weather-image
27°

»Beim Koalitionspartner beißen wir auf Granit«

Schönau am Königssee - Staatssekretärin Katja Hessel hat am Montag die Geschäftsleute am Königssee besucht. Die FDP-Politikerin diskutierte mit ihnen über den Verkauf an Sonn- und Feiertagen. Auch wenn sie keine Ergebnisse mitbrachte, vertrat sie doch eine klare Ansicht: »Es muss endlich eine zufriedenstellende Lösung für das Ladenschlussgesetz gefunden werden«, betonte sie. Wenn nicht, müsse gleiches Recht für alle gelten und Touristenorte wie der in Bad Wiessee auch am Sonntag schließen.

Staatssekretärin Katja Hessel - konfrontiert mit einer Königssee-Lederhose. Foto: Anzeiger/kp

Ein wenig Verzweiflung schwingt mit, als die Königsseer Geschäftsleute ihre Situation schildern. Katja Hessel, die auf Krücken unterwegs ist und deren Besuch von zahlreichen Regionalmedien bereits als abgesagt gemeldet wurde, ist doch gekommen. Sie hört zu. Noch ist die Saison am Königssee nicht ganz vorbei, noch kommen Gäste, flanieren über die Seestraße, kaufen Kleidung und Souvenirs. »Doch, was ist, wenn die Urlaubszeit vorbei ist«, fragt Markus Zeitz, Trachtenverkäufer und Sprachrohr der Geschäftsleute.

Anzeige

»Dann herrscht hier absolute Flaute«, so lautet seine wie aus der Pistole geschossene Antwort. Und das Anliegen, endlich ein eigenes bayerisches Ladenschlussgesetz auf den Weg zu bringen, verläuft im Sand. Nichts mehr mit medienwirksamer Aufmerksamkeit. Keine Sarg-Aktionen, die darauf hinweisen sollen, dass der Tourismus am Königssee kurz vor dem Aus steht. »Bis die nächste Saison an Ostern losgeht, ist der Druck aus der Sache draußen.«

Zeitz kennt viele bayerische Tourismusorte, in denen sonntags noch immer verkauft werden darf. Was er gut findet. Bad Wiessee ist so ein Ort. Vom Sportartikel, über Musik-CDs bis hin zur Ansichtskarte findet man dort alles. Am Königssee wird der Verkauf aber nur noch bis Ende Oktober möglich sein. Dann tritt das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts in Kraft, das verfügt hat, dass nur noch sehr wenige Geschäfte dort offen haben dürfen. Nur solche, deren Angebot zu einem großen Teil aus Produkten besteht, die in einer für Schönau am Königssee geltenden Verordnung aufgeführt sind.

Darunter fallen etwa Tabakwaren, Badeartikel oder klassische Souvenirs mit Königssee-Schriftzug. Vor allem: Mitbringsel. Dass sich bis auf Oberammergau keine anderen Orte mit Schönau am Königssee solidarisieren, liege, so Zeitz, daran, dass die Notwendigkeit einfach noch nicht groß genug sei.

Staatssekretärin Katja Hessel erkundigt sich: »Verkaufen Sie auch die traditionellen Lederhosen?« Wolfgang Riehl, ein Trachtenverkäufer, sagt, dass man zwar Lederhosen führe, aber eben solche, die auch ein Urlaubsgast kaufen würde. Originale Lederhosen seien Maßanfertigungen. Nur wenige Lederhosenmacher in Berchtesgaden produzieren diese. Die Wartezeit beträgt weit über ein Jahr. Katja Hessel betont, dass unbedingt in den nächsten Monaten etwas geschehen müsse. Bis Ostern spätestens.

Wenn denn der Koalitionspartner, die CSU, mitspiele. Ganz so rosig schaut es derzeit nicht aus. »Es muss eine Regelung gefunden werden, die für alle gilt«, sagt Hessel. Ziel könne es nicht sein, dass in Urlaubsorten sonntags alle Läden schließen müssten, sondern dass alle Geschäfte offenbleiben können. Katja Hessel sagt, dass das Problem sei, dass im Koalitionsvertrag nichts über das Ladenschlussgesetz zu finden ist. Ein Grund, warum die Gespräche und Verhandlungen so mühsam laufen. »Beim Koalitionspartner beißen wir bislang auf Granit«, sagt sie.

Die Geschäftsleute drängen darauf, dass man sie nicht im Stich lässt, die prognostizierten Einbußen seien immens hoch. »Ich verspreche Ihnen, dass ich mich weiterhin einsetzen werde«, sagt Hessel, deren Funktion auch die der Tourismusstaatssekretärin ist. Das freut die Unternehmer vom Königssee. Wenigstens ein kleiner Lichtblick in einer so trüben Herbstzeit. kp