewiesen worden war, dauerte es bis in den Nachmittag hinein, bis eine korrigierte Version die Redaktionen erreichte. In beiden Mitteilungen wird den Landwirten vorgeworfen, den Tod der Tiere billigend in Kauf genommen zu haben. »Jeder Tod eines Tieres, welches bei einem Stallbrand stirbt, wurde nach Auffassung von PETA aufgrund der mangelnden Brandschutzvorgaben billigend in Kauf genommen. Landwirte züchten diese unschuldigen Lebewesen schließlich überhaupt erst in eine leidverursachende Umgebung hinein«, heißt es in der Mitteilung von »Peta«. Dass der Brandschutz im Stall nicht ausreichend gewährleistet gewesen sei, dementieren die Landwirte. »Das ist nicht wahr. Der Stall ist 2018 neu gebaut worden und hat alle Vorgaben erfüllt«, so die Paulbauern. Auch die Brandschutzprüfung sei positiv ausgefallen.

Für Christina Frangen ist das Vorgehen der Organisation unmoralisch, denn es ginge »Peta« nur darum, Aufmerksamkeit zu erregen und in den Medien präsent zu sein. Die andere Seite und die Konsequenzen hätte man nicht im Blick. Auf sich sitzen lassen wollen die Landwirte dieses Vorgehen nicht. »Wir haben das schon an den Anwalt weitergegeben und auch den Bauernverband informiert, dort kennt man dieses Vorgehen, auch andere Landwirte sind betroffen«, sagt Johann Heinz.

Auf dem Paulbauernhof ist der Alltag längst zurück, auch wenn die Familie das Geschehene noch verarbeiten muss. Die Tiere müssen versorgt, die Milch zu Käse verarbeitet und die Landfläche bewirtschaftet werden. Der Stall soll im Übrigen möglichst schnell wieder aufgebaut werden.

Lena Klein